Werbung

Börse Frankfurt-News: Abwärtstrend adieu (Nebenwerte)

dpa-AFX · Uhr

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Kleine und große Kursgewinne, kleine und große Verluste - das Nebenwerte-Segment Scale präsentiert sich höchst heterogen. Insgesamt ging es zuletzt wieder aufwärts. Die drei Fragen gehen diesmal an Achim Plate, CEO von Lloyd Fonds.

16. August 2022. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit der breiten Erholung am Aktienmarkt geht es auch für das Scale-Segment mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen nach oben. Der Scale All Share, der alle Scale-Mitglieder abbildet, liegt am Dienstagmorgen bei 1.518 Punkten. Vor einem Monat waren es noch 1.464 Zähler. Der Auswahlindex Scale 30 notiert aktuell bei 1.331 nach 1.215 Punkten Mitte Juli. Doch hinter dem Index verbergen sich extrem unterschiedliche Entwicklungen.

Streaming-Anbieter Cliq erwartet Rekordjahr

Auffällig gut hat sich zuletzt die Aktie von Cliq Digital (DE000A0HHJR3) entwickelt. Der Kurs liegt am Dienstagmorgen bei 31,45 Euro, Mitte Juni waren es nur rund 22 Euro, Anfang des Jahres 24,50 Euro. Treiber sind gute Unternehmensnachrichten: Der Streaming-Anbieter für Filme, Musik, Hörbücher, Sport und Spiele konnte Umsatz und Ebitda im zweiten Quartal deutlich steigern. Außerdem stellte das Unternehmen ein Rekordjahr 2022 in Aussicht. Die Zahl der bezahlten Mitgliedschaften soll bis Ende des Jahres die Zwei-Millionen-Marke knacken, der Umsatz auf mindestens 250 Millionen Euro und das Ebitda auf über 38 Millionen Euro steigen.

Deutsche Rohstoff: Als Ölproduzent auf Gewinnerseite

Zu den klaren Gewinnern in diesem Jahr gehört auch die Deutsche Rohstoff AG (DE000A0XYG76) - trotz zwischenzeitlicher Kursverluste. Von 21 Euro Anfang des Jahres auf in der Spitze 33,70 Euro ist der Kurs gestiegen. Aktuell sind es immer noch 27,40 Euro. Das Unternehmen, das vor allem Öl und Gas in den USA fördert, profitiert vom hohen Ölpreis und meldete vergangene Woche das stärkste operative Halbjahr der Unternehmensgeschichte. Der Umsatz kletterte auf 72 Millionen Euro nach 39 Millionen Euro im Vorjahr, der Konzernüberschuss auf 33 Millionen Euro nach 18 Millionen Euro.

Bohrdienstleister als bester Wert

Cliq und Deutsche Rohstoff gehören zu den Scale-Werten, die sich in den vergangenen zwölf Monaten am besten entwickelt haben. Angeführt wird die Performance-Liste vom Bohr- und Umweltdienstleister Daldrup & Söhne (DE0007830572), gefolgt von der Deutschen Rohstoff AG, dem Gewerbeimmobilieninvestor Publity (DE0006972508), dem Spezialisten für biopharmazeutische Nachfolgeprodukte Formycon (DE000A1EWVY8), Cliq Digital und Ernst Russ (DE000A161077), Reederei und maritimer Investmentmanager.

Umsatzstärkste Aktie im Scale-Segment ist weiterhin 2G Energy (DE000A0HL8N9). In den Monaten Januar bis Juli lagen die Umsätze in der Aktie des Blockheizkraftwerksanbieters - ein Favorit "grüner" Anleger*innen - auf Xetra und Börse Frankfurt bei knapp 132 Millionen Euro. Auf den Plätzen zwei bis fünf finden sich Formycon, Mynaric, die Deutsche Rohstoff AG und Cliq Digital mit jeweils rund 85 Millionen Euro Umsatz.

MagForce, Naga und Advance Blockchain auf Verliererseite

Trauriges Performance-Schlusslicht ist derzeit MagForce (DE000A0HGQF5). Ende Juli hatte das Medizintechnikunternehmen mit Schwerpunkt Onkologie den Insolvenzantrag gestellt - Marktbeobachtern zufolge völlig überraschend. Der Kurs brach ein. Das Unternehmen ist zahlungsunfähig. Ziel ist es der Adhoc-Meldung des Unternehmens zufolge, die NanoTherm Therapie zur Behandlung von Prostatakrebs und Glioblastomen weiterhin im Markt zu halten und zu etablieren. Hierzu führt MagForce Gespräche mit Investoren.

Auch das Fintech The Naga Group gehört zur Schlussgruppe. Die Aktie kostet aktuell 1,82 Euro, Anfang des Jahres waren es noch 7,65 Euro. Das Unternehmen - Betreiber des Neobrokers Naga, der Kryptowährungsplattform Nagax und der Neobanking-App Naga Pay - leidet unter dem Einbruch am Kryptomarkt. Naga nahm die Jahresprognose für das laufende Geschäftsjahr 2022 zurück und musste die Zahlen für 2021 nach unten revidieren.

