Kolumne von Alexander Mayer

Harsche Vorwürfe gegen Jane Street: Wird Bitcoin manipuliert?

decentralist.de · Uhr

Regelmäßig knickt Bitcoin zum Handelsstart der US-Börsen ein. Steckt dahinter etwa gezielte Manipulation? Eine entsprechende Klage deutet das an. Worum es bei den Vorwürfen gegen das Handelshaus Jane Street geht, erfahrt ihr hier.

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Eine Bitcoin-Münze ist vor roten Pfeilen zu sehen.
Quelle: Adobe.com/Jer

Im Krypto-Sektor herrscht seit einigen Monaten eine wiederkehrende Diskussion um die sogenannte „10am Bitcoin Manipulation“. Ein großer Marktteilnehmer soll dabei während der Börsenhandelstage um 10 Uhr Eastern Time, pünktlich zur US-Markteröffnung, Bitcoin-Verkäufe getätigt haben, um Liquidationen auszulösen und günstige Akkumulationspreise zu erhalten.

Seit Anfang 2025 wurde das wiederkehrende Phänomen beobachtet, dass Bitcoin um diese Handelszeit oft um mehrere Prozentpunkte nachgegeben hat. Viele Marktbeobachter sehen darin einen Hauptgrund für die anhaltende Bitcoin-Kursschwäche besonders seit Oktober 2025.

Anklage gegen Market Maker Jane Street befeuert Spekulationen

Im Fokus der Twitter-Spekulationen steht das Handelsunternehmen Jane Street mit Hauptsitz in New York. Die aktuellen Vorwürfe gegen Jane Street stammen hauptsächlich aus einem Rechtsstreit, der am 23. Februar 2026 eingereicht wurde. Der Administrator der Terraform-Labs-Insolvenzmasse klagt das Unternehmen wegen Insider-Handels und Marktmanipulation an.

Bei Terraform Labs handelt es sich um ein Krypto-Unternehmen, dass im Krypto-Bärenmarkt 2022 aufgrund des Zusammenbruchs des hauseigenen Stablecoins Terra Luna in die Insolvenz gerutscht ist. Der Vorfall hat dem Krypto-Sektor insgesamt erheblichen Schaden zugefügt und viele Privatanleger haben große Verluste erlitten.

Der Kernvorwurf: Jane Street soll nicht-öffentliche Informationen aus einer privaten Chat-Gruppe genutzt haben, um Trades vorzunehmen, die den Kollaps von TerraUSD und Luna im Mai 2022 beschleunigt haben. Dies führte zu einem Verlust in Milliardenhöhe und trug unter anderem zum FTX-Kollaps bei. Die Insider-Informationen sollen von einem ehemaligen Terraform-Mitarbeiter weitergegeben worden sein.

Es gibt ähnliche Vorwürfe gegen Jane Street auch im Bereich des Aktienhandels. 2025 wurde das Unternehmen in Indien mit 540 Millionen Dollar Strafe belegt wegen Derivate-Manipulation, was dem Unternehmen rund vier Milliarden Dollar Gewinne eingebracht haben soll.

Manipuliert Jane Street als Market Maker gezielt den Bitcoin-Kurs?

Viele Marktbeobachter sehen Jane Street auch hinter der „10am Bitcoin Manipulation“, da diese – so die Argumentation einiger Analysten – aufgehört hat, seitdem rechtlich gegen das Unternehmen ermittelt wird. Seit November 2025 soll Jane Street täglich um 10am ET (US-Marktöffnung) große Bitcoin-Verkäufe getätigt haben, was Preise um zwei bis drei Prozent gesenkt, Liquidationen ausgelöst und den BTC-Preis seit Oktober von 125.000 auf 60.000 Dollar gedrückt haben soll. Danach soll das Unternehmen günstig Spot-ETFs (beispielsweise BlackRocks IBIT, wo sie eine 2,5 Mrd. Dollar Position halten) gekauft haben.

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Rein technisch könnte das Unternehmen dazu in der Lage sein, da Jane Street ein großer Liquiditätsanbieter und Market Maker ist. Jane Street ist einer der Haupt-Market-Maker für Bitcoin-ETFs – ein sogenannter Authorized Participant. Diese Marktteilnehmer haben spezielle Sondergenehmigungen, um in der Lage zu sein, genügend Liquidität für einen reibungslosen Handel zu gewährleisten.

