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Hohe Renditen sind das Ziel? Dann Finger weg vom Verkaufsknopf!

Bernd Schmid

Dass zu häufiges Handeln schädlich für die langfristigen Renditen ist, das wissen mittlerweile die meisten Anleger. Die wenigsten wissen jedoch, dass das Verkaufen von Positionen in den allermeisten Fällen mehr schadet als nutzt.

Hohe Renditen sind das Ziel? Dann Finger weg vom Verkaufsknopf!

Das belegen nicht nur Anekdoten der besten Anleger, sondern das belegt auch eine Studie. Und der Grund ist leicht erklärt am Beispiel einer der erfolgreichsten Aktien dieses Jahrtausends, Netflix.

Selbst die besten Anleger treffen keine besseren Verkaufsentscheidungen, als ein Affe es tun würde

Motley-Fool-Mitbegründer David Gardner hat mit seinen Aktienempfehlungen über mehr als anderthalb Jahrzehnte eine Überrendite erzielt, mit der er sich nicht vor den ganz Großen wie Warren Buffett, Benjamin Graham oder Peter Lynch verstecken muss.

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Eine interne Untersuchung bei The Motley Fool hat jedoch ergeben, dass seine Renditen noch besser ausgefallen wären, hätte er keine seiner Verkaufsempfehlungen ausgesprochen und stattdessen bis heute an allen jemals empfohlenen Aktien festgehalten.

Auch Warren Buffett soll einmal sinngemäß gesagt haben, dass er heute noch reicher wäre, wenn er niemals den Verkaufsknopf gedrückt hätte.

Und viele Anleger haben auch von Studien des US-Brokers Fidelity gehört, der die Performance seiner Kundenkonten über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgewertet haben soll. Das Ergebnis war, dass die Kunden mit der besten Performance in der Regel einer von zwei Gruppen angehört haben sollen: Sie waren entweder a) tot oder b) hatten vergessen, dass sie ein Depot bei Fidelity hatten.

Was bisher nicht mehr als Anekdoten waren, die kaum einer von uns wahrscheinlich wahrhaben wollte, hat nun jedoch eine Studie der University of Chicago bestätigt, bei der 4,4 Millionen Trades aus 739 Portfolios von institutionellen Investoren ausgewertet wurden. Das Ergebnis auch hier: Die Verkaufsentscheidungen waren im Durchschnitt schlecht. So schlecht, dass die Performance dieser Portfolien besser gewesen wäre (in manchen Fällen sogar viel besser), wenn die Verkaufsentscheidungen komplett willkürlich gefällt worden wären.

Anders gesagt: Diese professionellen Investoren hätten ihren Kunden einen großen Gefallen getan, wenn sie einen Affen per Wurf auf eine Dartscheibe hätten entscheiden lassen, welche Aktien verkauft werden sollen.

Der einfache Grund

Warum das so ist, kann man sehr gut am Beispiel von Netflix erläutern ‒ der Aktie, die sich seit ihrem IPO in nicht einmal zwei Jahrzehnten mehr als verdreihundertfachte.

Selbst wer erst Anfang 2010 investierte, hätte aus 1.000 Euro immerhin noch 35.000 Euro gemacht.

Diese im Jahr 2010 investierten 1.000 Euro wurden sogar innerhalb eines Jahres zu 4.000 Euro. Dann kam jedoch ein Schock - die Aktie rauschte in wenigen Monaten um mehr als 80 % in die Tiefe, und auf einmal war die erfolgreiche Investition dahin. Ein schöner Mist …

Was war passiert?

Das Geschäftsmodell von Netflix bestand damals noch zum Großteil aus dem DVD-Verleih. Im September 2011 kündigte das Unternehmen an, dass man den DVD-Verleih abspalten und unter der Marke Qwikster weiterführen werde. Gleichzeitig erhöhte man die Preise um bis zu 60 % bzw. 6 US-Dollar für einige DVD-Abonnenten. Das hat einige Kunden extrem verärgert.

Einer schrieb als Kommentar zu einem Blog-Beitrag von CEO Reed Hastings:

Reed, danke für die Erinnerung, dass ich mir meine DVDs woanders ausleihen sollte. Es war schon beleidigend genug, dass du den Preis für mich letzten Monat erhöht hast, mitten in der größten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise, doch jetzt bekommen wir statt einer aufrichtigen Entschuldigung nur Ausreden und einen merkwürdigen neuen Namen.

