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Rocket-Internet-Aktie: Die Unternehmen im Portfolio der Startup-Schmiede - Ein Überblick

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Rocket-Internet-Aktie: Die Unternehmen im Portfolio der Startup-Schmiede - Ein Überblick

Das Jahr 2019 ist noch jung, doch die Märkte sind bereits wieder voll in Fahrt. Weltweite Konjunktursorgen, politische wie wirtschaftliche Spannungen und erhöhte Volatilität an  den Börsen beherrschen die Gedanken der Anleger. Der Jahresanfang eignet sich immer für neue Chancen- und Risiko-Ausblicke. Angesichts der starken Performance der Zalando-Aktie, die zum Jahresanfang den MDAX anführt, lohnt sich ein tieferer Blick auf das Fundament. Wenn man die Ursprünge des Online-Modehändlers zurückverfolgt, findet man sich schnell bei einem der interessanteren deutschen Unternehmen der letzten Jahre wieder: Rocket Internet. Das mittlerweile globale Firmenportfolio der Startup-Schmiede ist eine sehenswerte Sammlung, aber auch eine profitable? Wir haben uns die größten Projekte unter der Federführung von Rocket einmal angeschaut.

Das Geschäftsmodell von Rocket Internet

Rocket Internet ist einer der größten Überflieger der jüngeren deutschen Unternehmensgeschichte. Gegründet im Jahr 2007 von den drei Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer, ging das Unternehmen 2014 an die Börse und setzte seinen Aufstieg aus den hinteren Reihen des Marktes über den Einzug in den SDAX im Oktober 2016, bis hinein in den MDAX im März 2018 fort.

Ursprünglich hat sich das Venture-Capital-Unternehmen auf die Finanzierung und Gründung von Startups konzentriert, mittlerweile gehört aber auch das Aufkaufen bereits bestehender Unternehmen zur gängigen Strategie. Es wird dabei im Kern auf die Vorgehensweise gesetzt, gut funktionierende Geschäftsmodelle, überwiegend aus dem US-Markt, zu übernehmen und in anderen Märkten durch die Gründung eigener Startups zu etablieren.

Die Hauptinvestitionsfelder des Konzerns liegen in den Bereichen Mode, Essenslieferdienste, Handelswaren im Allgemeinen, sowie der Sparte Haushalt und Möbel. Rocket stellt seinen Startups in der Regel Risikokapital, sowie eigenes Know-How und Infrastruktur zur Verfügung.

Das Konzept des Venture Capital basiert auf der Bereitstellung von eigenem Geld durch den Kapitalgeber im Austausch gegen Unternehmensanteile. Sicherheiten, wie im Bankenbereich üblich, gibt es dabei nicht.

Zalando als Erfolgswurf – Wachstum als Strategie

In seiner Anfangsphase wurde das Unternehmen gerade wegen dieses Vorganges des Kopierens erfolgreicher Konzepte medial kritisiert. Nichts desto trotz konnte Rocket bereits einige Erfolge erzielen. Eines der prominentesten Beispiele für eine erfolgreiche Investition ist Zalando. 2008 steuerte Rocket das Kapital für die Gründung des Online-Versandhändlers bei, 2014 kam dann der Börsengang, der seinem Kapitalgeber Gewinne in Milliardenhöhe beschert hat. Im August 2018 hat Rocket seine Anteile an Zalando komplett veräußert.

Im Jahresbericht 2017 (Stand April 2018) hat das Unternehmen 135 Beteiligungen gelistet. Darunter bekanntere Titel wie Delivery Hero, Hellofresh, Home24 und die Global Fashion Group.

Die langfristig interessante Frage in Bezug auf die zum Moloch angewachsene Startup-Schmiede ist, ob das Geschäftsmodell nachhaltig erfolgreich sein kann. Die meisten der Unternehmen, die sich zum überwiegenden Teil mehrheitlich im Besitz des Konzerns befinden, werfen bisher keine Profite ab. Die Strategie ist auf Wachstum und Etablierung in den jeweiligen Märkten ausgelegt. Ein exemplarischer Blick auf einige der größten Eisen im Feuer lohnt sich also, um ein umfassenderes Bild von Rocket Internet zu erhalten.

Delivery Hero

Der Konzern ist ein weltweit agierender Online-Dienstleister für Essenslieferungen, mit Tochterfirmen in 40 verschiedenen Ländern. Die Bestellplattformen, die unter verschiedenen, meist länderspezifischen Markennamen laufen, dienen als Vermittler zwischen Kunden und Restaurants oder Lieferdiensten. Speziell in Deutschland hat Delivery Hero die Marken Lieferheld, pizza.de und Foodora aufgebaut. Mittlerweile wurden diese Marken jedoch an den niederländischen Konkurrenten Takeaway verkauft, ein Teil des Erlöses wurde dabei in Form von Takeaway-Aktien bezahlt.