Es geht dabei im speziellen um die sogenannte Reg SHO – eine seit 2005 eingeführte Regelung, die „nacktes“ Short-Selling eines Assets verhindert. Es verpflichtet Broker dazu, Aktien vor dem Verkauf nachweislich zu lokalisieren und Lieferausfälle („Failures to Deliver“) innerhalb strenger Fristen glattzustellen. Zudem enthält es Mechanismen wie Preisbeschränkungen bei extremen Kurseinbrüchen, um Panikverkäufe und Marktmanipulation zu begrenzen.

Authorized Participants wie Jane Street sind jedoch – speziell für das Asset, für das sie Liquidität zur Verfügung stellen sollen – von dieser Regel ausgenommen. Als Market Maker muss Jane Street sicherstellen, dass es immer Käufer und Verkäufer für ETF-Anteile gibt.

Wenn die Nachfrage nach Bitcoin-ETFs steigt, können sie nicht immer sofort genug Spot-Bitcoin besorgen, um neue Anteile zu erstellen. Stattdessen shorten sie ETF-Anteile temporär (verkaufen, was sie nicht haben), um die Nachfrage zu bedienen. Dank der Reg-SHO-Ausnahme müssen sie nicht sofort „lokalisieren“ – das erlaubt schnelles Handeln ohne Kosten oder Risiken. Später decken sie die Shorts, indem sie echte Bitcoin liefern oder Arbitrage betreiben. Das hält den Markt flüssig, aber es verzögert den Kaufdruck auf Spot-Bitcoin, was Preise dämpfen kann.

Als Market Maker für ETFs könnten sie damit theoretisch (und illegalerweise) Liquidität nutzen, um Preise zu manipulieren – Verkauf von BTC, um Liquidationen zu triggern, dann Rückkauf zu niedrigeren Preisen. Bis jetzt gibt es jedoch keinerlei Beweise, dass das Unternehmen dies wirklich so gehandhabt hat.

Wie realistisch ist der Manipulations-Vorwurf?

Jane Street shortet primär, um Liquidität zu bieten und Arbitrage zu machen – das ist legal und Teil ihrer Rolle als Market Maker, um profitabel zu sein. Jane Street scheint grundsätzlich ein seriöses Unternehmen zu sein, aber die Häufung von Vorwürfen (Terra, Indien, BTC) macht es plausibel, dass sie Grenzen und regulatorische Grauzonen ausnutzen. Dies muss trotzdem nicht illegal sein, solange sie ihrer Aufgabe als Market Maker damit nachkommen.

Die Diskussion wirft eher die generelle Kritik an der Infrastruktur der ETFs auf: Die diversen Wallstreet-Mechanismen entkräften die Qualitäten von Bitcoin als „hartes“ Asset mit einer maximalen Begrenzung von 21 Millionen Einheiten, da es durch Prozesse wie den oben beschriebenen zu temporären „synthetischen“ Bitcoin-Einheiten kommen kann, die die reale Preisbildung beeinflussen.

Isoliert betrachtet kann diese Dynamik durchaus dazu beigetragen haben, den Bitcoin-Preis unter Druck zu setzen. Bezieht man jedoch das makroökonomische Bild mit ein, fallen viele weitere Faktoren ins Gewicht, die den Preisdruck ebenfalls erklären: Langfristige Bitcoin-Halter haben in diesem Zyklus massiv verkauft, eben weil die Wall Street enorme Liquidität in den Markt gebracht hat und diese Halter ihre extrem im Gewinn stehenden Positionen verkaufen konnten, ohne den Preis zu sehr nach unten zu drücken.

Hinzu kommt Gegenwind durch eine anders als erwartet abgelaufene geldpolitische Entwicklung in den USA, die Bitcoin als liquiditätssensitives Asset besonders trifft. Der marktpsychologische Effekt durch den Vierjahreszyklus, an den sich viele Anleger immer noch halten, trägt ebenfalls zur aktuellen Kursschwäche bei, da 2026 entsprechend dem Model ein Bärenmarktjahr sein soll. Insgesamt erscheint es unwahrscheinlich, dass der Bitcoin-Kurs nun „den Deckel sprengt“, weil eine vermeintliche Manipulation wegfällt, die den Preis stark nach unten gedrückt haben soll.

Denken Sie langfristig!

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