ETFs auf MSCI World und Co.

So viel kostet dich der schwache Dollar

onvista · Uhr

US-Präsident Donald Trump verursachte Dienstagabend einen weiteren Abverkauf des Dollar. Das belastet auch deine Rendite – wenn du zum Beispiel in den MSCI World investierst. Doch es gibt Auswege.

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Ein Dollar-Schein hinter Kurssymbolen.
Quelle: Adobe.com/alones

Einmal mehr haben wenige Worte von US-Präsident Donald Trump gereicht, um eine größere Bewegung an den Börsen auszulösen. Die Frage, ob der Kursverfall des Dollars ihn besorge, beantwortete Trump am Dienstag klar.

„Nein, ich denke, das ist großartig“, so Trump zu Reportern im US-Bundesstaat Iowa. Der Präsident ergänzte: „Der Dollar schlägt sich gut.“ Das nahmen die Akteure am Finanzmarkt als Anlass, den Dollar weiter zu verkaufen. Der Kurs der Weltleitwährung fiel und spiegelbildlich stieg der Euro erstmals seit Juni 2021 über die Marke von 1,20 Dollar (siehe Chart unten). 

Trump mag den schwachen Dollar „großartig“ finden. Für dich ist ein sinkender Dollar indes eine konkrete Gefahr, wenn du zum Beispiel einen ETF auf den Weltaktienindex MSCI World im Depot hast. Der sinkende Dollarkurs kostet Rendite, und zwar ordentlich.

Immense Renditedifferenzen beim MSCI World

Der MSCI World, unbestritten der beliebteste Basis-Index bei Anlegern, ist seines Namens im Grunde unwürdig. Zwar vereint er 1.320 Aktien aus 23 Industrieländern, mit einem US-Anteil von fast 72 Prozent aber könnte er auch „MSCI USA und noch ein bisschen Rest“ heißen. Japan kommt auf Platz zwei auf gerade mal 5,5 Prozent Anteil.

Unternehmen mit sehr hohem Börsenwert wie Nvidia oder Broadcom machen einen großen Anteil am Index aus. Vor allem deren Kursentwicklung zog den Kurs nach oben. Der Index legte 2025 um satte 21,6 Prozent zu. Doch dabei wird in US-Dollar gerechnet. Ein Vergleich mit einem währungsbesicherten Fonds, der Wechselkurseffekte eliminiert, zeigt schnell, wie stark der Dollar ins Gewicht fällt.

Der 110 Milliarden Euro schwere iShares Core MSCI World legte, in Euro gerechnet, 2025 nur knapp 5,7 Prozent im Kurs zu. Der deutlich kleinere iShares MSCI World mit Währungsbesicherung, der nur 4,9 Milliarden Euro Volumen hat, ist dagegen 2025 um immerhin 16,1 Prozent teurer geworden (siehe Chart oben). MSCI selbst weist für seine Indizes auch diverse Währungen aus – und das Datenblatt für den MSCI World in Euro weist tatsächlich auch nur einen Jahresgewinn von 6,7 Prozent aus.

Auch bei Einzelaktien zeigen sich Währungseffekte deutlich

Wie deutlich der taumelnde „Greenback“ auf Kurse einwirkt, zeigt sich ebenso bei Einzelaktien. An der New Yorker Nasdaq war eine Amazon-Aktie Ende 2024 219 Dollar wert, genau ein Jahr später waren es 230, ein relativ kleiner Gewinn. Auf Xetra wiederum wechselten die Anteile Ende 2024 für 218 Euro den Besitzer, ein Jahr später aber waren es nur 197 Euro. Hier verbuchtest du also ein Minus mit der Amazon-Aktie.

Spekulanten wetten auf weiteren Dollar-Verfall

Schon im vergangenen Jahr sank der Dollarkurs nach der Ankündigung hoher Zölle durch Trump. Seitdem ging es relativ stetig abwärts für die US-Währung. Das ist auch der Wunsch der US-Regierung. Ein schwächerer Dollar hilft den dortigen Unternehmen schließlich im internationalen Wettbewerb: Wer im Dollarraum produziert und Produkte international vermarktet, setzt bei fallendem Dollarkurs in Dollar gerechnet mehr um, hat aber bei sonst gleichen Bedingungen die gleichen Kosten. Also: mehr Gewinn.

Während der schwache Dollarkurs also für US-Unternehmen auch positive Effekte hat, hat der Verfall der Währung auch negative Seiten. Im Dollarkurs spiegelt sich eine Flucht der Investoren aus US-Anlagen wider. Sie fürchten um die Stabilität der USA. Gründe dafür finden schnell: Trump droht selbst Bündnispartnern mit Zöllen, kündigt internationale Abkommen auf, versucht, die US-Notenbank Fed unter seine Kontrolle zu bekommen und häuft mit seiner Steuergesetzgebung weitere Schulden an.

Wie tief der Dollar angesichts dessen noch fallen kann, ist daher eine wichtige Frage für deine Investments. Spekulanten setzen weiter auf einen Verfall. Laut Bloomberg zahlen Trader für kurzlaufende Optionen gegen den US-Dollar einen so großen Aufpreis wie noch nie seit Beginn der Datensammlung 2011.

Signale dürfte auch die US-Geldpolitik liefern. Trumps Wunsch nach (weitaus) niedrigeren Zinsen würde den Dollarkurs vermutlich weiter belasten. Ende Mai zeigt sich, ob Fed-Chef Jerome Powell nach Ende seiner Amtszeit noch im Direktorium der Notenbank bleibt.

Zeige sich Powell weiter wehrhaft und druckresistent, könnte der Dollarkurs davon profitieren, erklärt Commerzbank-Devisenanalystin Antje Praefcke. Negativ wäre indes eine Fed, die mit Trump-Loyalisten bestückt wäre. „Wir wären wenig überrascht, wenn der Dollar an Boden verliert, denn unsere Volkswirte rechnen im weiteren Jahresverlauf sowieso damit, dass sich die Fed dem Druck der Politik nicht wird entziehen könne“, so Praefcke.

So kannst du Wechselkursrisiken minimieren

Für dich heißt das: Willst du dieses Risiko minimieren, kannst du in Dollar notierte Anlagen reduzieren. Konkret könnte das etwa mit einer Umschichtung in breiter aufgestellte ETFs, beispielsweise auf den MSCI ACWI IMI, funktionieren. Hier machen US-Aktien „nur“ 62,8 Prozent aus. Alternativ bieten sich ETFs an, die ausschließlich europäische Werte beinhalten, oder sogar nur Aktien aus dem Euroraum. Damit wäre das Währungsrisiko komplett eliminiert.

Da das Wachstumspotenzial in den USA allerdings weiter größer sei als in anderen Regionen, wäre ein kompletter Abschied aus amerikanischen Aktien falsch, glaubt Kapitalmarktstratege Philipp Vorndran vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch

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Eine weniger drastische Lösung wären deswegen währungsbesicherte ETFs. Mit währungsbesicherten ETFs könntest du weiter im US-lastigen MSCI World investiert bleiben, ohne den schwachen Dollar fürchten zu müssen. Den iShares-ETF gibt es in einer thesaurierenden und ausschüttenden Variante. Alternativen finden sich ebenso, die bei den Gebühren teilweise sogar günstiger sind.

Die Nachteile dabei: Solche ETFs sind so gut wie immer teurer als ihre Pendants ohne Absicherung. Und: Sollte der Dollar langfristig wieder steigen, würdest du hier nicht profitieren.

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