Am 30. Juni 2017 ging Delivery Hero mit einem Ausgabepreis von 25,50 Euro an die Börse und entwickelte sich kurstechnisch bis zum Sommer 2018 immer weiter nach oben, bis zum bisherigen Spitzenwert von 51,80 Euro am 24 Juli 2018. Seitdem hat sich der Kurs wieder deutlich nach unten korrigiert und liegt Anfang des Jahres bei knapp 33 Euro. Dafür gesorgt haben auch die stark auf Wachstum setzenden Pläne des Unternehmens, die die Anleger zeitweise verschreckt haben.

In der zweiten Jahreshälfte 2018 sollten laut CEO Niklas Östberg 80 Millionen Euro in Technologie und Marketing gesteckt werden. Es gilt bisher weiterhin eher die Strategie, das Wachstum vor das Erreichen der Profitabilität zu stellen.

Hellofresh

Das Unternehmen Hellofresh bietet vorgefertigte Koch-Pakete mit Rezept und allen nötigen Zutaten für ein komplettes Gericht als Versand-Produkt an, das auch als Abonnement erhältlich ist. Das Produkt ist in den USA, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Australien, Österreich, der Schweiz, Kanada und Neuseeland erhältlich.  Die Firma wurde im Jahr 2011 gegründet und Rocket Internet war als Risikokapitalgeber beteiligt. Im Frühjahr 2015 hat Rocket weitere Anteile in Höhe von 130 Millionen Euro erworben und wurde damit zum Hauptanteilseigner.

Am 2. November 2017 wurde Hellofresh zu einem Ausgabepreis von 10,25 Euro je Aktie an der Börse gelistet. Bis zum Sommer 2018 entwickelte sich der Kurs unter Schwankungen bis zu einem Spitzenwert von annähernd 15 Euro am 24. Juli 2018. Seitdem gab es eine deutliche Rückentwicklung des Aktienwerts mit einem besonders harten Sturz auf 9 Euro Ende November 2018 bis auf 7 Euro Anfang Januar 2019. Damit liegt der Kurswert gut ein Drittel unter dem Ausgabewert.

Im dritten Quartal 2018 konnte das Unternehmen seinen Umsatz gegenüber 2017 um annähernd 40 Prozent auf 302 Millionen Euro steigern. Die für 2018 ausgegebenen Jahresziele sahen ein Umsatzplus von 32 bis 37 Prozent vor. Das Unternehmen befindet sich also weiterhin auf Wachstumskurs und auch hier gilt dies eher als Priorität gegenüber der Profitabilität.

Global Fashion Group

Das Unternehmen konzentriert sich auf den Online-Handel mit Kleidung in Schwellenländern und vereint verschiedene Labels in diversen Märkten. In Russland läuft das Geschäft unter der Marke Lamoda, im Nahen Osten ist die Marke Namshi vertreten. Im ostasiatischen Raum ist es die Marke Zalora, sowie in Australien und Neuseeland die Marke The Iconic.

Die Global Fashion Group wurde 2011 in Zusammenarbeit mit Rocket Internet und der schwedischen Investmentgesellschaft Kinnevik gegründet. Im Geschäftsjahr 2017 wurde ein Umsatz von 1,1 Milliarden Euro erzielt, was einem Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. In der ersten Hälfte 2018 konnte der Umsatz erneut um 19,6 Prozent auf 534,7 Millionen Euro erhöht werden, wobei jedoch der operative Verlust immer noch 39 Millionen Euro betragen hat, jedoch im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken ist.

Das Unternehmen ist zwar noch nicht börsennotiert, im Jahr 2018 wurden jedoch in verschiedenen Medienberichten immer wieder Ambitionen eines Börsengangs hervorgehoben, was angesichts der gängigen Strategie des Rocket-Mutterkonzerns und dem großen Wachstum des Unternehmens keineswegs ein unrealistisches Szenario für dieses Jahr wäre.

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Jumia

Als Online-Marktplatz für Mode, Elektronik und weiterem Alltagssortiment ist Jumia das E-Commerce-Equivalent zu Amazon für den afrikanischen Markt und dort der führende Anbieter. Auch Dienstleistungen, wie Hotel- und Flugbuchungen, sowie Essenslieferungen gehören zum Repertoire des Konzerns, der in 14 afrikanischen Ländern aktiv Geschäfte betreibt.

Das Unternehmen wurde 2012 gegründet und hat seinen Hauptsitz in der nigerianischen Hauptstadt Lagos. Rocket Internet diente als einer der initialen Risikokapitalgeber und beteiligte sich auch an einer zweiten Investitionsrunde im März 2016, bei der mehr als 300 Millionen Euro gesammelt wurden.

