Razzia bei Online-Dienst X in Paris - Musk vorgeladen

Reuters · Uhr
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Paris, 03. Feb (Reuters) - Französische ⁠Ermittler haben am Dienstag die Büros von Elon Musks Kurznachrichtendienst X in Paris durchsucht.

Die Razzia sei Teil der seit rund einem Jahr laufenden Ermittlungen wegen mutmaßlichen Missbrauchs der Empfehlungsalgorithmen und betrügerischer Datenabschöpfung, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Zusätzlich würden Beschwerden wegen von der Künstlichen Intelligenz (KI) Grok generierter sexualisierter Bilder untersucht. Daher habe die Behörde Musk sowie die frühere ‌X-Geschäftsführerin Linda Yaccarino für den 20. April zu einer Anhörung vorgeladen.

Die Online-Plattform war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Musk hatte die ursprünglichen Anschuldigungen seinerzeit zurückgewiesen und den Behörden eine "politisch motivierte strafrechtliche Untersuchung" vorgeworfen. ⁠Die Staatsanwaltschaft betonte ⁠am Dienstag, die Ermittlungen sollten sicherstellen, dass sich X bei seinen Aktivitäten in Frankreich an die Gesetze des Landes halte. Bei ihren Untersuchungen erhalte sie Unterstützung von der Cybercrime-Einheit der französischen Polizei und von Europol.

VERDACHT BEVORZUGTER VERBREITUNG GENEHMER INHALTE

Angestoßen hatte den Fall ein französischer Abgeordneter mit einer Beschwerde, der zufolge manipulierte Algorithmen auf X die Datenverarbeitung verfälscht haben könnten. Experten vermuten, Musk fördere auf X die Verbreitung von Inhalten, die seinem Weltbild ‌entsprechen. Dadurch beeinflusse er die öffentliche Meinung. Musk hatte unter anderem zur ‌Wahl rechtsgerichteter europäischer Parteien wie der AfD aufgerufen.

In den vergangenen Wochen hatte X zusätzliche Kritik auf sich gezogen, weil auf der Plattform von der KI Grok erstellte sexualisierte Bilder von realen Personen ohne deren Einverständnis verbreitet wurden. In dieser Angelegenheit ⁠ermittelt unter anderem die Europäische Union (EU) gegen X. Die französischen Behörden gehen den Angaben zufolge dem Verdacht der ‌Beihilfe zur Verbreitung kinderpornografischen Materials und der Verletzung von Bildrechten ⁠durch sexuell explizite Deepfakes nach.

Parallel zur Razzia in Frankreich kündigte die britische Medienaufsicht Ofcom forcierte Ermittlungen gegen X an. Dabei arbeite man eng mit der Datenschutzbehörde ICO zusammen. Diese untersucht mögliche Datenschutzverstöße durch X und die Muttergesellschaft xAI. In Großbritannien ist die Verbreitung intimer Fotos ohne die Zustimmung der ‌Betroffenen illegal. Dies gilt auch für Bilder, die mithilfe ⁠von KI erzeugt oder manipuliert wurden.

GROK ERSTELLT WEITERHIN ⁠SEXUALISIERTE BILDER

Als Reaktion auf die weltweite Empörung über diese Affäre hatte X zunächst den Zugriff auf Groks Bildfunktionen auf zahlende Kunden beschränkt. Zudem betonte die Plattform, illegale Inhalte zu löschen. Nach Reuters-Recherchen entkleidet Grok jedoch weiterhin Personen auf hochgeladenen Bildern. Dies geschehe auch dann, wenn der KI explizit mitgeteilt werde, dass die abgebildete Person dieser Bildmanipulation nicht zustimme. Als Antwort auf eine Bitte um Stellungnahme zu den Ergebnissen der Recherche reagierte der Grok-Entwickler xAI erneut mit dem Satz: "Etablierte Medien lügen".

Die französische Staatsanwaltschaft kündigte am Dienstag zudem an, sich von der Plattform X zurückzuziehen. Künftig werde man über LinkedIn und Instagram kommunizieren. LinkedIn gehört zu Microsoft, Instagram ⁠zur Facebook-Mutter Meta.

(Bericht von Bericht von Inti Landauro und Sudip Kar-Gupta; geschrieben von Hakan Ersen und Anneli Palmen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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