
Die US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, hat die Leitzinsen in den USA wie erwartet nicht verändert. Die Leitzinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft bleiben weiter bei 3,50 bis 3,75 Prozent, wie die Fed am Mittwochabend europäischer Zeit verkündete.
Dieses Vorgehen war allgemein erwartet worden. Der Markt hatte laut Daten der Chicagoer Terminbörse CME zu fast 99 Prozent einen unveränderten Zinssatz eingepreist, und zu nur 1,1 Prozent eine Anhebung der Zinsen. Auch Ökonomen hatten nicht erwartet, dass die Fed den Leitzins verändert.
Die Prognosen der Fed zeigten darüber hinaus, dass die Notenbanker mehrheitlich immer noch eine Zinssenkung im laufenden Jahr sehen. Zuletzt schwanden am Markt die Hoffnungen auf weitere Zinsschritte wegen der steigenden Ölpreise. Die Märkte reagierten kaum auf die erwartete Entscheidung, der US-Leitindex Dow Jones notierte zuletzt 0,86 Prozent tiefer, der S&P 500 verlor 0,58 Prozent.
Ölpreise könnten Zinssenkungskurs der Fed beenden
Aktuell befindet sich die US-Geldpolitik in einem langgezogenen Zinssenkungszyklus nach der Hochinflationsphase in den Jahren 2022 und 2023. Fed-Chef Jerome Powell und die übrigen Entscheider im Offenmarktausschuss FOMC gingen dabei relativ zögerlich voran.
Womöglich endet dieser Kurs bald. Der Krieg der USA mit dem Iran lastet auf der globalen Ölversorgung, der Benchmark-Preis für Brent-Rohöl notiert mit über 100 Dollar je Barrel (159 Liter) so hoch wie seit 2022 nicht mehr. Die sprunghaft gestiegenen Preise bei Öl (und auch Gas) schüren die Ängste vor einem neuen Inflationsschub.
Steigende Energiepreise können sich direkt und indirekt auf andere Güter durchschlagen. So verteuern sie das Geschäft in der Logistik und Energieversorgung, über Zweitrundeneffekte wären weitere Waren betroffen. Die Fed könnte also bald zu Zinserhöhungen gezwungen sein, wenn die Inflation in den USA wieder zulegt.
Momentan signalisieren die Preise bei Terminkontrakten noch, dass die Federal Reserve die Zinsen fast das gesamte Jahr hinweg konstant halten wird. Erst für die Sitzung im Dezember stehen die Chancen mehrheitlich bei einer Lockerung. Noch vor dem Jahreswechsel hatten Marktbeobachter mit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr gerechnet.
Produzentenpreise zogen schon vor dem Ölpreis-Anstieg an
Aktuelle Daten zeigen zudem, dass schon vor dem Krieg im Iran ein gewisser Inflationsdruck vorhanden war. So stiegen die Produzentenpreise in den USA im Februar um unerwartet deutliche 3,4 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium am Mittwoch mitteilte. Volkswirte hatten nur mit 3,0 Prozent Erzeugerpreisinflation gerechnet. Die höheren Ölpreise sind in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten.
„Die Überraschung bei den Produzentenpreisen für den Monat Februar bestätigt, dass sich schon vor dem Anstieg der Ölpreise ein höherer Inflationsdruck in den Lieferketten aufbaute“, kommentierte hierzu Thomas Ryan, Volkswirt bei Capital Economics, bei Bloomberg. Teures Öl könnte diesen Trend in den kommenden Monaten noch verstärken. Üblicherweise geben die Firmen steigende Preise auf ihrer Seite zumindest zu einem Teil an den Endverbraucher weiter.
Für die Märkte sind die Leitzinsen hochrelevant. Einerseits orientieren sich die Renditen von Anleihen am Zinsniveau, die Umlaufrenditen vieler Staatsanleihen stiegen zuletzt bereits. Auf der anderen Seite sind steigende Zinsen tendenziell belastend für Aktien, weil die höhere Verzinsung Anleihen attraktiver macht. Zudem verteuern sich durch steigende Zinsen die Finanzierungskonditionen für Konzerne.




