Die wichtigsten Antworten

Trumps Zoll-Frist läuft bald ab – das ist der aktuelle Stand im Handelsstreit

onvista · Uhr
Artikel teilen:
Quelle: quyggit4/Shutterstock.com

Nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang April zusehen musste, wie seine Zollpolitik die Märkte ins Chaos stürzten, legte er die Zölle flugs wieder auf Eis. Zumindest für eine Weile. 90 Tage Verschnaufpause, so Trump damals, soll es für die meisten Einfuhren geben. Seitdem gilt für die meisten Länder und Einfuhren der sogenannte Basiszoll, festgelegt auf zehn Prozent.

Die Börsen erholten sich rasch wieder und wenige Wochen später war das Thema unter Anlegern dann kaum noch präsent. Nun schließt sich das Zeitfenster demnächst – hat Trump die versprochenen Deals geliefert? Die 90-Tage-Frist sollte dem Verhandeln neuer Abkommen dienen. Zumindest einige Fortschritte hat Trump bislang vermeldet. Wo indes noch Ergebnisse fehlen, erfahrt ihr hier.

Der jüngste Deal: Vietnam

Am Mittwoch dieser Woche verkündete Trump den bislang jüngsten Deal – mit dem südostasiatischen Land Vietnam. Es sei „eine große Ehre“, das Abkommen mit dem Land publik zu machen. Viele Details gab es indes nicht – nicht unüblich für die US-Regierung unter Trump.

Ticker zum Handelsstreit
Trotz Gerichtsurteil: USA führen Zollverhandlungen fort31.08.2025 · 20:15 Uhr · onvista
Trotz Gerichtsurteil: USA führen Zollverhandlungen fort

Künftig soll auf alle Einfuhren aus dem Land in die USA ein Zoll von 20 Prozent fällig werden. Für Güter aus Drittländern, die über Vietnam ihren Weg in die USA finden, sollen es indes 40 Prozent werden. Damit soll diese Praktik des „Transshippings“ unterbunden werden.

US-Einfuhren nach Vietnam wiederum sollen keinerlei Zöllen unterliegen. Das Land kommt damit trotzdem besser weg als noch im April – damals hatte Trump erklärt, auf vietnamesische Einfuhren solle ein „reziproker Zoll“ von 46 Prozent kommen. Laut Reuters ist Vietnam der zehntgrößte Handelspartner der USA.

Der erste Deal: Großbritannien

Mitte Juni bereits beschlossen Großbritannien und die USA ein erstes Abkommen, welches zum Monatsende in Kraft trat. Für die meisten britischen Exporte in die Staaten gilt weiterhin der zehnprozentige Basiszoll.

Es gibt aber einige Ausnahmen – allen voran der Automobilsektor. Auf ausländische Autos und Autoteile führte Trump einen Zoll von 25 Prozent ein, zusätzlich zu bestehenden Einfuhrgebühren von 2,5 Prozent. Diese 27,5 Prozent Zoll gelten aber nicht für Großbritannien. Für britische Fahrzeuge (bis zu einem Limit von 100.000 Stück jährlich) werden nur zehn Prozent fällig.

Immer mehr Zölle kommen
"Anti-Zoll-Aktien": Welche Papiere gegen Trumps Handelskrieg schützen10.02.2025 · 10:40 Uhr · onvista
"Anti-Zoll-Aktien": Welche Papiere gegen Trumps Handelskrieg schützen

Darüber hinaus sieht der Deal vor, dass für Komponenten der Luftfahrtindustrie, wie etwa Turbinen, keinerlei Zölle mehr anfallen. „Unser historisches Handelsabkommen mit den USA dient britischen Firmen und schützt britische Jobs. Von heute an werden unsere Automobil- und Luftfahrtbranchen gekürzte Zölle erleben, zum Schutze von Schlüsselindustrien, die lebenswichtig für unsere Wirtschaft sind“, kommentierte Premier Keir Starmer.

Darüber hinaus wollen die Länder weiter daran arbeiten, Stahl- und Aluminiumzölle auf null Prozent zu senken. Aktuell werden für britische Metallexporte in die USA noch 25 Prozent fällig, für alle anderen Länder aber 50 Prozent.

Der wohl wichtigste Deal: China

Die wohl wichtigste Einigung im Handelsstreit gibt es bislang mit China, der wichtigste Handelspartner der USA neben den direkten Nachbarn Mexiko und Kanada. 

Doch auch hier sind Details rar. Zuletzt bestätigte China, dass die Verhandlungen, die Mitte Mai Genf durchgeführt wurden, weiter geführt werden sollen. Aktuell gehe es dabei um den Exporten von Magneten und Seltenen Erden – elementare Komponenten für fast alle High-Tech-Produkte, von Flugzeugmotoren über Windkraft hin zu Halbleitern.

Umgekehrt werden die USA Handelsbeschränkungen abbauen, wie US-Handelsminister Howard Lutnick gegenüber Bloomberg erklärte. Ob sich noch was an den Zöllen ändert, ist unklar. Zeitweise hatten die USA die Zölle auf chinesische Einfuhren bis auf 145 Prozent angehoben, China hatte sich mit Einfuhrgebühren von 125 Prozent auf US-Produkte gerächt.

