Devisenmärkte: Peking dreht an den Schrauben, um eine zu starke Aufwertung des Yuan zu verhindern – kann das gelingen?

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Die chinesische Währung Yuan, oder auch Renminbi genannt, hat im heutigen Handel gegenüber dem US-Dollar mit 0,79 Prozent Minus deutlich nachgegeben, nachdem sie in den vergangenen fünf Handelstagen um mehr als 1,5 Prozent geklettert war.

Devisenmärkte: Peking dreht an den Schrauben, um eine zu starke Aufwertung des Yuan zu verhindern – kann das gelingen?

Der Grund dafür dürfte sein, dass die chinesische Notenbank erste Schritte gegen die deutliche Aufwertung des Yuan unternommen hat. Wie die People’s Bank of China am Wochenende in Peking mitteilte, müssen Banken für bestimmte Fremdwährungsgeschäfte keine Sicherungseinlage mehr leisten.

Feuer frei für Spekulationen auf Yuan-Abwertung

Die jetzt gestrichene Regelung wurde erstmals im Herbst 2015 nach einer starken Abwertung der Yuan eingeführt. Sie sollte damals weitere Kursverluste verhindern. Im Grunde stellt die Regelung eine Gebühr für Spekulationen auf eine Yuan-Abwertung dar. Da die Gebühr jetzt auf null reduziert wurde, werden Fremdwährungsgeschäfte günstiger, was die Nachfrage nach Devisen stützen und den Yuan-Kurs schwächen könnte.

Der Yuan oder Renminbi, wie Chinas Währung auch heißt, hat in den vergangenen Monaten gegenüber dem US-Dollar deutlich aufgewertet. Seit Mai sind es ganze 6,6 Prozent gewesen, eine für eine Währung starke Kursbewegung. Beobachter führen die Entwicklung zum einen auf eine Yuan-Stärke zurück, begünstigt nicht zuletzt durch die konjunkturelle Erholung Chinas nach dem Absturz infolge der Corona-Pandemie. Zum anderen erfährt der Yuan Rückenwind durch den bis zuletzt schwächeren US-Dollar. Ein Grund hierfür liegt in der extrem lockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed.

Ein weiterer Punkt ist, dass die USA aufgrund der Krise in den Bereich der Niedrig- bis Nullzinsen angekommen sind und dies auf absehbare Zeit nicht ändern werden, da die amerikanische Wirtschaft weiterhin massiv unter Druck steht. Die chinesische Wirtschaft hingegen erholt sich laut offiziellen Daten recht gut und die chinesische Regierung hat einen Großteil der Zinsänderungen wieder rückgängig gemacht, was bedeuten könnte, dass chinesische Staatsanleihen gegenüber amerikanischen attraktiver werden – und damit weitere Nachfrage nach dem Yuan ausgelöst wird. Dies kann durch die jetzige Änderung bei den Devisengeschäften ausgeglichen werden und eine zu starke Aufwertung verhindern.

Peking agiert mit Samthandschuhen

Bankanalysten werteten den Eingriff der chinesischen Notenbank als moderaten Schritt. Weder wolle die Zentralbank der Yuan-Aufwertung tatenlos zusehen, noch wolle sie das Risiko in Kauf nehmen, mit einem entschiedenen Schritt heftige Kursreaktionen zu provozieren, hieß es.

Commerzbank-Experte Hao Zhou sprach von einem „antizyklischen Schritt“ der chinesischen Behörden. Die Notenbank trete damit einem aus ihrer Sicht zu beobachtenden „Herdenverhalten“ auf dem Devisenmarkt entgegen. Die Aufwertung des Yuan solle damit zumindest verlangsamt werden.

Für China ist der Yuan-Kurs eine zweischneidige Angelegenheit. Ein zu starker Yuan verteuert die Waren Chinas aus Sicht anderer Länder und kratzt damit an der Exportstärke des Landes. Wertet der Yuan hingegen zu deutlich ab, droht neuer Ärger mit den USA. Die US-Regierung wirft der Volksrepublik seit längerem vor, den Yuan seinen Marktkräften zu entziehen und künstlich zu schwächen, um die eigenen Exportchancen zu erhöhen.

onvista-Redaktion/dpa-AFX

Titelfoto: Dilok Klaisataporn / Shutterstock.com

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