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3 verrückte Zahlen zu Wirecards Blockchain-Projekt

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3 verrückte Zahlen zu Wirecards Blockchain-Projekt

Schwer zu sagen, was bei Wirecard (WKN:747206) aktuell spannender ist. Ist es die Wirecard-Aktie, die sich nach einem Plus von 53 % in den letzten drei Monaten kaum vom Allzeithoch trennen mag (Stand: 25.06.2018)? Oder ist es Wirecards Newsroom, in dem in letzter Zeit eine große Ankündigung die nächste jagt?

Vor ein paar Wochen erst stellte Wirecard das IoT-Regal mit biometrischer Zahlungsabwicklung vor. Eine Innovation, die mich in vielen Punkten überzeugen konnte. Mich nachhaltig zu beeindrucken ist dabei für gewöhnlich ziemlich schwierig.

Wirecards neuester Streich ist eine Supply-Chain-Payment-Plattform, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Mit Hilfe dieser Plattform soll ein „hocheffizientes, globales Netzwerk“ entstehen, mit dem Geschäftsprozesse in sogenannten Smart Contracts erfasst werden können. Anleger, die sich für Kryptowährungen interessieren, werden erkennen, dass sich Wirecard hier mit einer Technologie beschäftigt hat, die meiner Wahrnehmung nach spätestens seit dem fulminanten Aufstieg des Bitcoin im Jahre 2017 gerne als die Zukunftstechnologie schlechthin gehandelt wird.

Als Zielgruppe für die neue Plattform hat Wirecard die Produzenten und Verarbeiter von Rohstoffen im Visier. Unter anderem solche aus den Bereichen Kaffee, Stahl und Rohöl. Grund genug, um zu prüfen, welche Märkte sich Wirecard da eigentlich genau vorgenommen hat.

Drei Rohstoffklassiker im Volumencheck

Im Jahr 2016 wurden weltweit 9,22 Millionen Tonnen Rohkaffee geerntet. Im Jahresdurchschnitt kostete das Pfund Rohkaffee etwa 1,4 US-Dollar. Das macht etwa 3080 US-Dollar pro Tonne. Demnach wurden 2016 also insgesamt etwa 28,4 Milliarden US-Dollar mit Kaffee umgesetzt. Bei einem realitätsnahen Wechselkurs von 1,16 US-Dollar für einen Euro wären das etwa 24,4 Milliarden Euro.

2016 wurden weltweit 1629 Millionen Tonnen Stahl produziert. Der Preis pro Tonne Stahl (Warmband 5mm x 1200-1500mm) schwankte 2016 in Westeuropa ungefähr zwischen 320 Euro und 550 Euro. Demnach setze ich hier einen mittleren Preis von 325 Euro pro Tonne als gegeben voraus. Somit hatte der Stahlmarkt im Jahr 2016 ein Volumen von etwa 529,43 Milliarden Euro.

4387 Millionen Tonnen Erdöl wurden 2016 weltweit gefördert. Ein Barrel Erdöl der Sorte WTI wurde 2016 in einer Preisspanne von ungefähr 26 US-Dollar bis 54 US-Dollar gehandelt. Hier wäre es meiner Ansicht nach legitim, mit 40 US-Dollar pro Barrel zu rechnen. Beachtet man die spezifische Dichte von Erdöl, entspricht ein Barrel etwa 0,137 metrischen Tonnen. Somit setze ich hier einen Preis von 292 US-Dollar pro Tonne Erdöl voraus. Damit hätte der Ölmarkt ein Volumen von insgesamt etwa 1.281 Milliarden US-Dollar bzw. 1.100 Milliarden Euro, sofern 1,16 US-Dollar für einen Euro als Wechselkurs vorausgesetzt wird.

Erwartungsgemäß übernimmt der Ölmarkt den Spitzenplatz. Ein Stück dahinter folgt der Markt für Stahl. Der Markt für Kaffee reicht nicht ganz an die Dimensionen der beiden anderen genannten Märkte heran. Eines scheint jedoch sicher: Wirecard hat sich große Ziele gesetzt.

Wie groß kann das Kuchenstück werden?

Die Frage ist, was passieren würde, wenn sich Wirecard mit der Supply-Chain-Payment-Plattform auf den drei genannten Märkten etablieren könnte. Wie viel könnte Wirecard in diesem Fall verdienen?

Angenommen, Wirecard würde für seine Dienste schlanke 3 % Gebühren vom Umsatz einbehalten. Das wären bei Kaffee etwa 732 Millionen Euro, bei Stahl etwa 16 Milliarden Euro und bei Erdöl etwa 33 Milliarden Euro.

Drei verrückte Zahlen, die natürlich vor allem spekulativer Natur sind. Völlig unrealistisch sind diese Zahlen meiner Meinung nach trotzdem nicht. Die errechneten Marktvolumina lassen meiner Ansicht nach genug Spielraum für verrückte Zahlen.

Bei Wirecard könnte ich ein Auge zudrücken

2017 konnte Wirecard einen Umsatz von etwa 1,49 Milliarden Euro generieren. Ich schätze, jeder Anleger kann sich ausmalen, was mit der Wirecard-Aktie passieren würde, wenn die Supply-Chain-Payment-Plattform an den Märkten für Kaffee, Stahl oder Erdöl erfolgreich andocken kann. Die Rohstoffmärkte sind derart groß, dass selbst ein Marktanteil von 10 % meiner Ansicht nach ein großer Erfolg wäre. Wie die Würfel letztendlich fallen, kann wie so oft nur ein Zeitreisender beantworten.

Ich für meinen Teil bin positiv überrascht von der Kürze der Intervalle, in denen Wirecard neue Innovationen ankündigt. Dieses Unternehmen scheint derzeit einen Lauf zu haben. Aber ehrlich gesagt erwarte ich von einer echten Wachstumsaktie nichts geringeres als greifbare Zukunftsvisionen, die das Wachstum auch rechtfertigen. Wer Gründe sucht, warum Wirecard weiter wird wachsen können, wird meiner Ansicht nach derzeit wenig Mühe haben.

Ob sich ein Kauf empfiehlt, hängt meines Erachtens vor allem vom Anlegertyp ab. Ich persönlich neige eher in Ausnahmefällen zu Wachstumsaktien. Stattdessen greife ich lieber bei Unternehmen zu, die ich gut kenne und zum Kaufzeitpunkt für unterbewertet erachte. Bei Wirecard werde ich vielleicht eine Ausnahme machen. Sei es auch nur deshalb, um nicht wieder einen Blockchain-Hype zu verschlafen.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2018

Foto: Getty Images

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