Kolumne von Heiko Böhmer

Die langweiligen Rückversicherer werden sexy

Heiko Böhmer · Uhr

Es gibt aktuell kaum ein Thema wie KI, das täglich für Schlagzeilen sorgt und Anleger zum Träumen bringt. Doch ausgerechnet die vermeintlich spröden Rückversicherer könnten 2026 zu den stillen Gewinnern zählen.

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Quelle: Anne Czichos / Shutterstock.com

Wenn wir über Zukunftsthemen sprechen – Künstliche Intelligenz (K), Robotik, Datencenter, Chips – dann leuchten Anlegeraugen normalerweise auf. Doch während die Techstars im Fokus der Anleger stehen, finden andere Werte weniger Beachtung. Und genau die könnten 2026 zu den spannendsten Anlagechancen überhaupt gehören.

Ich weiß, was du jetzt denkst: „Das klingt nach Langeweile, nicht nach Rendite.“ Aber genau das ist ja der Punkt. Langeweile ist an der Börse eine unterschätzte Qualität.

Warum Versicherer und Rückversicherer gerade jetzt glänzen

Künstliche Intelligenz kann viel. Sie kann schreiben, rechnen, programmieren – aber sie hat die Versicherungswelt noch längst nicht auf links gedreht. Und sie wird es auch 2026 nicht tun. Das ist für Anleger eine gute Nachricht. Denn unabhängig davon, wie viele Datencenter gebaut werden, wie viele KI-Agenten künftig Dokumente sortieren oder wie schlau Algorithmen irgendwann werden – ein Schadenfall bleibt ein Schadenfall. Und eine Lebensversicherung bleibt eine Lebensversicherung.

Das Versicherungsgeschäft bleibt planbar, robust und ist hochprofitabel, wenn man es kann.

Rückversicherer wie Münchener Rück oder Scor haben heute Bilanzen, die man fast als „goldgerändert“ bezeichnen kann. Die Kapitaldeckung ist hoch, die Risikomodelle ausgefeilt, und der Wettbewerb in vielen Segmenten überschaubar. Für die kommenden fünf Jahre stellen die Unternehmen selbst Zuwächse von acht Prozent beim Gewinn pro Aktie in Aussicht – pro Jahr wohlgemerkt. Und das in einer Branche, die angeblich niemand spannend findet.

Das Geschäftsmodell funktioniert, weil die Branche Preisgestaltungsmacht hat. Wenn ein Sturm teurer war als gedacht, steigen die Prämien. Wenn Schadens-Wahrscheinlichkeiten neu berechnet werden, steigen die Prämien. Wenn Hedgefonds oder Techkonzerne plötzlich die Nerven verlieren, steigen die Prämien. Kurz: Eine Welt im Wandel ist das beste Umfeld für Versicherer. Und Wandel haben wir genug.

Warum Versicherer nicht nur defensiv sind – sondern echte Zinseszinspferde

Viele Anleger unterschätzen zudem, wie sehr die Geschäftsmodelle der Versicherer von Zinsstrukturen profitieren.

So bedeuten höhere Zinsen: Das Risikokapital der Versicherer arbeitet wieder. Gleichzeitig kann freies Kapital wieder attraktiv angelegt werden. Im Grunde steigen so die Erträge automatisch.

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Und KI? Die hilft sogar bei den vielen internen Prozessen: So kann die KI bessere Prognosen erstellen oder auch eine schnellere Schadenbearbeitung bringen. In der Realität ist der Einsatz von KI hier keine Bedrohung, sondern kann einfach die Produktivität steigern.

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Die Aktienmärkte haben 2024 und 2025 viel Geld in die Hand genommen, um KI-Fantasien einzupreisen. Und wir wissen alle: Fantasie kann teuer werden. In solchen Phasen suchen Anleger Stabilität, Sichtbarkeit, Qualität. Und genau da stehen die Versicherer – trotz aller Langeweile – so stark da wie seit Jahren nicht.

Ein Portfolio braucht so eine stabile Qualität.

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