Bei den Verhandlungen in Genf einigten sich die Länder auf eine Pause im Zollstreit, mit 30 Prozent Zöllen auf US-Seite und zehn Prozent auf der chinesischen Seite. Insgesamt aber, hieß es später von Trump, werde der Zoll auf chinesische Importe bei 55 Prozent liegen – zusammengesetzt aus dem Basiszolls und zwei China-spezifischen Zollsätzen.

 Und der Rest der Welt?

Mit vielen weiteren Handelspartnern gibt es bislang keinen Deal. Handelsminister Lutnick erklärte zuletzt, zehn weitere Abkommen stünden kurz vor der Finalisierung, noch vor dem Ablauf der Frist am 9. Juli.

Welche Zölle bis dahin noch gelten, hat beispielsweise die multinationale Anwaltskanzlei Reed Smith an dieser Stelle zusammengetragen. Die drei wichtigsten Handelspartner, die bislang noch ohne Deal dastehen, sind Kanada, Mexiko und die EU.

Edelmetall im Fokus
Neue Kaufwelle im Goldpreis gestartet - diese Kursmarken sind nun wichtig03.07.2025 · 14:10 Uhr · onvista
Neue Kaufwelle im Goldpreis gestartet - diese Kursmarken sind nun wichtig

Aktuell gelten für Einfuhren aus Kanada und Mexiko Zölle von 25 Prozent. Für die EU gilt derzeit der Basiszoll. Der Anfang April angekündigte, zurzeit pausierte reziproke Zoll liegt bei 20 Prozent. Allerdings hatte Trump dem Staatenbund Anfang Juni mit einem Zollsatz von 50 Prozent gedroht.

Die EU wiederum hatte jüngst erklärt, mit einem Basiszoll von zehn Prozent zufrieden zu sein, hatte aber auf Ausnahmen gepocht. Zugleich arbeitet der Staatenbund bereits an Gegenmaßnahmen, sollte es zu keinem Deal kommen, wie es mehrfach von Insidern hieß.

Was erwarten die Börsen?

Nach dem anfänglichen Schock an den Börsen im April – mit rekordverdächtig hohen Tagesverlusten – hat der Einfluss der Handelspolitik auf die Kurse stetig nachgelassen. Sowohl der deutsche Leitindex Dax als auch der US-amerikanische S&P 500 markierten jüngst neue Bestmarken.

Mit größeren Verwerfungen nach Ablauf der 90-Tage-Frist rechnen die Märkte momentan nicht. Das beweisen die Volatilitätsindizes. Der US-amerikanische VIX notiert bei 16,7 Punkten, und damit sogar marginal unter historischen Durchschnittswerten. Im April schoss der Index, auch bekannt als „Angstbarometer“, auf 65 Punkte.

Das deutsche Pendant, der VDax-New, rangiert mit 18,55 Punkten ebenfalls auf einem durchaus üblichen Niveau, nach 44,5 Punkten im April. Damit signalisieren die Indizes, dass sich die Marktteilnehmer nicht gegen größere Marktbewegungen (vor allem nach unten) absichern, und die Märkte damit rechnen, dass sich der Zollstreit einigermaßen auflösen werden, zumindest mit den für die USA wichtigsten Ländern.

Demnach heißt es: Abwarten. Wirkliche Klarheit über die Zukunft des Handels wird es erst am 9. Juli geben. Eine Möglichkeit, mit der beispielsweise die EU rechnet, ist, dass erstmal weitere Fristverlängerungen gibt, um Abkommen auszuverhandeln.

Was indes sicher sein dürfte: Im Zweifelsfall wird Trump nochmal Druck machen. Kanada beispielsweise ruderte bei einer Steuer für digitale Dienstleistungen zurück, die stark auf das Geschäft großer US-Tech-Konzerne wie Meta abzielt. Zuvor hatte Trump die Verhandlungen einseitig abgebrochen und die Steuer als „unverfrorene Attacke“ kritisiert.  

Zudem sicher ist, dass die Zölle, relativ zum vorigen Niveau, steigen oder hoch bleiben werden. Das bezeuge der Deal mit Vietnam, erklärte Europa-Aktienstratege Sebastian Raedler von der Bank of America gegenüber „CNBC“: „Wenn wir eines vom Deal mit Vietnam gelernt haben, dann, dass die Zölle steigen, und nicht sinken werden.“ 

Das könnte dich auch interessieren

Dax Tagesrückblick 07.01.2026
Dax über 25.100 Punkte - Siemens und Nvidia weiten Zusammenarbeit ausgestern, 17:58 Uhr · onvista
Dax als Wort auf Chart
Börse am Morgen 08.01.2026
Dax klettert auf neues Rekordhoch - Rüstungstitel gefragtheute, 10:00 Uhr · onvista
Dax Logo
Dax Tagesrückblick 07.01.2025
Dax bewegt sich nach nächstem Rekordhoch kaum - Adidas mit dickem Minus06. Jan. · onvista
Jemand geht vor dem Dax-Logo vorbei.
Vorbörse 08.01.2026
Dax startet mit leichten Abgaben in den Handel - Verluste in Asienheute, 08:16 Uhr · onvista
Dax startet mit leichten Abgaben in den Handel - Verluste in Asien
Die wichtigsten Antworten
Öl und Aktien: Was bedeutet Venezuela für die Märkte?05. Jan. · onvista
Ein Öltanker ist aus der Luft zu sehen.