Dax verbucht nächsten großen Tagesverlust - Jahresgewinne fast weg

Der Dax hat am Dienstag das Minus des Vortages ausgeweitet und den zweiten großen Tagesverlust in Folge verbucht. Bis zum Handelsschluss verlor der Leitindex des deutschen Aktienmarkts 1,07 Prozent auf 24.692 Punkte. Der Großteil der bisherigen Jahresgewinne - nach einer Rally weiter über 25.000 Zähler - ist damit verloren gegangen. Der Schlusskurs des vorigen Börsenjahres lag bei 24.490 Punkten.
"Das geopolitische Chaos auf der Weltbühne setzt auch am zweiten Handelstag der Woche den Aktienmärkten deutlich zu und lässt Investoren in den Risk-off-Modus schalten", erläuterte Analystin Christine Romar vom Broker CMC Markets. Der sichere Hafen Gold werde weiter angesteuert. "Dass ausgerechnet der Euro gegenüber dem US-Dollar steigt, weil Investoren aus Amerika fliehen, hilft den um gleichzeitig höhere Zölle bangenden Exporteuren im Dax so gar nicht", ergänzte sie
Noch drastischer fielen die Verluste in der zweiten Reihe aus. Der MDax der mittelgroßen Werte rutschte um 1,88 Prozent auf 30.796 Punkte ab. Für den Euroraum-Leitindex Euro Stoxx 50 ging es um knapp 0,6 Prozent bergab
Trump greift erneut zu Zöllen als Druckmittel
US-Präsident Donald Trump hatte den europäischen Anlegern am Wochenende die Laune verhagelt. Wegen des Grönland-Streits hatte er Strafzölle ab Februar angekündigt, die zum 1. Juni Zölle noch steigen sollen, sofern kein Abkommen über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt wird. Betroffen von den Zöllen sind acht europäische Nato-Länder, darunter auch Deutschland.
Die Verschärfung der transatlantischen Spannungen und die neue Zollunsicherheit nagten an der europäischen Anlagestory, schrieb Beata Manthey, Aktienmarktstrategin der Citigroup. Es liege nun ein Schatten über der erwarteten Gewinnbelebung europäischer Konzerne. Manthey strich daher ihre Präferenz für Aktien Kontinentaleuropas und schätzt sie im globalen Kontext nur noch neutral ein - erstmals seit mehr als einem Jahr, wie sie betonte. Mit Blick auf einzelne Branchen ist sie besonders skeptisch für Auto- und Chemiekonzerne. Hier hält sie eine Belebung der Gewinnentwicklung für besonders schwierig.
Optimistischer äußerte sich Marina Zavolock von Morgan Stanley. Die neue Zolleskalation erschwere die Lage insgesamt zwar, allerdings seien die Belastungen höchst individuell, so die Anlageexpertin. Und letztlich werde Europa in seinem Kurs zu mehr Eigenständigkeit und Eigenverantwortung bestärkt, was nicht nur Rüstungsinvestitionen, sondern auch der Reformagenda insgesamt Schub geben dürfte.
Autowerte nach Vortagesverlusten wieder gefragt
Zunächst besonders gelitten hatten am Montag europaweit Autowerte und Technologiewerte. Der Auto-Branchenindex war zeitweise auf den tiefsten Stand seit Oktober abgesackt. Am Dienstag lag er dann aber an der Spitze des Branchentableaus. Mutige Anleger suchten vor allem bei BMW und Renault wieder ihre Chance und trieben die Kurse leicht nach oben.
Bei Siemens Energy strichen Anleger derweil weiter Gewinne ein. Die Papiere der Münchner hatten mit ihrem Rekord am vergangenen Freitag 2026 bereits wieder 13 Prozent gewonnen, nachdem sie sich im Vorjahr mit plus 139 Prozent deutlich mehr als verdoppelt hatten.
FMC fielen auf das tiefste Niveau seit Herbst 2024 zurück. Der Dialysekonzern bekomme 2026 aus einigen Richtungen Gegenwind, schrieb Richard Felton von Goldman Sachs und strich seine Kaufempfehlung. Gleiches vollzog er bei Carl Zeiss Meditec, was die Aktien der Jenaer auf ein weiteres Tief seit dem Jahr 2017 zurückwarf. Felton rechnet mit einem mauen ersten Quartal.
Traton weiteten ihr Korrektur nach Absatzzahlen deutlich aus. Im vierten Quartals habe es zwar den üblichen saisonalen Schub gegeben, schrieb Leon Mühlenbruch von MWB Research. Der Absatz sei aber unter dem Vorjahresniveau geblieben. Dies gelte auch für das Gesamtjahr. Das Geschäft in Europa sei gut gelaufen, es sei aber durch Druck aus den USA und Brasilien überschattet worden.
Hypoport rutschten im SDax gar um bis zu 15,8 Prozent zurück Richtung November-Zwischentief. Beim Finanzdienstleister ist die Nachfrage nach Immobilienkrediten im vierten Quartal nach einem bis dahin starken Jahr leicht zurückgegangen. Derweil schafften Salzgitter hauchdünn einen neuerlichen Höchststand seit dem Jahr 2018. Das Investmenthaus Oddo BHF änderte seine Meinung komplett und sprach nach bisheriger Skepsis eine Empfehlung aus.
Gold knackt nächste runde Marke
Der Kurs des Euro machte weiter Boden wett. Wie bereits zu Beginn der Handelswoche profitierte die Gemeinschaftswährung von einer Schwäche des US-Dollars. Am Morgen stieg der Euro knapp über 1,17 Dollar und wurden damit etwa einen halben Cent höher gehandelt als am Vorabend.
Am Morgen stand der Dollar im Handel mit fast allen anderen wichtigen Währungen unter Druck. Nach Einschätzung von Analysten der Dekabank belasten geopolitische Spannungen rund um den Grönland-Streit den Dollar. Sie sprachen von "Sell-America-Trades", die derzeit zu beobachten seien. Eine weitere Eskalation des Grönland-Konflikts würde dem Euro neuen Auftrieb verleihen, heißt es in der Analyse.
Gold kannte unterdessen kein Halten und übersprang mühelos die nächste runde Marke bei 4.700 Dollar. Im Handelsverlauf erreichte der Unzenpreis eine Bestmarke bei 4.751 Dollar. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt legte der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) rund 1,5 Prozent auf 4.734 Dollar zu. In Euro fiel der Zuwachs etwas schwächer aus.
Silber legte ebenfalls zu und erreichte im Handelsverlauf ein Rekordhoch bei 95,87 US-Dollar, gab die Gewinne am Dienstagnachmittag wieder ab. Beide Edelmetalle haben bereits ein starkes Börsenjahr mit enormen Zuwächsen hinter sich, profitieren aktuell aber von der geopolitischen Unsicherheit um Grönland und sind als "sicherer Hafen" gefragt.
(mit Material von dpa-AFX)



