Türkei will Kampf gegen Inflation verschärfen

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Istanbul (Reuters) - Die Türkei will gegen die Inflation von über 70 Prozent vorgehen und plant deshalb einige konkrete Schritte in seiner Wirtschaftspolitik.

"Der Kampf gegen die Inflation bleibt oberste Priorität", erklärte das Finanzministerium am Freitag. Hierfür sei die Koordinierung zwischen verschiedenen staatlichen Institution von großer Bedeutung. Das Ministerium kündigte an, inländische Anleihen auszugeben, die an die Einnahmen staatlicher Unternehmen gekoppelt sind. Damit soll das Sparen von Lira-Vermögenswerten gefördert werden. Die Zentralbank erhöhte die erforderliche Rücklagenquote für Lira-Bargeldkredite von zehn auf 20 Prozent, während die Bankenaufsicht die Laufzeitgrenze für Verbraucherkredite veränderte.

Die Verbraucherpreise in der Türkei waren im Mai so stark gestiegen wie seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 73,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor - das ist die höchste Inflationsrate seit Oktober 1998. Normalerweise müsste die Notenbank hier gegensteuern und die Geldpolitik straffen. Doch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte jüngst weitere Zinssenkungen der Zentralbank an. "Diese Regierung wird die Zinssätze nicht erhöhen. Im Gegenteil, wir werden sie weiter senken." Problem sei weniger die Inflation, sondern vielmehr die hohen Lebenshaltungskosten.

Die Zinssenkungen haben die türkische Lira auf Talfahrt geschickt, weil die Landeswährung für Investoren dadurch unattraktiver wurde. Die Lira lag am Freitagvormittag bei 17,125 zum Dollar. Seit Anfang 2022 hat die Währung 23 Prozent verloren, im vorigen Jahr fiel sie um 44 Prozent.

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