Alexander Mayer

Seit dem Beginn des Iran-Kriegs hat eine erhöhte Volatilität an der Börse Einzug gehalten. Die Aktienmärkte stehen aufgrund wachsender Sorgen vor einem anhaltenden Ölpreisschock unter Druck. Langfristig höhere Ölpreise steigern die Gefahr einer wieder anziehenden Inflation, da die Preise in sämtlichen Wirtschaftssegmenten direkt und indirekt durch den Ölpreis beeinflusst werden.
Transport, Energie und Produktion werden teurer. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Rezessionsgefahr, wenn die Ölversorgung großer Teile des globalen Marktes durch eine längere Blockade der Straße von Hormus nachhaltig gestört wird. Im Schlimmsten Fall droht ein Lieferkettenkollaps, da Öl als Grundbaustein des Welthandels funktioniert.
Nicht nur Aktien stehen unter Druck, auch Anleihen geben nach. Die Zinsen der zweijährigen US-Staatsanleihen sind seit dem Ausbruch des Konflikts in der Spitze um über zehn Prozent angezogen und notieren derzeit wieder nahe der Marke von 3,8 Prozent.
Gold als vermeintlich sicherer Hafen profitiert derzeit nicht von der wachsenden geopolitischen Unsicherheit. Seit dem 2. März hat das Edelmetall gut sechs Prozent eingebüßt. Den Raum des sicheren Hafens nimmt derzeit wieder vermehrt der US-Dollar ein. Der Dollar-Kurs-Index befindet sich seit seinem Mehrjahrestief bei 95 Punkten wieder in einem Aufwärtstrend, der sich seit dem Ausbruch des Krieges beschleunigt hat und den Greenback aktuell wieder über die runde Marke von 100 Punkten hebt.
Bitcoin-Preis trotzt Ölpreisschock
Historisch gesehen hat der Kurs von Bitcoin in volatilen Marktphasen eher die Dynamik eines Risiko-Assets gezeigt und ist im Einklang mit den Aktienmärkten unter Druck geraten, wenn geopolitische Unsicherheiten die Börsen in Atem halten. Seit Bitcoins Aufstieg zu einem Makro-Asset in diesem Zyklus, welches an den übergeordneten Märkten auch für institutionelle Investoren eine größere Rolle spielt, hat sich diese Dynamik jedoch teilweise verändert. So hat sich Bitcoin beispielsweise im Zuge der Mini-Bankenkrise im März 2023 in den USA überraschend stark gezeigt, während der restliche Markt geschwächelt hat.
Auch aktuell lässt der Bitcoin-Kurs sich bisher nicht von den Markt-Turbulenzen beeindrucken und weist seit dem Beginn des Konflikts eine deutlich positive Rendite auf.
Der Kurs konnte zum Ende der Woche die Marke von 72.000 Dollar überschreiten und den 50-Tage-Trend in einem ersten Versuch zurückerobern. Damit läuft aktuell der zweite Versuch seit Beginn des Monats, den charttechnischen Widerstand um die Marke von 73.000 Dollar anzugreifen, der Anfang Februar eingebüßt wurde.
Warum bewegt sich Bitcoin derzeit konträr zum Gesamtmarkt?
Ein Grund kann in der starken Minder-Rendite von Bitcoin seit Oktober 2025 liegen, während der Gesamtmarkt weiterhin stark gelaufen ist. Vor allem gegenüber Gold weißt Bitcoin seit Monaten eine äußerst schwache Entwicklung auf, obwohl beide Assets langfristig eine recht deutliche Korrelation aufweisen – wenn auch mit einiger zeitlicher Verzögerung. Viele Marktexperten sehen daher auch aktuell Nachholpotenzial für Bitcoin, da Gold bereits vieles eingepreist hat.
Beide Assets reagieren grundsätzlich am stärksten auf geldpolitische und liquiditätsbedingte Entwicklungen des Marktes. Im Gold-Preis ist in den letzten zwei Jahren eine Menge Unsicherheit und ein größer werdender Vertrauensverlust in die Stabilität des amerikanischen Finanzsystems eingepreist worden. Der aktuelle Gold-Kurs kann als Misstrauensvotum gegen die Fiskalpolitik der Regierung bewertet werden.
