Kolumne von Alexander Mayer

Kommt der Bitcoin-Bärenmarkt oder fängt die Rally erst richtig an?

decentralist.de · Uhr

Laut dem vorherrschenden Bitcoin-Bewertungsmodell müsste 2026 ein Jahr der Korrektur werden. Doch es sprechen ebenso Faktoren dafür, dass es deutlich nach oben gehen kann. Welcher Indikator dabei wichtig wird, erfährst du hier.

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Quelle: AlyoshinE/Shutterstock.com

2026 wird ein besonderes Jahr für die Kryptowährung Bitcoin, da ein grundlegendes Bewertungsmodell erneut auf den Prüfstand gestellt wird. Der sogenannte 4-Jahres-Zyklus zählt seit über einem Jahrzehnt zu den dominierenden Erklärungsmodellen für die langfristige Kursentwicklung von Bitcoin.

Historisch ließ sich beobachten, dass auf jedes Halving – also die Halbierung der durch Mining neu geschaffenen Bitcoin – mit zeitlicher Verzögerung eine starke Aufwärtsphase folgte, die schließlich in einem zyklischen Hoch und einer anschließenden Korrektur mündete.

Der Zyklus ließ sich dabei bisher recht exakt in mehrere Phasen unterteilen: Den Makro-Ausbruch in einen neuen Aufwärtstrend in einem Pre-Halving-Jahr (2015, 2019, 2023), die frühe Bullen-Phase im eigentlichen Halving-Jahr (zuletzt im Jahr 2024), die späte Bullenphase im Post-Halving-Jahr (2013, 2017, 2021 und 2025) und die Bärenmarkt-Jahre im vierten Jahr des Zyklus.

Dieses Muster hat sich bislang mehrfach bestätigt, so scheinbar auch im aktuellen Zyklus. Gleichzeitig hat sich das Marktumfeld jedoch grundlegend verändert. Bitcoin ist heute kein Nischen-Asset mehr, sondern zunehmend in institutionelle Portfolios, börsengehandelte Produkte und makroökonomische Narrative eingebettet.

Genau daraus ergibt sich für 2026 eine entscheidende Frage: Ist der 4-Jahres-Zyklus weiterhin ein dominanter Treiber – oder wird er von übergeordneten Liquiditäts- und Makrofaktoren überlagert?

Das Modell widerspricht dem makroökonomischen Umfeld

Nach klassischer Zykluslogik wäre 2026 historisch betrachtet eher ein Jahr der Konsolidierung oder Korrektur nach einer vorhergehenden Aufwärtsphase. Gleichzeitig spricht das makroökonomische Umfeld – insbesondere die Aussicht auf weiter steigende Liquidität, geldpolitische Lockerung und einen fortgeschrittenen Business Cycle – eher für ein unterstützendes Marktregime. 

Die Federal Reserve hat erst Ende 2025 mit dem Start eines neuen Anleihekaufprogramms damit begonnen, wieder in einen geldpolitischen Lockerungszyklus überzugehen. Angesichts der weiterhin relevanten US-Schuldenkrise und dem Bestreben der aktuellen Regierung, den Wirtschaftszyklus durch Deregulierung, Zinssenkungen und Steuererleichterungen anzukurbeln, steht ein erheblicher Teil des Liquiditätspotenzials noch aus.

Damit entsteht führ Bitcoin ein Spannungsfeld zwischen zwei Kräften:

  • einem angebotsgetriebenen, zyklischen Modell,
  • und einem nachfrage- und liquiditätsgetriebenen Makroregime.

Sollte Bitcoin im Jahr 2026 trotz expansiver Geldpolitik eine ausgeprägte zyklische Schwächephase durchlaufen, wäre dies ein starkes Indiz dafür, dass der 4-Jahres-Zyklus weiterhin strukturell wirksam ist. Umgekehrt würde eine stabile oder sogar weiter steigende Kursentwicklung darauf hindeuten, dass Bitcoin zunehmend in übergeordnete Makrozyklen integriert wird und sich vom klassischen Halving-Narrativ emanzipiert.

In diesem Sinne wird das Jahr 2026 definitiv eine Antwort liefern. Es wird zeigen, ob der 4-Jahres-Zyklus weiterhin als verlässlicher Orientierungsrahmen dient – oder ob Bitcoin endgültig in eine neue Phase eintritt, in der Liquidität, Geldpolitik und institutionelle Kapitalflüsse das zyklische Angebotsschema dominieren.

Auf diesen Indikator sollten Investoren in 2026 schauen

Das Makro-Thema Liquiditätsentwicklung bleibt der größte potenzielle Katalysator für Bitcoin. Eine steigende Liquidität im System korreliert mit steigenden Asset-Preisen und mit einer steigenden wirtschaftlichen Aktivität. Dies wiederum sorgt neben der Freisetzung des nötigen Kapitals auch für die nötige Risikofreude für vermehrte Investments in riskantere Anlagen, wie Aktien, aber auch Bitcoin.

