Ökonomen: Iran-Krieg kostet wohl Wachstum und treibt Preise

(Reuters) - Der Ölpreisschock durch den Iran-Krieg trübt laut Ökonomen die Wachstumsaussichten und treibt die Inflation hoch. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) und auch das Münchner Ifo-Institut veranschlagen für dieses Jahr ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,8 Prozent. Das RWI in Essen hält immerhin einen Zuwachs von 0,9 Prozent für möglich, das IWH Halle hingegen nur ein BIP-Plus von 0,7 Prozent.
"Ungeachtet des Energiepreisschocks dürfte sich die Erholung in Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzen, insbesondere weil staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung ausgeweitet und zunehmend nachfragewirksam werden", betonte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser am Donnerstag.
Wäre der Nahost-Krieg nicht ausgebrochen, hätten die Münchner Forscher 1,0 Prozent Wachstum für dieses Jahr angesetzt. "Der Iran-Krieg zeigt, wie verwundbar die deutsche Wirtschaft durch Energieabhängigkeiten nach wie vor ist", warnte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt und fügte an: "Ohne die staatlichen Impulse würde die Erholung in diesem Jahr deutlich schwächer ausfallen."
Energiepreise belasten gleich doppelt
Zugleich wirken die gestiegenen Energiekosten nicht nur als Wachstumsbremse, sondern treiben voraussichtlich auch die Verbraucherpreise nach oben: "Wir gehen derzeit von einem Anstieg der Inflationsrate auf knapp 2,5 Prozent aus, wenn die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten Wochen wieder sinken", sagte Ifo-Konjunkturchef Wollmershäuser. Sollten die Preise für fossile Energie allerdings für einen längeren Zeitraum stark erhöht auf dem derzeitigen Niveau bleiben, könnte die Inflation in der Spitze bis auf knapp drei Prozent steigen. Ein dauerhafter Preisanstieg für Energieträger in Europa würde laut dem IWH-Vizepräsidenten Oliver Holtemöller die Inflationsraten stärker erhöhen und möglicherweise die Europäische Zentralbank (EZB) veranlassen, ihre geldpolitischen Zügel anzuziehen.
Im vergangenen Monat lag die Teuerungsrate hierzulande mit 1,9 Prozent noch unter der Marke von 2,0 Prozent, die von der EZB als ideal für die Wirtschaft des Euroraums angesehen wird. Für 2026 prognostizieren die RWI-Ökonomen aus Essen eine Rate von 2,6 Prozent, für das Jahr 2027 von 2,4 Prozent: "Nahrungsmittel und Transportkosten dürften in den kommenden Monaten deutlich teurer werden", so ihr Fazit. Auch das Kieler IfW geht von einer höheren Inflation aus. Sie dürfte in diesem Jahr wegen der höheren Energiepreise mit 2,5 Prozent deutlich stärker steigen als noch im Dezember mit 1,8 Prozent erwartet. Für das kommende Jahr geht das IfW unverändert von einer Teuerungsrate von 2,1 Prozent aus.
Deutschland leidet zusätzlich an Standortschwächen
Auch unabhängig von den dämpfenden Effekten höherer Energiepreise blieben die Auftriebskräfte verhalten. "Mit dem Ballast erheblicher Standortschwächen kann die deutsche Wirtschaft derzeit keine großen Sprünge machen", sagte Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kiel Institut. Deutschland kämpfe mit strukturellen Problemen. Diese zeigten sich in einem deutlichen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. So gebe es bislang kaum Anzeichen dafür, dass die Unternehmen beabsichtigten, ihre Investitionen und Beschäftigung spürbar auszuweiten.
Laut dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) könnte der Militärkonflikt in Nahost zugleich die Trendwende bei Insolvenzen verzögern oder gar gefährden: "Sollte der Iran-Krieg mit erhöhten Unsicherheiten und Energiepreisen länger andauern, würde die erwartete Entspannung des Insolvenzgeschehens schwächer ausfallen." Im Falle nochmals steigender Energiepreise über einen langen Zeitraum könnten die Insolvenzzahlen 2026 sogar nochmals ansteigen und die Trendwende in diesem Jahr ausbleiben.








