Bei Gold heißt es jetzt: Ruhe bewahren
Der Goldpreis steigt am Montag erst deutlich an, stürzt dann zweistellig ab und erholt sich erstmal wieder. Angesichts dieser Verwerfungen ist Ruhe das Gebot der Stunde. Später können sich die Turbulenzen noch als nützlich erweisen.
Georg Buschmann

Das sieht man selten: Der Goldpreis in Dollar stieg heute Nacht im frühen Handel nahe an die Marke von 4.900 Dollar je Unze – nur um dann dramatisch um fast 500 Dollar oder mehr als zehn Prozent auf 4.402 Dollar abzuschmieren. Doch wer dachte, damit sei der Handelstag beim Gold schon spektakulär genug, sah sich getäuscht. Denn anschließend drehte der Preis erneut und erreichte am frühen Nachmittag auf Sicht eines Tages ein kleines Plus bei 4.770 Dollar.
Es sind Preisbewegungen, die für Gold extrem untypisch sind und die ich in den nun elf Jahren, die ich mich beruflich mit dem Kapitalmarkt befasse, noch nie erlebt habe. Wo der Preis heute Abend steht? Es lässt sich nicht seriös eingrenzen. Deswegen hat es jetzt auch keinen Zweck, sich in die eine oder andere Richtung zu positionieren. In wenigen Stunden kann die Welt beim Goldpreis schon wieder ganz anders aussehen als aktuell.
Die Rally bei Edelmetallen hatte in den ersten Tagen und Wochen des Jahres 2026 immer größere Ausmaße angenommen. Dass es angesichts der immer größeren Preissprünge nach oben irgendwann zu einem auch mal größeren Rücksetzer kommen würde, war daher erwartbar und ist auch gesund.
Einen solchen Rücksetzer samt heftiger Schwankungen im Kurs erleben wir derzeit – mit ausgelöst durch die Ernennung von Kevin Warsh als neuem Chef der amerikanischen Notenbank Fed. Von ihm wird erwartet, dass er die Zinsen doch nicht so stark senkt wie erwartet; ein Belastungsfaktor für Gold, das damit relativ zu verzinsten Anlagen unattraktiver wird. Aber klar ist auch: Die Nachricht mag der Anlass gewesen sein. Die Ursache der aktuellen Turbulenzen war die krasse Goldpreis-Rally in den Wochen zuvor.
Der Nutzen von Gold bleibt der Gleiche
Wenn sich die Schwankungen legen, werden wieder handfeste Argumente in den Fokus rücken. Gold bleibt danach, da wage ich mich vor, ein interessanter Portfolio-Baustein. Denn das Edelmetall profitiert vom Vertrauensverlust von Investoren in den US-Dollar ebenso wie von den heftigen Verwerfungen in der Geopolitik, die Anleger nach sicheren Anlagen suchen lassen.
Die Unsicherheit als Treiber des Goldpreises ist weiterhin da und wird Bedarf für Gold schaffen, um Portfolios gegen Kursverluste bei anderen Anlageklassen abzusichern. Und wenn in den kommenden Wochen der Preis konsolidiert, wird man das Edelmetall vielleicht auch mal wieder zu vernünftigen Preisen ins Depot holen können. Die aktuellen Turbulenzen hätten dann durchaus etwas Gutes bewirkt.





