
Nach den jüngsten Verlusten im Zuge des Iran-Krieges hat sich der deutsche Aktienmarkt am Montag stabilisiert. Die Anleger reagierten erleichtert darauf, dass die Ölpreise wieder etwas nachgaben. "Die Anleger setzen auf eine Intervention der USA an den Energiemärkten", schrieb Marktanalyst Andreas Lipkow vom Handelshaus CMC Markets. Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners erklärte, dass dem Dax derzeit ein Eigenleben fehle. Der Ölpreis und die Reaktionen an den anderen Börsen darauf blieben weltweit die Taktgeber.
Der deutsche Leitindex legte nach einem verhaltenen Handelsstart letztlich um 0,5 Prozent auf 23.564 Punkte zu.
Der MDax der mittelgroßen Werte beendete den Tag 0,5 Prozent höher auf 28.951 Zähler. Europaweit gab es ebenfalls leichte Erholungsgewinne: Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx gewann 0,4 Prozent auf 5.739 Punkte und auch die Börsen in London und Zürich stiegen moderat. In den USA rückte der Wall-Street-Index Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss um 0,7 Prozent vor.
Commerzbank erhält Übernahmeangebot
Hierzulande ist das Übernahmeangebot der Unicredit für die Commerzbank das Gesprächsthema Nummer eins. Die italienische Großbank will das deutsche Kreditinstitut kaufen. Sie legt den Aktionären der zweitgrößten deutschen Privatbank ein offizielles Übernahmeangebot zum Erwerb aller Aktien der Commerzbank vor. Die Unicredit bietet als bereits größter Anteilseigner der Commerzbank für die restlichen Anteilsscheine voraussichtlich jeweils 0,485 neue Unicredit-Papiere.
Das Angebot ziele darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden und "in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern", teilte das Institut mit. Es werde erwartet, dass Unicredit eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent erreichen werde, "ohne die Kontrolle zu erlangen". Die Aktien der Commerzbank notierten bis Handelsschluss mit einem Aufschlag von 8,6 Prozent etwas über dem anhand des Tauschangebotes errechneten Angebotspreis. Damit setzten sich die Commerzbank-Papiere an die Index-Spitze.
Zweitbester Wert im Leitindex waren Bayer mit einem Plus von 3,7 Prozent. Sie profitierten von einer Kaufempfehlung der Bank UBS. Mit Blick auf die Lösung der Glyphosatprobleme sieht Analyst Matthew Weston inzwischen ein Chancen-Übergewicht. Zudem spreche die jüngste Kursschwäche für einen Kauf der Papiere der Leverkusener. Im Pharmabereich ist Weston optimistisch für die wichtigsten Wachstumstreiber.
An der MDax-Spitze zogen die Papiere von Hensoldt um etwa fünf Prozent an, nachdem die Experten von Kepler Cheuvreux ihre negative Einstufung zu den Papieren des Radarspezialisten aufgegeben hatten. Der Krieg in Nahost habe die Nachfrage nach Luftverteidigung angeheizt. Die Experten setzen 2027 auf eine Wachstumsbeschleunigung.
Ölpreise notieren im Minus
Die Ölpreise sind am Montag gesunken und haben damit eine Aufwärtsbewegung der vergangenen Handelstage vorerst gestoppt. Nachdem die Notierungen im frühen Handel gestiegen waren, drehten sie bis zum Nachmittag in die Verlustzone. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai wurde bei etwa 101 US-Dollar gehandelt und damit etwa anderthalb Prozent niedriger als am Freitag.
Noch deutlich stärker nach unten ging es zu Beginn der Woche mit dem Preis für Rohöl aus den USA der Sorte WTI mit Lieferung im April. Hier fiel der Preis um etwa vier Prozent auf 94,87 Dollar.
Zuvor hatte die Internationale Energieagentur (IEA) erklärt, dass weitere Reserven an Rohöl bei Bedarf bereitgestellt werden können. Die Freigabe von Ölreserven in einem Volumen von 400 Millionen Barrel durch führende Industriestaaten konnte die Ölpreise zuletzt nicht bremsen. Die bisher freigegebenen Ölreserven sind in Asien umgehend verfügbar. Hier warten Käufer dringend auf Ersatz von Lieferungen, die derzeit durch die Straße von Hormus blockiert sind.
Bereits die bisher freigegebenen Mengen an Reserven "führen zu einem beispiellosen zusätzlichen Ölangebot auf dem Markt ab dem 16. März", kommentierte IEA-Direktor Fatih Birol in einem Beitrag auf der Online-Plattform X. Seiner Einschätzung nach sei aber die Öffnung der Straße von Hormus "unerlässlich für eine Rückkehr zu stabilen Lieferströmen".
(mit Material von dpa)
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