EZB belässt Leitzins bei 2,0 Prozent und hebt Inflationsprognose

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins der Eurozone am Donnerstag bei 2,0 Prozent belassen - wie von Ökonomen erwartet. Der Zins bezieht sich auf die Einlagen von Banken und ist die gewichtigste Stellschraube für die Geldpolitik im Euroraum.
Auch die übrigen Zinssätze, der Hauptrefi- und der Spitzenrefisatz, blieben mit 2,15 respektive 2,40 Prozent auf dem vorigen Niveau. Die Aktienmärkte, von der Eskalation im Iran-Krieg am Donnerstag schwer unter Druck, reagierten nur minimal positiv auf den Zinsentscheid. Der Dax notierte zuletzt weiter über 2,6 Prozent im Minus.
Die Notenbanker passten ihre Prognosen jedoch an. Laut der EZB sorge der Iran-Krieg für größere Aufwärts-Risiken bei der Inflation und gefährde zudem das Wachstum der Wirtschaft im Währungsbund. Für 2026 sagt die EZB nunmehr eine Inflation von 2,6 Prozent voraus, nach zuvor nur 1,9 Prozent. Das BIP-Wachstum dürfte nur noch 0,9 Prozent statt zuvor 1,2 Prozent betragen.
Noch vor wenigen Wochen sah sich die EZB in einer komfortablen Lage im Kampf gegen die Teuerung im Währungsraum. Denn mit einer Rate von 1,9 Prozent im Februar liegt die Inflation nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent. Doch mit dem Krieg im Nahen Osten und dem Ölpreisschock wächst die Sorge vor einem starken Anziehen der Inflation.
Teuerung dürfte auch in Deutschland anziehen
Deutschland dürfte nicht verschont bleiben. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet, dass die Inflation in der ersten Jahreshälfte von zuletzt knapp zwei Prozent "merklich über 2,5 Prozent" steigen wird.
EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane warnte bereits vor den Folgen eines länger andauernden Krieges im Nahen Osten. Dies könne die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen: "Eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten ist eines der wichtigsten Risikoszenarien, die von der EZB beobachtet werden."
Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg
Die Notenbank will verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben. Mit der Energiekrise stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland rasant, die Inflation kletterte im Jahresschnitt 2022 auf 6,9 Prozent und lag 2023 immer noch bei 5,9 Prozent. Das kostete die Verbraucher Kaufkraft und die EZB Glaubwürdigkeit.
Der Iran-Krieg hat mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas längst Deutschland erreicht. Zöge sich der Krieg über Monate hin, würde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone "schätzungsweise auf mindestens drei Prozent", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Einige Experten vermuten bereits, dass die Notenbank im Sommer die Zinsen anheben wird.
Im Fall der Fälle dürfte die EZB dieses Mal schneller agieren als 2022, meint Ulrike Kastens, Ökonomin bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS: "Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch."
(mit Material von dpa-AFX)