Advance Blockchain: Über Gebühr bestraft?

Zu den Opfern des Kryptomarkteinbruchs gehört auch die Advanced Blockchain AG (DE000A0M93V6). Der Kurs fiel von 13,50 Euro Anfang des Jahres auf aktuell nur noch 4,62 Euro.

Nach Einschätzung der Analysten von GBC ist die Advanced Blockchain-Aktie jetzt aber viel zu billig. Sie errechnen einen Unternehmenswert von rund 83 Millionen Euro, umgerechnet auf eine Aktie ergäbe das 21,99 Euro. Aufgrund des aktuellen "Krypto-Winters" haben sie allerdings einen zusätzlichen Abschlag von 55 Prozent vorgenommen und kommen so auf ein Kursziel von 10 Euro.

Werbung

Lloyd Fonds mit vielen Fans

Auch für Lloyd Fonds (s. "Drei Fragen an..." unten) läuft das Jahr nicht so rund, zumindest an der Börse. Die Aktie des bankenunabhängigen Vermögensverwalters ist - nach einem starken Anstieg 2021 - in diesem Jahr von über 16 Euro auf 6,74 Euro gefallen. Allerdings raten einige Analysehäuser zum Einstieg. Nach Ansicht von Hauck & Aufhäuser ist zwar das schwierige Marktumfeld spürbar, Lloyd Fonds sei daher im letzten Geschäftsjahr und im ersten Halbjahr 2022 unter den Erwartungen geblieben. Die Analysten reduzieren daher das Kursziel von 18 auf 11 Euro, bleiben aber bei der Empfehlung "Buy".

Auch SMC Research rät zu Lloyd Fonds. Die ehrgeizige Wachstumsagenda sorge für hohes Kurspotenzial, heißt es. Die Analysten trauen dem Unternehmen zu, die gesetzten Ziele zu erreichen. Wegen der möglicherweise noch länger schwierigen Kapitalmarktbedingungen und der höheren Zinsen sinkt der faire Wert allerdings von 17 auf 13,50 Euro. Warburg Research bleibt ebenfalls bei der Empfehlung "Buy" bei gleichzeitiger Reduzierung des Kursziels, und zwar von 16,50 auf 13,90 Euro.

++++++

Drei Fragen ... diesmal an Achim Plate, CEO Lloyd Fonds AG

Die Lloyd Fonds-Aktie hat sich 2020 und 2021 extrem gut entwickelt, in diesem Jahr schwächelt sie aber. Ist das nur der allgemeinen Marktentwicklung geschuldet?

Die Marktentwicklung führte in unserer Industrie zu Kursrückgängen und Gewinnmitnahmen, auch bei Lloyd Fonds. Bei unserer Aktie sind keine gewaltigen Umsätze für Kursausschläge nötig, das durchschnittliche Handelsvolumen im Small & Mid Cap-Bereich ist im ersten Halbjahr 2022 gegenüber 2021 noch zurückgegangen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass unsere Wachstumsperspektive bei einer Marktberuhigung auch wieder eingepreist wird.

Sie haben als Sachwerteanbieter begonnen und sich 2018 auf liquide Publikumsfonds spezialisiert, in diesem Juni haben Sie abermals eine Neuausrichtung angekündigt. Was sind die Kernpunkte?

Um unser zukünftiges organisches und skalierbares Wachstum sicherzustellen, stehen bei unserer "Strategie 2023/25 2.0" die Kundenbedürfnisse im absoluten Fokus. Ziel ist es, ein exzellentes Angebot an Wealth-Produkten und -Lösungen mit einem Schwerpunkt auf SDG (Sustainable Development Goals)/Impact-Investing anzubieten. Sichtbarster Ausdruck der neuen Strategie wird unser neuer Name Laiqon AG sein. Mit "Growth 25" erwarten wir in der Umsetzung dieser Strategie einen weiteren Anstieg der verwalteten Vermögen von derzeit 4,7 Milliarden Euro auf 8 bis 10 Milliarden Euro bis 2025.

Aus Anlegersicht: Was spricht für Ihre Aktie?

Wir sind mit unserer Wachstumsprognose für die Assets under Management und einer geplanten Ebitda-Marge von 45 Prozent bezogen auf den Nettoumsatz bis Ende 2025 ein attraktiver langfristiger Investment Case. Als Full Service-Anbieter bieten wir innovativ mit unserer Plattformstrategie Produkte und Lösungen im nachhaltigen Investieren für private und institutionelle Kunden.

Die Lloyd Fonds AG ist ein Finanzhaus, das mit aktiven, nachhaltigen und digitalen Investmentlösungen Rendite für seine Partner und Kunden erzielt. Zu den Produkten zählen Aktien-, Renten- und Mischfonds mit einem klaren Fokus auf aktiven Alpha-Strategien. Über das WealthTech LAIC und das FinTech growney werden digitale und risikooptimierte Anlagelösungen für Privatanleger und institutionelle Kunden angeboten. Dazu kommt - für vermögende Kunden - eine persönliche Vermögensverwaltung.

von: Anna-Maria Borse

© 16. August 2022, Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

Meistgelesene Artikel

Werbung