Dollar steigt deutlich – aber der Abwärtstrend bleibt intakt
Die US-Währung profitiert von steigenden Zinsen und der Kapitalflucht angesichts des Irankriegs. Trotzdem bleibt der mittelfristige Trend negativ – und bietet Chancen, auf fallende Notierungen zu setzen.
Henry Philippson

In den vergangenen vier Wochen hat der US-Dollar eine bemerkenswerte Aufwertung erfahren. Sie ist vor allem auf eine Kombination aus geopolitischen Risiken, Zins-Erwartungen und Rohstoffpreis-Entwicklungen zurückzuführen.
Auslöser der jüngsten Dollarstärke war insbesondere der Krieg im Iran, der zu erheblichen Verwerfungen auf den Energiemärkten führte. Der Krieg und die zeitweise Blockade der Straße von Hormus ließen die Ölpreise - im Chart Rohöl der Sorte WTI - deutlich über 100 Dollar steigen. Der hohe Ölpreis wiederum löste weltweit Inflationsängste aus und erhöhte die Nachfrage nach dem Dollar als "sicherem Hafen" für Kapital.
Parallel dazu veränderten sich die Erwartungen an die Geldpolitik der US-Notenbank deutlich. Während noch zu Jahresbeginn mehrere Zinssenkungen eingepreist waren, gehen Investoren inzwischen davon aus, dass die Federal Reserve ihre Zinsen länger hoch halten könnte oder sogar ganz auf weitere Senkungen verzichtet.
Für den morgen Abend anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank wird laut dem Fed Watch Tool mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent keine Zinssenkung erwartet. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im April liegt aktuell lediglich bei drei Prozent und für Juni bei aktuell 22,5 Prozent.
Die Folge ist, dass die Renditen am Anleihemarkt auch in den USA steigen. Von unter vier ist die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen inzwischen auf 4,2 Prozent gestiegen. Und steigende US-Renditen ziehen Kapital in den Dollarraum.
Energiepreise belasten Eurozone
Ein weiterer Faktor ist die relative Schwäche anderer Volkswirtschaften, insbesondere in Europa. Die stark gestiegenen Energiepreise belasten importabhängige Regionen wie die Eurozone besonders stark und verschlechtern deren Wachstumsaussichten, was den Euro zusätzlich unter Druck setzt.
Der US Dollar Index (DXY, Chart unten) misst den Wert des US-Dollars im Vergleich zu einem Korb wichtiger Währungen. Dazu gehören vor allem Euro, japanischer Yen, britisches Pfund, kanadischer Dollar, schwedische Krone und Schweizer Franken, wobei der Euro den größten Anteil hat. Steigt der Index, gewinnt der Dollar gegenüber diesen Währungen an Stärke; fällt er, verliert er an Wert.
Der DXY dient Investoren, Unternehmen und Zentralbanken als wichtiger Indikator für die internationale Kaufkraft des Dollars und spiegelt Erwartungen zu Zinsen, Konjunktur und geopolitischen Risiken wider.
Im Zuge dieser Entwicklung haben mehrere Währungen deutlich gegenüber dem Dollar verloren. Besonders ausgeprägt war die Schwäche beim Euro, der auf Mehrmonatstiefs fiel. Auch der japanische Yen fiel und bewegt sich inzwischen nahe kritischer Niveaus, ab denen eine Intervention der Zentralbank notwendig werden könnte, um die Währung zu stützen.
Der Dollar-Index kletterte am vergangenen Freitag auf den höchsten Stand seit Mai 2025. Aber: Mittelfristig befindet er sich weiterhin in einem intakten Abwärtstrend (siehe Chart unten). Die aktuellen Kurse im US-Dollar sind daher - vor allem gegenüber dem Euro - tendenziell eine attraktive Verkaufsgelegenheit beziehungsweise umgekehrt eine Einstiegs-Möglichkeit in den mittelfristigen Abwärtstrend des Dollar. Denn der ist weiterhin intakt.