Geldpolitische Lockerung wirkt dabei in mehreren Stufen: Sinkende Zinsen reduzieren zunächst die Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte. Gleichzeitig verbessern sich die Bewertungsniveaus von Vermögenswerten, da zukünftige Cashflows mit niedrigeren Diskontierungsraten bewertet werden. Diese Kombination sorgt dafür, dass Investitionen wieder attraktiver werden – sowohl in der Realwirtschaft als auch an den Finanzmärkten.

Mit zeitlicher Verzögerung schlägt sich diese Entwicklung im konjunkturellen Umfeld nieder. Unternehmen erhöhen ihre Investitionsausgaben, Arbeitsmärkte stabilisieren sich, und die Gewinnerwartungen steigen. In dieser Phase wechselt das Marktumfeld typischerweise von einem defensiven „Risk-Off“-Regime in ein zunehmend risikofreudiges Risk-On-Umfeld. Ein Großteil der Wirtschaftsteilnehmer hat wieder mehr Planungssicherheit und mehr verfügbares Kapital, das investiert werden kann.

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Bitcoin

Ein aussagekräftiges Abbild für diese Dynamik ist der ISM Purchasing Managers Index: ein vorlaufender Indikator für den US-Geschäftszyklus, da er die wirtschaftliche Stimmung effizient abbildet. Er basiert auf monatlichen Umfragen unter Einkaufsleitern aus dem verarbeitenden Gewerbe, die frühzeitig auf Veränderungen bei Auftragseingängen, Produktion, Lagerbeständen, Beschäftigung und Lieferzeiten reagieren. Einkaufsmanager stehen an der Schnittstelle zwischen Nachfrage und Produktion und treffen Entscheidungen, bevor sich diese in harten Wirtschaftsdaten wie BIP, Industrieproduktion oder Arbeitsmarktzahlen niederschlagen.

Bitcoin und ISM-Einkaufsmanagerindex
Quelle: Tradingview

Der Index zeigt, ob eine Mehrheit der Unternehmen Expansion oder Kontraktion meldet. Die Schwelle von 50 Punkten markiert dabei den Übergang zwischen Wachstum und Schrumpfung und korreliert historisch eng mit Wendepunkten im Konjunkturzyklus.

Ein direkter Bergleich mit der Kursentwicklung von Bitcoin, die wiederum der Liquiditätsentwicklung folgt, zeigt die übergeordnete Korrelation.

Kommt der Bärenmarkt oder hat der Bullenmarkt noch gar nicht angefangen?

Seit dem letzten Bärenmarkt 2022 ist die Aufwärtsbewegung an den Finanzmärkten sehr zentriert abgelaufen. Große Tech-Aktien, angetrieben durch das KI-Narrativ, haben die Aktienmärkte getragen und durch ihren erheblichen Anteil in der Gewichtung für ein verzerrtes Bild im S&P 500 gesorgt. Der gleichgewichtete S&P 500 oder der US-Smallcap Index Russell 2000 zeigen das in Form einer deutlich verhaltenen Performance im Vergleich zum S&P 500. Bitcoin konnte, getragen durch den Einstieg der Wallstreet, seit dem Tief 2022 neue Hochs zeichnen, doch der Altcoin-Markt befindet sich seit Jahren in einem übergeordneten Bärenmarkt. 

Die breiteren Marktsegmente zeigen damit eine realistischere Bewertung der fundamentalen Lage: ein seit 2022 bestehendes Hochzins- und Hochinflationsumfeld, dass breite Teile der Wirtschaft unter Druck setzt und damit auch die Investmentkapazität der Allgemeinheit drosselt, während die Wallstreet noch vorhandene Liquidität aus der Corona-Phase in wenigen großen Marktsegmenten rotiert.

Das ändert sich nun mit einem echten Übergang von geldpolitischer Straffung hin zu geldpolitischer Lockerung in den USA, dem der Rest der Welt voraussichtlich folgen wird, da die Federal Reserve als Schaltzentrale des Dollars der globale Taktgeber bleibt.

Es bleibt trotzdem die Frage, ob die Liquiditätsfreisetzung ihre Wirkung entfalten wird oder nicht – das gilt nicht nur für Bitcoin, sondern für die Märkte insgesamt. Angesichts vergangener Reaktionen auf eine Ausweitung des Liquiditäts- und Business-Zyklus besteht jedoch zumindest die klare Tendenz für einen strukturell steigenden Markt.

Ich wünsche allen onvista-Lesern einen guten Rutsch ins Jahr 2026. Denken Sie langfristig!

Ist die Altcoin-Story endgültig vorbei oder steckt doch noch Potenzial in diesem Sektor? Welche Faktoren für eine echte Wiederbelebung notwendig sind, erfahren Sie in der aktuellen Analyse auf decentralist.

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