Lanxess-Aktie stürzt ab - Advent will Envalior vorerst nicht ganz

Reuters · Uhr
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München/London, 06. ⁠Mrz (Reuters) - Rückschlag für Lanxess: Die Aktie des Spezialchemie-Konzerns ist nach dem vorerst gescheiterten Ausstieg aus einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Advent an der Börse auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren abgestürzt.

Advent wolle den verbliebenen Lanxess-Anteil von knapp 41 Prozent an dem Kunststoff-Joint ‌Venture Envalior vorerst nicht übernehmen, teilte das Kölner Unternehmen mit. Lanxess hätten daraus Anfang April rund 1,2 Milliarden Euro gewinkt - je nachdem, wie sich das operative ⁠Ergebnis von ⁠Envalior entwickelt hat. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie brach am Freitag um 18 Prozent auf 13,33 Euro ein und war damit so billig wie seit 2009 nicht mehr.

Envalior war vor drei Jahren gegründet worden. Lanxess hatte dazu sein Geschäft mit Kunststoff-Polymeren mit der Kunststoff-Sparte der niederländischen DSM zusammengelegt. Im Zuge dessen übernahm ‌Advent die Mehrheit an Envalior. Lanxess behielt 41 ‌Prozent, hatte den Komplettrückzug aber von Anfang an im Blick. Die erste von drei Chancen dazu ist nun gescheitert. Lanxess hatte im September die Option gezogen, seinen Anteil ganz ⁠oder zumindest zur Hälfte zum 1. April 2026 an Advent zu verkaufen. Advent nutzte ‌nun aber eine Klausel, die dem Investor ⁠einen Rückzieher ermöglichte, wenn er die Finanzierung nicht stemmen könne.

Ein Insider sagte Reuters, die schwache Chemiekonjunktur und der Kursrutsch an den Märkten angesichts des Iran-Kriegs habe Advent dazu bewogen. Lanxess hat auf die Nachfrageschwäche mit Kostensenkungen ‌reagiert. Der Konzern hatte auf den Buchwert ⁠der Envalior-Beteiligung bereits Abschreibungen bilden müssen. ⁠Das Unternehmen versuchte die Investoren zu beruhigen: Auch ohne die Einnahmen aus dem Envalior-Anteil sei Lanxess langfristig solide finanziert. Die Rückzahlung der im Oktober 2026 fällig werdenden Anleihe sei gesichert.

Die nächsten Schritte sind bereits vorgezeichnet: 2027 hat zunächst Advent das Recht, die Lanxess-Anteile zu erwerben. Ab April 2028 kann dann Lanxess sein Anteilspaket wieder dem Partner andienen, der dann mindestens 50 Prozent übernehmen muss und sich dann auch nicht mehr auf eine fehlende Finanzierung berufen kann.

(Bericht von ⁠Tom Käckenhoff, Alexander Hübner und Andres Gonzalez. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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