Kommen Merz‘ Infrastruktur-Milliarden, dürften vor allem MDax-Werte profitieren

Deutschlands Stärke, heißt es von Ökonomen, liegt im Mittelstand – bei weniger bekannten Weltmarktführern aus der zweiten Reihe. Was große Konzerne angeht, konnte sich die Bundesrepublik indes selten mit den Giganten aus den USA messen.
Trotzdem war es die erste Börsenreihe, die Anlegern in den vergangenen Jahren Gewinne brachten. Die mittelgroßen Werte wiederum, die im MDax versammelt sind, hinkten den Dax-Werten eindeutig hinterher. In den vergangenen fünf Jahren kletterte der Dax um fast 140 Prozent, der MDax kaum um 40 Prozent.
Ein Faktor dabei: Die Weltmarktführer der zweiten Reihe waren und sind eben doch etwas weniger auf den Weltmarkt angewiesen, und mehr auf die heimische Nachfrage. Die könnte nun ansteigen – dank der geplanten Ausgaben des voraussichtlich künftigen Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU).
Deutsche Wirtschaft wächst seit zwei Jahren praktisch nicht
Sollte das historische Investitionspaket kommen, „könnte das sowohl die Gewinne als auch das Marktstimmung bei MDax-Werten anheben“, erklären die Bloomberg-Strategen Kaidi Meng und Laurent Douillet. Das gelte vor allem für die Industrie- und Rohstoff-Aktien im MDax. Während diese Branchen im Dax 31 Prozent ausmachen, sind sie im MDax mit 42 Prozent deutlich höher gewichtet.
Laut den Bloomberg-Analysten gehe es dabei nicht nur um die Infrastruktur-Investments an sich, sondern auch um die Effekte einer generell höheren heimischen Nachfrage, sofern das Wirtschaftswachstum anzieht. In den vergangenen Jahren war das blutleere Wachstum in Deutschland die Achillesferse der aufs Inland konzentrierten Unternehmen.
Praktisch stagnierte Deutschlands Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahren. In der Hälfte der vergangenen acht Quartale war das Bruttoinlandsprodukt, saison- und kalender- und preisbereinigt, rückläufig. Zuletzt schaffte es die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2021, ein eindeutiges Wachstum aufzuzeigen. Damals wuchs die Wirtschaft um 2,5 Prozent zum Vorquartal.
Bilfinger-Chef verspricht sich bessere Umsätze
Die Einschätzung der Bloomberg-Strategen teilen Analysten der Citigroup. „Eine stärkere, deregulierte deutsche Wirtschaft und niedrigere Steuern sind besser für heimische Umsatzmaschinen“, erklärten die Strategen nach Merz‘ Wahlsieg. Sie fügten zudem an, dass sie nun den MDax dem Dax vorziehen.
Auch die Unternehmen selbst versprühen Optimismus: „Wenn diese großen Infrastruktur-Investments kommen, werden wir natürlich einen Teil davon abgreifen“, erklärte etwa Thomas Schulz, Vorstand des Industriedienstleisters Bilfinger. Die Aktien Bilfingers gehörten zusammen mit den Anteilen am Baukonzern Hochtief zu den bislang größten Profiteuren der vergangenen Wochen.
Das große Fragezeichen dabei bleibt jedoch, ob Merz seine Schuldenpläne noch durch den Bundestag bringen kann, ehe dieser in neuer Zusammensetzung am 25. März zusammentrifft. Aktuell braucht Merz die Unterstützung der Grünen, um seine Pläne zu verwirklichen. Bislang verweigerte die Partei die Zustimmung. Im neuen Bundestag wiederum sähe sich Merz mit einer starken Opposition durch die Linken und der AfD konfrontiert.
Etwas besser übrigens als der MDax schlug sich in jüngerer Vergangenheit die am geringsten kapitalisierten Werte im SDax. Der Kleinwerte-Index legte innerhalb von fünf Jahren um fast 70 Prozent zu. Im vergangenen Monat allein performten sowohl SDax als auch MDax besser als der Dax. Zudem weist der SDax trotzdem noch ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis als beispielsweise die beliebten Tech-Werte in den USA auf – mehr dazu erfährst du hier.