Auch in Bezug auf Jumia gibt es jede Menge Medienrumoren über einen geplanten Börsengang. Bereits im Herbst letzten Jahres drangen Informationen aus firmennahen Kreisen über einen für das erste Quartal 2019 geplanten Börsengang an die Öffentlichkeit. Bisher kämpft das afrikanische Unternehmen laut verschiedenen Medienberichten mit Verlusten aufgrund zu hoher Personal- und Werbekosten, was einem möglichen Börsengang hinderlich wäre.

Westwing

Die Westwing Group AG ist ein Online-Händler mit Schwerpunkt auf dem Bereich Home and Living und bietet dem Kunden einen Katalog aus Möbeln und weiteren Wohnaccessoires an.

Das Unternehmen wurde im April 2011 gegründet und ist in den ersten Jahren schnell expandiert, musste sich jedoch zwischenzeitlich aufgrund von zu hohen Verlusten aus den internationalen Märkten zurückziehen. Seit 2018 will sich Westwing laut eigener Aussage strategisch auf das Kerngeschäft in Europa fokussieren. Rocket Internet ist mit 32 Prozent der größte Anteilseigner der Firma.

Am 9. Oktober 2018 ging Westwing mit einem Ausgabepreis von 25 Euro erstmals an die Börse. Seitdem kennt die Aktie, abgesehen von einer kleinen Erholung Anfang November, nur eine Richtung: nach unten. Anfang Januar 2019 liegt der Preis bei 13 Euro.

Home24

Mit Home24 hat sich Rocket einen weiteren Möbel-Online-Händler ins Portfolio gepackt. Das Unternehmen bietet Produkte der Segmente Möbel und Gartenmöbel, sowie Matratzen und Beleuchtung an. Das Unternehmen ist in sieben europäischen Märten aktiv: Deutschland, Frankreich, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz, Belgien und Italien. Darüber hinaus ist Home24 unter der Marke "Mobly" in Brasilien tätig.

Die Firma wurde im Jahr 2009 gegründet und ursprünglich unter dem Namen FP Commerce geführt. 2012 wurde ein Re-Branding unter dem Namen Home24 durchgeführt und alle Produkte zentral unter einem Namen vertrieben.

Am 15. Juni 2018 ging Home24 an die Börse und legte mit einem Wert von 29,40 Euro über der vorher ausgerufenen Emissionsspanne von maximal 25 Euro einen optimistischen Start hin. Seit der Emission hat sich der Kurs jedoch deutlich negativer entwickelt und ist Stand Anfang Januar 2019 mit einem Wert von knapp 11 Euro um über 60 Prozent gefallen.

Asia Pacific Internet Group und Middle East Internet Group

Für den ostasiatischen und den arabischen Raum hat Rocket seine Strategie eine Ebene über das direkte Firmeninvestment gelegt und greift über die beiden Firmen Asia Pacific Internet Group und Middle East Internet Group in diese Märkte ein. Die beiden Unternehmen sind im Grunde regional konzentrierte Pendants zu Rocket Internet und investieren ebenfalls in lokale Geschäftsmodelle, die ihre Konzepte von den erfolgreichen westlichen Modellen übernommen haben.

Speziell für den asiatischen Markt sei hier als exemplarisches Beispiel Daraz genannt, ein mit Amazon vergleichbares E-Commerce-Modell, das von der Asia Group in Zusammenarbeit mit Rocket Internet 2012 in Pakistan gegründet wurde. Im Mai 2018 hat Rocket seine Anteile an den chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba verkauft. Einen Preis nannte der Konzern allerdings nicht.

Rocket-Aktie weit entfernt vom Allzeithoch

Seit seinem Börsengang im Oktober 2014 hat sich Rocket Internet kurstechnisch negativ entwickelt. In den ersten zwei Monaten konnte das Unternehmen erst eine starke Kurssteigerung um knapp 60 Prozent auf 56 Euro verbuchen, danach folgte jedoch eine langfristige Abwärtsbewegung bis auf einen Tiefstwert von knapp 16 Euro im April 2017. Nach einem leichten Aufwärtstrend in der ersten Hälfte 2018 hat sich der Kurs erneut abwärts geneigt und bewegt sich Stand Anfang Januar 2019 um einen Wert von 21 Euro.

Die weitere Entwicklung wird abhängig von der Performance des breit gestreuten Investitionsportfolios der Startup-Fabrik und erfolgreichen Verkäufen gereifter Unternehmen sein. Zu beobachten sind vor allem mögliche Börsengänge der größten Rocket-Projekte, darunter Jumia und die Global Fashion Group.

Von Alexander Mayer

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Titelfoto: 360b/Shutterstock.com

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