Vom Rechenzentrum bis zum Mini-Akw - Hochtief wächst rasant
Düsseldorf, 19. Feb (Reuters) - Deutschlands größter Baukonzern Hochtief profitiert vom Boom um Infrastruktur, Rechenzentren und Künstliche Intelligenz.
"Hochtief hat im Jahr 2025 herausragende operative und finanzielle Ergebnisse erzielt", bilanzierte der spanische Konzernchef Juan Santamaria am Donnerstag. Den Aktionären winkt nun eine deutlich höhere Dividende. Im laufenden Jahr will der Essener Konzern den Gewinn weiter in die Höhe schrauben und könnte dabei die Hürde von einer Milliarde Euro überspringen. Dabei setzt die Tochter des spanischen ACS-Konzerns auch auf den Bau von Rechenzentren und Mini-Atomkraftwerken. Wegen des Wachstums würden neue Mitarbeiter benötigt: "Hochtief schafft vor allem in Deutschland neue Arbeitsplätze", sagte Santamaria.
Hochtief steigerte im vergangenen Geschäftsjahr den operativen Gewinn um 26 Prozent auf 789 Millionen Euro. Das ist mehr als ursprünglich prognostiziert. Der Umsatz legte um knapp 15 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro zu. Die Aktionäre um den spanischen Mutterkonzern ACS, der knapp über 75 Prozent der Anteile hält, sollen eine Dividende von 6,60 Euro je Anteilsschein nach zuletzt 5,23 Euro erhalten. Ausbauen will ACS seinen Anteil derzeit aber offenbar nicht: Ihm seien aktuell keine entsprechenden Pläne bekannt, sagte Santamaria. Der Auftragseingang kletterte auf 52,3 Milliarden Euro, der Auftragsbestand summierte sich auf 72,5 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr peilt Hochtief nun einen operativen Gewinn zwischen 950 Millionen und 1,025 Milliarden Euro an - dies würde einer Steigerung zwischen 20 und 30 Prozent entsprechen.
"Unser Konzern ist als globaler Anbieter von technischen Infrastruktur-Komplettlösungen hervorragend positioniert", sagte Santamaria weiter. Er will die Aktivitäten des Baukonzerns in den Märkten für Rechenzentren, Spitzentechnologie, Energie und soziale Infrastruktur weiter ausbauen. Hochtief errichtet etwa für Meta Rechenzentren in den USA, auch in Europa und Deutschland ist der Konzern hier aktiv. Im KI-, Digital- und Tech-Sektor lag der Auftragseingang im vergangenen Jahr allein bei 16,8 Milliarden Euro. Santamaria erwartet in dem Bereich insgesamt durch die Ausbreitung von Cloud-Computing und Künstlicher Intelligenz (KI) für mehrere Jahre starkes Wachstum. Zudem will die ehemalige RWE-Tochter kleine Atomreaktoren (SMR) errichten und strebt eine Führungsrolle im Kernenergiesektor an. Aktuell verfolgt Hochtief dazu Projekte in Europa - aber auch in Übersee seien solche Pläne möglich, sagte Santamaria. Im boomenden Verteidigungsbereich ist Hochtief ebenfalls tätig - der Konzern zog hier jüngst einen Großauftrag der Bundeswehr an Land. Er erwarte "substanzielles Wachstum", sagte der Hochtief-Chef. "Hier muss in Deutschland und Europa viel Infrastruktur gebaut werden." Auch dazu brauche Hochtief Experten. "Ich bin stolz, dass wir allein im Jahr 2025 4500 Ingenieurinnen, Ingenieure und technische Fachleute eingestellt haben." Hochtief beschäftigte damit per Ende 2025 rund 61.500 Menschen. In Zukunft sollen es mehr werden.
(Bericht von Matthias Inverardi, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




