Richemont wächst dank krisenfestem Edel-Schmuck - Neuer CEO übernimmt

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Zürich (Reuters) - Der Luxusgüterkonzern Richemont hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023/24 in einem schwierigen Umfeld gut geschlagen.

Der Umsatz des Herstellers von Cartier-Schmuck sowie Uhren der Marken A. Lange & Söhne stieg in Lokalwährungen um acht Prozent auf 20,6 Milliarden Euro, wie Richemont am Freitag mitteilte. Gleichzeitig ernannte das Schweizer Unternehmen einen neuen Konzernchef: Nicolas Bos, der gegenwärtig die hauseigene Schmuckmarke Van Cleef & Arpels führt, löst am 1. Juni Jérôme Lambert ab, der als operativer Leiter (Chief Operative Officer) beim Konzern bleibt. Die dominierende Figur dürfte allerdings Verwaltungsratspräsident Johann Rupert bleiben. "Ich ziehe mich nicht zurück, aber ich bitte Nicolas, einen Teil der Aufgaben zu übernehmen, die ich früher hatte und die mühsam waren", sagte Rupert.

Mit Cartier, Van Cleef & Arpels und Buccellati ist Richemont Weltmarktführer bei Markenschmuck. In einem von Inflation, hohen Zinsen und der gedämpften Stimmung im Schlüsselmarkt China geprägten Umfeld entwickelte sich Richemont damit besser als andere Branchenvertreter. So steigerte das Genfer Unternehmen den Umsatz von Januar bis März 2024 leicht, während der Luxus-Riese LVMH in seinem Uhren- und Schmuckgeschäft leichte Einbussen verzeichnete und etwa auch die Schweizer Uhrenexporten nachgaben.

Richemont habe eine starke Position im Luxusschmuckmarkt, erklärte Michael Kunz von der Luzerner Kantonalbank. Dieses oberste Segment des Marktes richte sich an die preisunempfindlichsten Kunden und sei deshalb krisensicherer. An der Schweizer Börse kletterten Richemont im frühen Handel um fünf Prozent. ZKB-Analyst Patrik Schwendimann wertete es als positiv, dass der erfolgreiche Chef von Van Cleef & Arpels Konzern-Chef werde.

ERHOLUNG IN SCHLÜSSELMARKT CHINA DAUERT

Doch auch bei Richemont schwächte sich das Wachstum im Verlauf des Geschäftsjahres ab, vor allem China erwies sich als Mühlstein. Die strikten Ausgangssperren während der Coronakrise hätten Narben hinterlassen und dem Verbrauchervertrauen geschadet, erklärte Rupert. "Der Absatz von Luxusgütern wird mehr durch den Wohlfühlfaktor als durch das verfügbare Einkommen bestimmt." Längerfristig glaubt er aber an eine Erholung. "Die Chinesen, ja, sie werden zurückkehren." Aber dies dürfte Zeit brauchen.

Im vergangenen Jahr erzielte Richemont einen Gewinnsprung auf 2,36 Milliarden Euro von 301 Millionen Euro. Im Vorjahr war die Wertberichtigung auf den Luxusgüter-Onlinehändler Yoox-Net-a-Porter (YNAP) deutlich höher ausgefallen als 2023/24. Richemont hatte den geplanten YNAP-Teilverkauf an Farfetch im Dezember gestoppt, nachdem das britische Unternehmen selbst zum Übernahmeziel geworden war. Inzwischen hat sich der Konzern wieder auf die Suche nach einem Käufer gemacht und führt Gespräche mit Interessenten für YNAP.

(Bericht von Oliver Hirt und John Revill, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)