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Das Orakel aus Omaha im Irrtum?

Stefan Riße

Wenn Investorenlegende Warren Buffett irgendwo einsteigt, dann löst das in der Regel gleich weitere Kursgewinne im betreffenden Wert aus, sobald sein Engagement über die offiziellen Meldungen bekannt wird. Buffett gilt eben als die Koryphäe des Value-Investings. Was er anfasst gelingt, so der Eindruck. Umso mehr horchte die Investment-Community nun auf, als mit Kraft Heinz eines seiner Investments ziemlich unter die Räder kam. Buffett war 2013 zusammen mit dem Finanzinvestor 3G bei Heinz eingestiegen und hatte 2015 den Zusammenschluss mit Kraft Foods betrieben und unterstützt.

Kraft Heinz ist kein Einzelphänomen

Die Geschäftszahlen von Kraft Heinz konnten zuletzt nicht überzeugen. Hohe Rohstoff- und Transportkosten drücken auf den Gewinn, aber auch die Umsätze wachsen nicht mehr wie man es früher gewohnt war. Es ist ein Phänomen, das sich bei den großen Konsumgüterherstellern überall zeigt. Henkel und Beiersdorf enttäuschten zuletzt ebenfalls mit ihren Zahlen. Procter & Gamble bekam vor Jahren schon Probleme und auch einer von Buffetts Dauerbrennern - Coca Cola - glänzt nicht mehr mit gradlinigen Wachstumszahlen. Die Gründe sind vielfältig und so langsam wird klar, das ist nicht nur eine temporäre Schwächephase. Die Welt hat sich auch hier gewandelt.

Trend zu Umweltschutz und gesünderem Leben verändern Konsumentenverhalten

Gerade Coca Cola ist ein gutes Beispiel für einen neuen Ernährungstrend, der auch in den USA Einzug hält. Nach dem Tabak ist Zucker nun als Synonym für ungesundes Leben ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Da kommt Cola nicht mehr gut an. Die Light und Zero helfen zwar hier, aber können den Trend nicht ganz ausgleichen. Zudem schmecken die Limonaden mit Zuckerersatz nur bedingt. Bio ist gefragt. Und hier punkten vor allem lokale kleine Anbieter bei den Konsumenten. Sie wirken sympathischer als die industriellen Großhersteller. Zwar setzen auch diese zunehmend auf gesündere Produkte und Bio-Linien, doch tun sich die kleineren Anbieter, die ihre Marke von Anfang an mit diesem Image aufgeladen haben, bedeutend leichter. Ein anderer Aspekt ist der Umweltschutz. Wer die Produkte aus lokalem Anbau und Produktion kauft, belastet die Umwelt nicht mit hohen Transportkosten. Ein weiteres Problem sind die bei den Massenherstellern verwendeten Plastikverpackungen, denen nun ebenfalls der Kampf angesagt wurde. Das alles rüttelt am jahrelang unbedrohten Geschäftsmodell der großen Oligopole im Konsumgüterbereich.

Oligopole eingequetscht zwischen Plattformunternehmen und neuen Angreifern

Neben neuen kleinen Anbietern, die sich ein sympathisches Image als umweltbewusst und gesund aufbauen, sind die Gewinner des zuvor beschriebenen Trends die Plattform-Unternehmen wie Amazon, Ebay, Facebook und Google, die es den neuen Wettbewerbern erst ermöglichen, in den Markt der Großen einzudringen. Früher war dies unmöglich, weil der Weg zum Kunden nur über die Supermarktketten führte. Das bedeutete deutschlandweite Belieferung auf einen Schlag, was viele nicht leisten konnten. Heute geht es los mit dem eigenen Onlineshop, dann kommen Verkaufsplattformen wie Amazon und Ebay dazu. Geworben wird über Social Media bei Facbook oder Instagram. So entsteht eine Marke, die irgendwann ganz von selbst von den Supermärkten nachgefragt wird, weil der Verbraucher danach fragt. Plattformen wie Amazon brechen mit günstigen Eigenmarken ebenfalls ins Geschäftsfeld der großen Konsumgüterhersteller ein. Marke als Qualitätssiegel verblasst in Zeiten der Bewertungsportale. Wenn die Windel, die die Hälfte der Pampers kostet, von hunderten von Müttern genauso gut bewertet wird, bekommt auch der Billighersteller plötzlich das Vertrauen geschenkt.

Rückgang, nicht Untergang

Was bedeutet das für die Nestlés, Procters und Henkels? Panik ist unangebracht. Überleben werden sie. Viel zu wichtig und groß ist ihr heutiger Marktanteil und nicht jeder kann oder will sich Bio leisten. Manche schaffen es auch, sich auf die neuen Umstände einzustellen. Procter & Gamble gelang es durch eine Straffung des Markenportfolios. Aber es wird schwieriger. Blind kaufen, wie es früher bei diesen Titeln ging, funktioniert nicht mehr. Weil sie lange Jahre so gut liefen und Buffett sie liebte, liebten sie irgendwann alle und sie waren nicht mehr billig. Wenn die Wachstumsprognosen in einer solchen Situation nur um ein bis zwei Prozentpunkte zurück genommen werden, dann kostet das den Kurs ganz schnell ein Viertel an Wert. Dass muss Anlegern klar sein, die hier engagiert sind.

Buffett sagte in dieser Woche, er habe für Heinz damals zu viel bezahlt, hält aber an der Aktie fest. Er braucht jetzt Geduld und die hat sich für ihn oft am Ende ausgezahlt. Denn Fehler hat er in seiner Karriere immer wieder gemacht. Viel konnten er und seine Anhänger aus diesen lernen und vielleicht sogar mehr als aus den erfolgreichen Investments.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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