Escriva: Zinspause der EZB "sehr wahrscheinlich"

Madrid, 06. Mrz (Reuters) - Trotz der rasant steigenden Ölpreise im Zuge des Irankriegs wird die EZB laut dem spanischen Notenbankchef wohl diesen Monat stillhalten. "Nach dem mir vorliegenden Stand der Informationen halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass wir die Leitzinsen bei der nächsten Sitzung antasten werden", sagte EZB-Ratsmitglied Jose Luis Escriva am Freitag dem regionalen Fernsehsender TV3 mit Blick auf den Nahost-Krieg. Er fügte hinzu: "Wir können bereits jetzt davon ausgehen, dass es Auswirkungen geben wird." Der Ende Februar ausgebrochene Krieg der Verbündeten USA und Israel gegen den Iran hat sich auch auf andere Golfstaaten ausgeweitet. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat bereits vor den Folgen eines länger andauernden Krieges gewarnt. In diesem Fall könne die Wirtschaft ausgebremst und die Inflation in der Euro-Zone angeheizt werden.
Der Preis für US-Öl ist wegen der Furcht vor langfristigen Lieferausfällen durch den Nahost-Krieg bereits auf 84,90 Dollar je Fass gestiegen, den höchsten Stand seit April 2024. Das Nordseeöl Brent markierte mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 87,66 Dollar je Fass ebenfalls ein 23-Monats-Hoch.
Katar rechnet damit, dass alle Energieerzeuger am Golf ihre Exporte innerhalb weniger Wochen einstellen und den Ölpreis auf 150 Dollar pro Barrel treiben werden, wie der Energieminister des Landes, Saad al-Kaabi, der "Financial Times" sagte. Selbst wenn der Krieg sofort beendet würde, würde Katar "Wochen bis Monate" brauchen, um zu einem normalen Lieferzyklus zurückzukehren. Angesichts solcher Szenarien rechnen Geldmarkthändler damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins im laufenden Jahr anheben wird, womöglich bereits im Sommer.



