Verliert die Fed die Unabhängigkeit, könnte die Inflation "mit Wucht zurückkehren"
Maximilian Nagel

Ein hochrangiges Mitglied der US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, hat vor einem Verlust der Unabhängigkeit der Institution gewarnt. In einem Interview mit "CNBC" warnte Austan Goolsbee, Präsident der lokalen Fed-Niederlassung in Chicago vor den Attacken auf den scheidenden Fed-Chef Jerome Powell.
"Alles, was die Unabhängigkeit der Zentralbank attackiert oder beeinträchtigt, führt zu einem Durcheinander", so Goolsbee. "Wenn versucht wird, die Unabhängigkeit der Zentralbank zu beenden, wird die Inflation mit Wucht zurückkehren." Der Zinshüter verwies mit den Aussagen auf die jüngste Spitze gegen Notenbankchef Jerome Powell. Zuletzt betrug die Kern-Verbraucherpreisinflation in den USA noch 2,6 Prozent. Damit lag die Teuerung über dem angestrebten Ziel von 2,0 Prozent jährlich, fiel aber dennoch niedriger als erwartet aus.
Powell bestätigte zu Wochenbeginn, dass er vom US-Justizministerium vorgeladen wurde. Im Mittelpunkt steht dabei die Renovierung der Fed-Zentrale in der Hauptstadt Washington. Die Kosten hierfür übersteigen mittlerweile das einst geplante Budget. Es könne nun daher zu einer Anklage gegen Powell kommen.
Allerdings vermuten Powell, wie auch Analysten und Marktbeobachter, dass eine etwaige Anklage nur ein Vorwand der Regierung unter US-Präsident Donald Trump wäre, um Powell unter Druck zu setzen. Trump, der Powell in seiner ersten Amtszeit selbst zum Chef der Fed gemacht hat, forderte im vergangenen Jahr wiederholt und oft über persönliche Angriffe auf Powell niedrigere Zinsen.
Powell könnte noch bis 2028 Teil der Fed bleiben
"Ich sehe es so, dass die Ermittlungen nur ein Vorwand aufgrund von Differenzen bezüglich der Zinsentscheidungen sind, und das ist ein Schlamassel. Wir sollten nicht an diesem Punkt sein", sagte Goolsbee weiter. Unter Powells Führung senkte die Fed 2025 insgesamt drei Mal die Zinsen. Dadurch sank die sogenannte Fed Funds Rate, der maßgebliche Zinssatz für die weltgrößte Volkswirtschaft, von anfangs 4,25 bis 4,50 Prozent auf aktuell 3,50 bis 3,75 Prozent.
Powell wird den Vorsitz der Bank und des Offenmarktausschusses, welcher die Zinsen lenkt, im Mai 2026 abgeben. Bis 2028 bleibt er aber, sofern er nicht zurücktritt, noch Gouverneur im Direktorium der Notenbank. Powell, Goolsbee sowie weitere Notenbanker betonten immer wieder, wie wichtig eine unabhängige Fed sei. "Ich weiß von Ländern, in denen es Ermittlungen gegen die Notenbank gab, aber dabei geht es um Länder wie Simbabwe, Russland und die Türkei, und ein paar weitere Nationen, die ich nicht als entwickelte Volkswirtschaften ansehe", so Goolsbee.