Das war nur einer von Zehntausenden Kommentaren, viele davon von ähnlich wütenden Kunden. Und diese ließen Taten folgen. Im Oktober 2011 musste Netflix ankündigen, dass man im dritten Quartal 800.000 Abonnenten verloren hatte.

Als Krönung obendrauf gab es im selben Jahr die Ankündigung von Amazon, dass man ebenfalls einen Streaming-Service launchen werde, und auch einige andere Wettbewerber wurden wieder offensiver.

Schrumpfende Kundenzahlen, immer mehr Wettbewerber, darunter der allmächtige E-Commerce-Gigant, und ein Aktienkurs, der nur noch ein Witz war im Vergleich zu vorher.

Man sieht wie ein Depp aus. Aber nur der Depp profitiert von den hohen Renditen

Man kann sich vorstellen, wie man sich als Aktionär oder Portfoliomanager mit dieser Aktie im Depot damals fühlte. Welches Argument hatte man denn noch dafür, die Aktie nicht zu verkaufen? Nichts, was in den Monaten vor dem Kurssturz passiert war, sprach für die Aktie.

Und zwar eine ganze Zeit lang. Die Aktie dümpelte deutlich mehr als ein Jahr auf dem Niveau wie nach dem Absturz herum. Wer in dieser katastrophalen Zeit an der Aktie festgehalten hat, sah im Auge seiner Freunde bzw. Anlegern wie der letzte Depp aus. Deswegen haben wahrscheinlich die meisten Anleger früher oder später ebenfalls den Verkaufsknopf gedrückt.

Im Nachhinein wissen wir, dass das wahrscheinlich mit die schlechteste Entscheidung ihres Anlegerdaseins war. Aus den weniger als 1.000 Euro wären bis heute mehr als 35.000 Euro geworden.

Denn was die Verkäufer ignorierten, war das, was langfristig orientierte Anleger wie David Gardner damals weiterhin gesehen haben, wie zum Beispiel den visionären CEO, die hervorragende Umsetzung der Strategie bis zu diesem Zeitpunkt und die Tatsache, dass das Unternehmen nicht nur erkannt hat, dass es etwas ändern musste, sondern dass es den Mut aufbrachte, auch entsprechend zu handeln.

Die Krux bei alldem ist, dass man erst im Nachhinein weiß, ob man richtig liegt. Und das Nachhinein kann ziemlich weit weg sein. Vorher herrscht teilweise lange Zeit Unsicherheit und Angst.

Die Geschichte von Netflix und all die Anekdoten und Studien lehren uns jedoch eine eindeutige Lektion: Wer einmal ein gutes Unternehmen gefunden und in dessen Aktie investiert hat, der sollte sich davor hüten, den Verkaufsknopf zu drücken. So kann einem nicht die eine Aktie entgehen, die jeder Anleger wahrscheinlich alle zehn Jahre im Depot hat, die sein ganzes Leben verändern könnte.

Offenlegung: Bernd Schmid besitzt Aktien von Netflix. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Netflix.

Titelfoto: Dusit / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Bernd Schmid Bernd Schmid

Herr Schmid ist Chefanalyst von The Motley Fool Deutschland und leitet den Newsletter Stock Advisor Deutschland mit dem Ziel, langfristig orientierten Anlegern zu helfen überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften und bessere Anleger zu werden.

Bevor er im Jahr 2014 beim Deutschlandstart Teil des Teams von The Motley Fool wurde, begann er damit, als selbständiger Berater mittelständische Unternehmen rund um das Thema Finanzen, mit dem Fokus auf die Bilanzanalyse und Bilanzplanung, zu beraten. Vorher war Herr Schmid anderthalb Jahre als Manager für den innovativen Zahlungsdienstleister SumUp und für zweieinhalb Jahre bei der Detecon als Technologie- und Strategieberater für Telekommunikationsunternehmen weltweit tätig.

Herr Schmid ist CFA Charterholder, besitzt einen Master of Business Administration und einen Master of Science im Bereich Elektrotechnik von der Technischen Universität Hamburg-Harburg und ein Diplom (FH) von der Hochschule Ravensburg Weingarten. Während seiner akademischen Zeit forschte Herr Schmid in den Bereichen Robotik und Nanophotonik.

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