Rund 350 Afghanen in Pakistan können noch auf Aufnahme in Deutschland hoffen

Reuters · Uhr
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Berlin, 04. ⁠Feb (Reuters) - Rund 350 Afghanen in Pakistan können weiterhin auf eine Aufnahme in Deutschland hoffen. Es handele sich um Menschen aus dem Bundesaufnahmeprogramm für Afghanistan und dem Ortskräfteverfahren mit einer gültigen Aufnahmezusage in Pakistan, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin. Sie würden von einem Dienstleister ‌der Bundesregierung betreut und befänden sich in der Bearbeitung für das Ausreiseverfahren.

Für eine andere Gruppe von rund 750 Afghanen sei die Bundesregierung die Zusage zurückgenommen. Betroffen sind demnach Afghanen ⁠der sogenannten ⁠Menschenrechtsliste und des Überbrückungsprogramms. Die Aufnahmeerklärungen für diese Gruppe seien bereits Anfang Dezember 2025 aufgehoben und die Bearbeitung der Fälle eingestellt worden. Die Betroffenen müssen nun selbst entscheiden, ob sie das Angebot der Bundesregierung zur Rückkehr nach Afghanistan annehmen, in einen Drittstaat weiterreisen oder ohne deutsche Unterstützung in Pakistan bleiben wollen. Angesichts der geschlossenen Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan ‌habe die Bundesregierung einer zeitweisen Unterbringung der Menschen auf ‌freiwilliger Basis zugestimmt, erklärte der Sprecher. Medienberichten zufolge befinden sie sich in Gebäuden der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ).

In den vergangenen Jahren seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban hatte Deutschland vier verschiedene Programme zur ⁠Aufnahme gestartet: das Bundesaufnahmeprogramm, das Überbrückungsprogramm und die Menschenrechtsliste. Ein weiteres betrifft die sogenannten Ortskräfte, ‌die etwa für die Bundeswehr oder andere westliche ⁠Organisationen tätig waren und denen deshalb in Afghanistan Verfolgung droht. Insgesamt warteten vor rund einem Jahr in Pakistan über 2500 Menschen auf die Ausreise. Die neue Bundesregierung stoppte jedoch zunächst alle freiwilligen Aufnahmeprogramme. Nach Klagen der Betroffenen vor deutschen Verwaltungsgerichten ‌mussten aber vor allem Zusagen im Bundesaufnahmeprogramm ⁠erfüllt werden. Deutschland erklärte sich zudem bereit, ⁠Ortskräfte aufzunehmen, sofern sie ihre frühere Arbeit und drohende Verfolgung nachweisen konnten.

Pakistan hatte eine Frist zur Ausreise bis zum 31. Dezember 2025 gesetzt, die nicht verlängert wurde. Die Bundesregierung setze sich bei der pakistanischen Regierung intensiv dafür ein, dass die verbliebenen Programmteilnehmer für die Dauer der noch offenen Prüfungen in Pakistan bleiben können, sagte der Sprecher weiter. Als Grund für die langen Verfahren nannte er Einzelfallprüfungen, bei denen die Sicherheit oberstes Gebot sei. Seit der Wiederaufnahme der Ausreisen im September 2025 sind dem Ministerium zufolge bislang ⁠800 Menschen aus Afghanistan und Pakistan nach Deutschland eingereist.

(Bericht von: Markus Wacket; redigiert von Sabine Ehrhardt Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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