6,7 Prozent Wochenminus: Iran-Krieg belastet Dax weiter deutlich

Der Dax hat eine tiefrote Woche mit weiteren Verlusten beendet. Allerdings setzte sich der Index zum Handelsschluss zumindest ein wenig von seinem Tagestief ab. Erneut belasteten der Konflikt zwischen den USA und Israel auf der einen Seite und dem Iran auf der anderen Seite die Kurse. Die Ölpreise stiegen abermals auf mehrjährige Höchststände.
Letztlich verlor der Dax 0,94 Prozent auf 23.591 Punkte. Auf Wochensicht verlor er 6,7 Prozent, so viel wie seit dem Zoll-Chaos im vergangenen April nicht mehr. Der MDax der mittelgroßen Werte sank um 0,69 Prozent auf 29.482 Zähler ab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 1,1 Prozent.
Irans Kampfkraft ist zwar nach US-Einschätzung erheblich geschwächt - dennoch weitet Teheran den Krieg im gesamten Nahen Osten weiter aus. Zuletzt sorgte der wieder deutliche Anstieg der Ölpreise für Verunsicherung, nachdem der Golfstaat Katar vor schwerwiegenden Folgen des Kriegs im Nahen Osten für Lieferungen von Energierohstoffen aus der Region gewarnt hatte. Die daraus resultierenden Inflationsrisiken wurden am Nachmittag durch insgesamt schwache monatliche Arbeitsmarktdaten etwas relativiert.
"Der Angriff auf den Iran ist angesichts der Dimension des Militäreinsatzes und der generell fragilen Lage im Nahen Osten mit Risiken verbunden. Aus ökonomischer Sicht lauten diese Risiken, dass die Ölförderanlagen in der Region durch den Iran systematisch zerstört werden und dass der Transportweg durch die Straße von Hormus absehbar für lange Zeit geschlossen bleibt", schrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.
Beide Risiken haben sich dem Experten zufolge in den ersten Tagen seit den ersten Luftangriffen nicht materialisiert. Wenn die Deutung richtig sei, dass der Iran und seine Helfer in der Region zu einer umfassenden Aktion nicht in der Lage sind, dann blieben die Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte und die Finanzmärkte weiter relativ moderat.
Infineon rutschen nach Abstufung ans Dax-Ende
In dem aktuellen Umfeld erholten sich Aktien aus dem Rüstungssektor von ihrer jüngsten Talfahrt. Die Aussicht auf noch lange andauernde geopolitische Konflikte nährt nun doch wieder das Interesse der Anleger an Werten wie Rheinmetall, die gut drei Prozent gewannen.
Unter den weiteren Einzeltiteln sorgen unter anderem Analystenkommentare für Bewegung. So sackten die Aktien von Infineon nach einer aufgegebenen Kaufempfehlung der Bank UBS um sieben Prozent ab und waren damit das klare Schlusslicht im Dax. Analyst Francois-Xavier Bouvignies bleibt mittelfristig zwar optimistisch für den Chipkonzern, sieht zunächst aber Risiken, die das Kurspotenzial einschränken sollten. So lasse das KI-Umsatzziel bis 2027 nur wenig Luft nach oben.
Die Papiere von DHL stabilisierten sich nach Vortagesverlusten. Dank gleich mehrerer positiver Analystenkommentare zogen die Aktien zeitweise um gut zwei Prozent an, notierten zum Handelsschluss aber nur noch 0,3 Prozent höher. Die Verwerfungen in den Frachtmärkten durch den Iran-Krieg kämen dem Logistik-Konzern mit seinem großen, flexiblen Netzwerk zupass, schrieb etwa die Expertin Muneeba Kayani von der US-Investmentbank Bank of America. Am Donnerstag hatte der von geopolitischer Unsicherheit geprägte Ausblick die Anleger verschreckt.
Als klares Schlusslicht im MDax brachen die Anteilsscheine von Lanxess am Freitag um fast 17 Prozent ein. Das vorläufige Scheitern des Verkaufs der restlichen Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Envalior hatte bei den Aktionären einmal mehr Sorgen in puncto Finanzierung des Spezialchemiekonzerns geweckt.
Euro schwächelt weiter, Gold legt etwas zu
Der Euro gab weiter nach. Belastet wird der Euro vor allem durch die Preisanstiege bei Ol und Gas in Folge des Iran-Kriegs. Am Nachmittag sank der Kurs der Gemeinschaftswährung auf 1,1570 Dollar. Am Morgen hatte sie noch über 1,16 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1561 (Donnerstag: 1,1618) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8649 (0,8607) Euro.
Der Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran am vergangenen Wochenende hatte insbesondere zum Wochenbeginn die Nachfrage nach dem Dollar als Krisenwährung verstärkt. So hatte der Euro am vergangenen Freitag noch zeitweise über 1,18 Dollar notiert.
Nach oben ging es für die Krisenwährung Gold. Der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) legte am Freitagabend um 1,1 Prozent auf 5.142 Dollar zu. In Euro gerechnet verteuerte sich Gold in ähnlicher Höhe. Auf Wochensicht notiert Gold indes im Minus. Nach einem steilen Anstieg direkt nach den ersten Attacken auf den Iran waren die Anleger auch aus Edelmetallen geflüchtet, die sonst eher als "sicherer Hafen" in unruhigen Börsenphasen gelten. In den Tagen danach setzte eine Stabilisierung ein.
(mit Material von dpa-AFX)





