Dax im Abwarte-Modus - "Geopolitische Gewitterwolken" belasten

Reuters · Uhr
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Frankfurt, 15. Jan (Reuters) - Am deutschen Aktienmarkt macht sich nach dem Rekordrausch der vergangenen Wochen Vorsicht breit.

Der Dax, der seit Jahresbeginn mehr als drei Prozent zugelegt hat, notierte kaum verändert bei 25.289 Punkten. Der EuroStoxx50 lag nur minimal im Plus. "Die Berichte über einen möglichen Umsturz im ⁠Iran und eine potenzielle US-Intervention ‍sorgen ebenso für Unsicherheit wie die diplomatischen Spannungen rund um das US-Interesse an einer Übernahme Grönlands", sagte Frank Sohlleder von ActivTrades. Die "geopolitischen Gewitterwolken" seien Gift für die Aktienmärkte.

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch gesagt, er sehe nach seinen Drohungen ‌gegen den Iran einen Rückgang des gewaltsamen Vorgehens der iranischen Führung gegen Demonstranten. Der iranische Außenminister Abbas Araktschi hat Pläne für Hinrichtungen von Demonstranten dementiert. Zwei europäische Regierungsvertreter vermuteten dagegen, ‍dass ein US-Angriff in den nächsten 24 Stunden erfolgen könnte. Auch mit Blick auf Grönland herrscht Ungewissheit über das weitere Vorgehen. Trump bekräftigte zuletzt seine Forderung nach einer Übernahme durch die USA und sprach Dänemark die Fähigkeit zur Verteidigung der Insel ab.

ÖLPREISE GERATEN INS RUTSCHEN

Anders als am Aktienmarkt ging unter den Öl-Anlegern die Angst vor einer unmittelbaren US-Intervention nach Trumps Aussagen zum Iran zurück. Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI gaben in der Spitze rund viereinhalb Prozent auf 63,46 und 59,13 Dollar je Fass nach. An ‍den vergangenen drei Handelstagen waren die Preise um gut fünf Prozent nach oben geschnellt. ⁠Investoren fürchteten im Fall eines Militärschlags Versorgungsengpässe.

Am Devisenmarkt kam der Dollar-Index kaum vom Fleck und notierte bei 99,12 Punkten. Der Euro zeigte sich von dem leichten Wachstum der deutschen Wirtschaft unbeeindruckt und notierte 0,1 Prozent schwächer bei 1,1633 Dollar. Das Bruttoinlandsprodukt stieg 2025 nach zwei Rezessionsjahren in Folge ‍leicht um 0,2 Prozent. "Die insgesamt weiterhin schwache BIP-Rate für das vergangene Jahr sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zuletzt zumindest zarte Anzeichen einer Erholung gegeben hat", resümierte Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank. Die ⁠Stimmungslage der Unternehmen habe sich mit Blick auf 2026 bereits etwas verbessert, vor allem in der Industrie tue sich etwas.

CHIPWERTE NACH TSMC-ZAHLEN IM AUFWIND

Auf der Unternehmensseite rückte der Tech-Sektor nach dem Rekordgewinn von TSMC im vierten Quartal in den Fokus. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger profitiert stark vom Boom bei Künstlicher Intelligenz. Der europäische Branchenindex stieg um bis zu drei ‍Prozent. Die Titel der niederländischen Chip-Firma ASML kletterten in der Spitze um ‌7,6 Prozent auf einen Rekordwert von 1167 Euro. Die Marktkapitalisierung knackte zum ersten Mal die Marke von 500 Milliarden Dollar, womit ASML seine Führung als wertvollstes Unternehmen in Europa ausbaute. Im MDax legten Aixtron 4,2 Prozent zu.

An der Schweizer Börse konnte Richemont trotz Umsatzplus von elf Prozent im Weihnachtsquartal nicht punkten. Die Aktien des Luxusgüterkonzerns verloren 1,6 Prozent. Gewinnzahlen legte das Genfer Unternehmen nicht vor.

Am Londoner Aktienmarkt gaben ermutigende Geschäftszahlen und ein optimistischer Ausblick den Papieren britischer Vermögensverwalter Auftrieb. Die Papiere von Ashmore stiegen um 11,7 Prozent auf 204 Pence. Die Aktien von Schroders gewannen 8,5 Prozent auf 453,2 Pence.

In den USA setzen Morgan Stanley und Goldman Sachs den Reigen der US-Banken fort, die Einblick in ihre Quartalsbilanzen gewähren. Bei Goldman Sachs rechneten Experten für das vierte Quartal 2025 mit einem leichten Gewinnrückgang, für ⁠Morgan Stanley wurde dagegen ein Gewinnanstieg erwartet. Negativ aufgenommene Zahlen anderer Großbanken hatten am Mittwoch und Dienstag die Wall Street unter Druck gesetzt.

(Bericht von: Daniela Pegna, Mitarbeit Anika Ross. redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‍und Märkte).)

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