
Nach den deutlichen Verlusten in der Vorwoche hat der deutsche Aktienmarkt am Montag einen Erholungsversuch gestartet. Der Dax stieg im frühen Handel um 1,22 Prozent auf 23.373 Punkte.
Börsenexperte Andreas Lipkow sprach von einer wieder aufgeflammten Zinssenkungsphantasie in den USA. Die Marktteilnehmer setzten nach jüngsten Äußerungen des US-Notenbankmitglieds John Williams nun auf eine Zinslockerung bei der kommenden Notenbanksitzung im Dezember.
Rüstungstitel geben nach
Angesichts der Einigung zwischen den USA und der Ukraine auf einen überarbeiten Plan für ein mögliches Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stehen deutsche Rüstungswerte weiter unter Druck. Am Montagvormittag rutschte der Aktienkurs von Rheinmetall auf ein frisches Tief seit April.
Renk waren dort bereits am Freitag gelandet und verloren weiter. Hensoldt sanken auf das Niveau vom Mai. Vertreter der USA und der Ukraine erstellten bei Gesprächen in Genf gemeinsam einen überarbeiteten und verbesserten Entwurf. Beide Seiten seien sich einig, die intensive Arbeit an dem Vorschlag "in den kommenden Tagen" fortzusetzen und sich dabei weiter eng mit den europäischen Partnern abzustimmen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die in Kiew und Washington verbreitet wurde.
Der neue US-Vorstoß hatte die Rüstungswerte bereits in der Vorwoche belastet. Analysten wurden jedoch nicht müde zu betonen, dass dies an der grundsätzlichen Bedrohungslage und an der Wiederbewaffnung Europas nichts ändert. David Perry von der Bank JPMorgan wiederholte am Montag bereits, dass er die Rheinmetall-Korrektur für eine gute Einstiegschance hält. Rheinmetall hatten sich bis Anfang Oktober mit 2.008 Euro im Jahresverlauf mehr als verdreifacht. Bis zum Montagmorgen haben sie inzwischen 29 Prozent vom Rekord korrigiert. Das Jahresplus schmolz auf 132 Prozent.
Hoffnungsträger für Bayer
Zwei Jahre nach einem schweren Rückschlag mit dem Pharma-Wirkstoff Asundexian hat Bayer mit dem Blutgerinnungshemmer nun einen wichtigen Erfolg in der Schlaganfallprophylaxe erzielt. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern will das Mittel perspektivisch auf den Markt bringen; Gespräche über Zulassungsanträge mit Behörden sind geplant, wie das im Dax notierte Unternehmen am Sonntag mitteilte. Analysten sprechen von einer positiven Überraschung und trauen dem Mittel Blockbuster-Potenzial zu, also Jahreserlöse von mehr als einer Milliarde US-Dollar.
Sie wollen aber zunächst Studiendetails sehen, um das Geschäftspotenzial besser einschätzen zu können. An der Börse jedenfalls kamen die Neuigkeiten gut an. Konkret reduzierte Asundexian in einer zulassungsrelevanten Phase-III-Studie in Kombination mit Mitteln zur Verhinderung des Verklumpens von Blutplättchen (Thrombozytenaggregationshemmung) das Risiko für ischämische Schlaganfälle bei Patienten mit vorherigem Schlaganfall deutlich, ohne die Rate schwerer Blutungen im Vergleich zu Placebo zu erhöhen, wie Bayer weiter mitteilte. Die primären Wirksamkeits- und Sicherheitsendpunkte seien damit erreicht worden.
Aktionäre jedenfalls feierten die aktuellen Daten schon einmal. Die Bayer-Papiere kletterten kurz nach dem Handelsstart am Montag mit einem Plus von acht Prozent auf 29,81 Euro an die Spitze des deutschen Leitindex Dax. Zuletzt lag das Plus bei knapp 11,5 Prozent. Über 30 Euro winkt den Papieren ein Ausbruch über den jüngsten Widerstand. Die Kurserholung nach jahrelanger Talfahrt wegen der milliardenteuren Glyphosat- und PCB-Rechtsstreitigkeiten in den USA könnte dann nochmals Fahrt aufnehmen. Zum Vergleich: Noch im April war der Kurs mit weniger als 18,40 Euro auf ein Tief seit 2003 gefallen - das war ein Kurseinbruch um rund 90 Prozent seit dem Rekordhoch 2015. (mit Material von dpa-AFX)


