
Der Iran-Krieg hat den Abwärtsdruck an den weltweiten Börsen am Dienstag verstärkt. Steigende Öl- und Erdgaspreise nähren Konjunktur- und Inflationsängste. "Entscheidend für die Marktstimmung ist, wie sehr sich der Konflikt ausweitet, wie lange er dauert, wie die übrigen Großmächte auf den Angriff reagieren und wie stark die Energiepreise steigen", kommentierte Chris Iggo von BNP Paribas Asset Management.
Der deutsche Leitindex Dax beschleunigte seinen Abwärtstrend und verlor bis zum Handelsende 3,4 Prozent auf 23.790 Punkte ein. Damit verbuchte der Dax den größten Tagesverlust seit dem vergangenen April, als Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump die Kurse in die Tiefe rissen.
Mit dem deutlichen Rutsch unter die 100- und 200-Tage-Durchschnittslinien trübte sich auch das langfristige Chartbild für den Index ein. Nach zwei heftigen Verlusttagen ist aus den Kursgewinnen seit Jahresbeginn inzwischen ein klares Minus geworden.
Für den MDax der mittelgroßen Börsentitel ging es am Dienstag um weitere 3,4 Prozent auf 29.801 Punkte nach unten.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verabschiedete sich 3,6 Prozent tiefer aus dem Handel. In London und Zürich mussten die Anleger ebenfalls weitere Kursabschläge verkraften. An den US-Börsen, die sich zu Wochenbeginn noch vergleichsweise robust gezeigt hatten, ging es mit einem Tag Verzögerung klar nach unten, wenngleich nicht ganz so heftig wie in Europa.
Kursrutsch nun auch in den USA
Die noch zu Wochenbeginn robusten US-Börsen haben mit einem Tag Verzögerung die Auswirkungen des Iran-Kriegs deutlich zu spüren bekommen. Der Anstieg der Öl- und Gaspreise nährte am Dienstag Wirtschaftssorgen und die Furcht vor insgesamt deutlich steigenden Preisen.
Der Dow Jones Industrial büßte im Handel seine bislang in diesem Jahr erzielten Gewinne ein und sackte um 2,3 Prozent auf 47.758 Punkte ab. Damit erreichte der Leitindex das Niveau von Anfang Dezember.
Der marktbreite S&P 500 verlor 2,3 Prozent auf 6.725 Zähler. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 2,4 Prozent auf 24.385 Punkte abwärts.
Chemie-Aktien fallen am stärksten
Die Aktien aus dem deutschen Chemiesektor litten besonders stark unter dem Iran-Krieg. Im Dax waren die Titel des Branchenriesen BASF mit 4,2 Prozent unter den größten Verlierern. Im MDax galt dies für Wacker Chemie, Lanxess und Evonik. Während Evonik nur etwa vier Prozent verlor, waren es bei Wacker Chemie sieben Prozent.
Schlusslicht im Dax aber waren die Aktien von Beiersdorf, die um mehr als 18 Prozent auf ein Tief seit vier Jahren einbrachen. Der Konsumgüterkonzern rechnet im laufenden Jahr allenfalls mit einem geringen Wachstum. Analysten monierten schwache Prognosen der Hamburger für das erste Quartal und das Gesamtjahr.
Die Aktien der Deutschen Börse zählten mit plus zwei Prozent zu den nur zwei Gewinnern im Dax neben Fresenius Medical Care. Gleich zwei Investmentbanken rieten am Dienstag zum Kauf der Deutsche-Börse-Aktien, auch als möglicher Profiteur der starken Marktbewegungen.
Gold und Silber werden trotz Krieg abverkauft
Die Edelmetalle Gold und Silber, die in angespannten geopolitischen Situationen als „sicherer Hafen“ für Anleger gelten, wurden zwei Tage in Folge abverkauft.
Der Goldpreis verlor bis zum Abend etwa 4,3 Prozent und fiel auf 5.111 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Beim Silberpreis fiel der Abverkauf stärker aus. Bis zum Abend lag der Silberkurs mit 7,5 Prozent im Minus bei 83,2 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).
(mit Material von dpa-AFX)


