Kutzers Zwischenruf: Die Prognose-Welle 2021 rollt: Dax peilt 14.000 Punkte an

Hermann Kutzer

Folgt man unseren und internationalen Strategen, dann können sich die Anleger nach dem Corona-Krisenjahr auf 2021 freuen. Voraussetzung ist allerdings, dass es dank Impfstoffen und Medikamenten bald gelingt, die Virus-Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Das kommende Jahr verspricht bei positiven Vorzeichen tatsächlich ein Jahr des Aufatmens und der Erholung zu werden. Mutige Investoren mit globaler Orientierung befällt dann wahrscheinlich die Qual der Wahl, weil sich viele unterschiedliche Alternativen auftun. Neue historische Höchststände sollten an der Wall Street ebenso wie in Frankfurt am Main erklommen werden.

Die Prognose-Welle rollt in diesen Tagen kann. So wie es bisher aussieht (für eine Zwischenbilanz ist es noch zu früh), gehen die Meinungen zu Wirtschaft und Börse nicht besonders weit auseinander. Highlights bleiben Aktien, empfohlen werden zudem ausgesuchte Schwellenländer-Bonds, Wandel- und Industrieanleihen. Nachhaltigkeit bleibt ein ganz großes Thema. Neue Technologien und Gesundheit stehen ebenso im Fokus. Asien mit dem Schwerpunkt China rückt immer weiter in den Vordergrund - erst recht nach dem Abschluss des pazifischen Handelsverbunds (es ist die weltgrößte Freihandelszone!). Täglich gibt es neue Nachrichten, die den Westen nur neidisch machen können. So ist jetzt die Wachstumsprognose für China gemessen am CEP-Indikator auf einen neuen Rekordwert geklettert!

Zeitgleich haben die Analysten von Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Jahresprognose vorgelegt - sie sind diesmal nahezu deckungsgleich. Das Helaba Research tut dies traditionell durch drei unterschiedliche Szenarien mit jeweils typischen Namen. Diesmal gehen die Landesbanker in ihrem Kapitalmarktausblick der Frage nach, wer uns in die Zukunft führen dürfte. Tituliert werden die Ergebnisse mit Charakteren, die wegweisend sein können: Das Hauptszenario trägt den Titel „Mit der Nanny durch die Krise“. Einflussreich könnten aber auch der „Poltergeist“ (negatives Alternativszenario) und der „Avatar“ (positives Alternativszenario) sein.

Im Hauptszenario wird unter anderem von folgenden Zahlen ausgegangen: Das Wirtschaftswachstum in Deutschland und in der Eurozone fällt 2021 als Gegenbewegung auf die tiefe Rezession mit 5 % und mehr als 6 % sehr stark aus. Die US-Wirtschaft expandiert mit fast 4 %. Der Preisauftrieb beschleunigt sich - nicht zuletzt dank des im Jahresverlauf kräftig steigenden Ölpreises. Die Inflation in der Eurozone bleibt jedoch mit 1,4 % unter dem Zielwert der EZB. 10-jährige Bundesanleihen werden bis Jahresende 2021 mit -0,2 % den negativen Renditebereich nicht verlassen. Aktienanleger haben im Zuge der Corona- Pandemie 2020 ein Jahr extremer Kursschwankungen durchlebt. Auch 2021 werden sich Aktien im Spannungsfeld zwischen hoher Bewertung und dem Mangel an Anlagealternativen bewegen. Mit Blick auf die zu erwartenden medizinischen Fortschritte und eine damit einhergehende dynamische Konjunkturerholung versprechen Aktien im kommenden Jahr unter den Anlageklassikern am besten zu laufen. Helaba-Prognose: Gegen Jahresende dürfte der Dax um 14.000 Punkte notieren.

Auch das DZ Bank Research rechnet mit einem „Post-Corona-Boom“ in der zweiten Jahreshälfte. Die Welt befreit sich 2021 allmählich aus den Fesseln der Virus-Pandemie. Für das kommende Jahr erwarten die genossenschaftlichen Analysten eine kräftige Erholung der Weltwirtschaft und prognostiziert ein Wachstum von 5 Prozent. Der angekündigte Impfstoff und die Wahl des neuen US-Präsidenten Joe Biden beflügeln die Märkte. Die DZ-Strategen gehen ebenfalls davon aus, dass der Dax bis Ende 2021 auf 14.000 Punkte steigt - die Rekordjagd kann im Post-Corona-Boom somit neu beginnen. Auch die weiterhin ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken treibt die Indizes in die Höhe.

Die nächsten Wochen müssen zeigen, ob es bei derartigem Optimismus bleibt. Ich selbst (unverändert ein langfristiger Bulle) gebe zunächst noch nicht die Betonung der Vorsicht auf - zu eng ist der Zusammenhang zwischen Corona- und Wirtschaftsentwicklung! Gewiss, wir werden auch diese Krise, die vieles in der Welt verändern wird, überwinden. Und die Börse wird versuchen, es vorweg zu nehmen (sie ist ja schon dabei). Doch bleibt die Frage nach der Zeit - wird tatsächlich schon 2021 das Jahr des steilen Aufschwungs?

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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