US-Arbeitsmarkt entwickelt sich überraschend robust

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Der US-Arbeitsmarkt zeigt nach wie vor keine größeren Anzeichen von Schwäche. Zwar hat sich der Beschäftigungsaufbau in den vergangenen Monaten tendenziell abgeschwächt. Er liegt aber immer noch auf einem soliden Niveau. Außerdem verringert sich die ohnehin niedrige Arbeitslosenquote, und die Löhne steigen deutlich. Ob die US-Zentralbank in einem solchen Umfeld schon bald mit Zinssenkungen beginnen wird, erscheint fraglich.

Im November kamen laut Mitteilung des Arbeitsministeriums vom Freitag außerhalb der Landwirtschaft 199 000 Stellen hinzu. Analysten hatten im Schnitt mit 185 000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet. Der Beschäftigungsaufbau in den beiden Vormonaten wurde um insgesamt 35 000 Stellen nach unten revidiert. Der Arbeitsmarkt bleibt unter dem Strich robust. Viele Unternehmen klagen nach wie vor über einen Arbeitskräftemangel.

Ähnliche Signale kamen von der Arbeitslosenquote. Sie fiel um 0,2 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent. Volkswirte hatten im Schnitt mit einer unveränderten Quote gerechnet. Laut Ministerium sind derzeit etwa 6,3 Millionen US-Bürger ohne Job. Im längeren Vergleich ist das eine niedriger Zahl.

Die Löhne legten unterdessen weiter zu. Die durchschnittlichen Stundenlöhne erhöhten sich auf Monatssicht um 0,4 Prozent, wohingegen Analysten mit 0,3 Prozent gerechnet hatten. Im Vormonat waren die Löhne um lediglich 0,2 Prozent gestiegen. Im Jahresvergleich blieb der Lohnauftrieb mit 4,0 Prozent stabil. Deutlich steigende Löhne bedeuten für die Federal Reserve zusätzliche Inflationsrisiken.

Bankvolkswirte wiesen zwar auf statistische Verzerrungen hin, sie interpretierten die Zahlen aber grundsätzlich solide. Spekulationen, die US-Notenbank werde schon im ersten Quartal eine Zinssenkungsphase einläuten, hätten einen herben Dämpfer erlitten, kommentierte Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg. Daran ändere auch der Einwand nichts, dass der Beschäftigungsanstieg durch die Rückkehr von Streikenden in der Autoindustrie und der Filmwirtschaft nach oben verzerrt sei. Die Analysten von Capital Economics veranschlagen den Effekt auf knapp 50 000 Arbeitsplätze.

An den Märkten wird derzeit auf kräftige Zinssenkungen der Fed im kommenden Jahr gesetzt. In der Summe sind Lockerungen von etwa 1,25 Prozentpunkten eingepreist. Aus der Fed kamen bisher allerdings keine entsprechenden Signale. In der kommenden Woche treffen die Währungshüter ihren letzten Zinsentscheid in diesem Jahr. Dann werden auch neue Zinsprognosen erwartet, die etwas Aufschluss über den geldpolitischen Kurs geben könnten.

An den Finanzmärkten legte der US-Dollar gegenüber vielen Währungen nach den Arbeitsmarktzahlen zu. Der Euro geriet im Gegenzug unter Druck. Am US-Anleihemarkt stiegen die Renditen spürbar an. Die Aktienmärkte reagierten nur kurz negativ auf die Daten.

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