Notenbank-Liquidität bleibt für Bitcoin am wichtigsten
Bei Bitcoin liegt der Fokus verstärkt auf der tatsächlichen Liquiditätsentwicklung. Diese hat zu Anfang des aktuellen Liquiditätszyklus, der seit Anfang 2023 läuft, für eine Menge Rückenwind bei Bitcoin gesorgt – in Kombination mit einer sehr positiven regulatorischen Entwicklung in den USA.
Bereits während der Corona-Krise erzeugte Liquidität, die durch einen Kurswechsel der Fiskalpolitik der Regierung im Jahr 2023 freigesetzt wurde, war diesbezüglich der hauptsächliche Treiber. In den vergangenen Monaten hat Bitcoin jedoch ein schwächeres Liquiditätsumfeld widergespiegelt. Bedingt war das durch den zeitweiligen Lockdown der US-Regierung und dadurch weggefallene Staatsausgaben, sowie eine verzögerte geldpolitische Agenda der Fed, während die vorhandenen Liquiditätstöpfe zur Neige gegangen sind.
Der Iran-Konflikt lässt die Erwartungshaltung an eine extremere geldpolitische Lockerung in den USA nun jedoch wieder wachsen. Der steigende Ölpreis ist zwar ein potenzieller Treiber für die Inflation. Doch die Rezessionsgefahr steigt durch die verschiedenen Wechselwirkungen im Zuge einer Ölknappheit ebenfalls deutlich.
Das wiederum macht weitere Maßnahmen in Form von Rettungs- und Konjunkturpakten wahrscheinlicher, da die ohnehin unter Druck stehende amerikanische Mittelschicht besonders durch steigende Benzinpreise zusätzlich belastet wird. Dies wiederum stellt mögliche weitere Liquiditätsengpässe im Finanzsystem in Aussicht, da die ohnehin angespannte Lage im privaten Kreditmarkt durch ausfallende Auto-, Kreditkarten- oder Immobilienkredite sich weiter verschlechtert.
Hinzu kommen durch einen möglicherweise länger als geplant dauernden Krieg zusätzliche Staatsausgaben, die die sich ohnehin immer weiter zuspitzende Schuldenkrise der US-Regierung weiter forciert. All diese Faktoren machen die Notwendigkeit einer geldpolitischen Intervention der Federal Reserve wahrscheinlicher. Eine zunehmende Positionierung in Bitcoin könnte genau diese Erwartungshaltung widerspiegeln, da Bitcoin in der Vergangenheit besonders extrem auf eine künstliche Liquiditätszufuhr in die Märkte reagiert hat.
Wie wahrscheinlich ist ein Ende des übergeordneten Abwärtstrends?
Es ist noch deutlich zu früh, um von einem nachhaltigen Trendwechsel bei Bitcoin zu sprechen, da sich der Kurs strukturell weiterhin klar in einem Bärenmarkt befindet. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über den charttechnischen Widerstand im Bereich von 73.000 bis 76.000 Dollar würde die Chance auf einen echten Trendwechsel auf ein realistisches Maß erhöhen.
Der Iran-Krieg bleibt eine große Variable, da aktuell schwer abzuschätzen ist, wie lange dieser Konflikt dauern wird. Dementsprechend sind auch die wirtschaftlichen Schäden schwer abzuschätzen. Die Ölversorgung bleibt hier der Schlüssel, da ein längerer Engpass die Gefahr einer Rezession, aber auch von Liquiditätsproblemen durch Kreditausfälle an den Märkten signifikant erhöht, während eine kurzfristige Blockade von den Weltmärkten wahrscheinlich noch abgefedert werden könnte.
Denke langfristig!
Braut sich im Bitcoin-Markt ein Angebotsschock zusammen? Welche Faktoren dafür sprechen und wie die aktuelle Marktlage aussieht, erfährst du in der aktuellen Analyse auf decentralist.







