Kutzers Zwischenruf: Strategische Metalle können das Portfolio gerade in kritischen Zeiten bereichern

Hermann Kutzer

Das hat uns gerade noch gefehlt! Kriegsgefahr im Nahen Osten. Als hätte die Welt (und die Weltwirtschaft) nicht schon genug Sorgen. Mit Donald Trump und „America first“ ist Wichtiges noch unberechenbarer geworden. Was sind jetzt die Prognosen zu den Konjunktur- und Börsenperspektiven für 2020 noch wert? Beantworten Sie diese Frage für sich selbst, geschätzte Anleger, und ziehen Sie daraus gegebenenfalls Konsequenzen für Ihre persönliche Strategie und Taktik!

Eine logische kurzfristige Entscheidung könnte lauten, bis auf weiteres einfach nichts zu tun. Eine empfehlenswerte Alternative: Weiter investieren, aber nur in physisches Gold als klassisches Krisenmetall. Was immer Sie erwägen, Sie sollten nicht nur über Anlageklassen und deren Mischung nachdenken, sondern auch Transparenz und Beweglichkeit der Produkte einbeziehen - gerade unter dem Aspekt der möglichen politischen Einflüsse. Beispiel Edelmetall. Bei meinem Favoriten rate ich schon seit langem, die Münzen und Barren nicht in Banktresoren zu deponieren, sondern besser privat zu verwahren (eventuell sicher zu verstecken). Der Grund: Ein Verbot von privatem Goldbesitz ist zwar bei uns sehr unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen.

Bei größeren Vermögen macht es auch Sinn, diese in mobile und immobile Anlageformen aufzuteilen. Wer etwa alles in Haus und Grund steckt, verliert an Anlageflexibilität (so attraktiv Immobilien auch sein mögen). Diese Beweglichkeit und Preisklarheit liefern Wertpapiere, wobei hier durchaus heftige Kursschwankungen in Kauf zu nehmen sind. Aktuell kann bei Mobilien wie bei Immobilien die Attraktivität auch durch staatliche Steuerpläne (wenn sie denn kommen) getrübt werden.

Von der Industrie äußerst begehrt, von privaten Investoren aber noch stark vernachlässigt sind Strategische Metalle und Seltene Erden, die eine sinnvolle Portfolioergänzung darstellen können. Kennen Sie Dysprosium, Gallium, Germanium, Hafnium, Indium, Neodym, Praseodym, Rhenium, Tellur oder Terbium? Der technische Fortschritt schreitet weiter mit Riesenschritten voran. Elektromobilität, Erneuerbare Energien, schnelles Internet mit Glasfaser: Alle diese Zukunftstechnologien profitieren von Strategischen Metallen. Beispiele: Für den 5G-Ausbau werden gewaltige Mengen Gallium und Germanium benötigt. Nur mit Hafnium, Rhenium und Praseodym lassen sich Turbinen bauen, die modernen Anforderungen genügen. Gallium spielt eine zentrale Rolle in innovativen Mikro-LED. Und: Jeder fünfte industrielle Einkäufer erwartet Engpässe bei Seltenen Erden. Laut einer Umfrage des Handelsblatts stehen Seltene Erden ganz oben auf der Liste der Rohstoffe, für die in den kommenden Jahren ein Engpass erwartet wird.

Leider gibt es für Strategische Metalle keine börsliche Handelbarkeit und demgemäß auch keine mit Aktien vergleichbare Preistransparenz. Das ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Deshalb bieten sich solche Spezialitäten dem Privatanleger auch nicht als Kerninvestment an. Er benötigt jedenfalls fachmännischen Rat durch Anbieter, die seit Jahren zwischen den (vorwiegend chinesischen) Produzenten und den industriellen Verbrauchern vermitteln. Der Marktführer ist hierzulande die in Frankfurt ansässige Tradium GmbH.

Strategische Metalle und Seltene Erden sind keine homogene Produktgruppe, weil sich deren Preise je nach der Angebots-/Nachfragesituation ganz unterschiedlich entwickeln können, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Meine Einschätzung: Sie sind als längerfristige Investments besonders interessant für Rohstoff-Fans und als Ergänzung zu den Edelmetallen im Portfolio.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Das könnte Sie auch interessieren
Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

KUTZER LIVE-TV

Kurs zu Rhenium Rohstoff

  • 1.290,00 USD
  • 0,00%
03.04.2020, 15:38, OTC Data Services

Weitere Werte aus dem Artikel

Goldpreis 1.617,05 USD+0,31%
Hang Seng 23.176,99 Pkt.-0,20%
Alle Kolumnen von Hermann Kutzer
alle Artikel anzeigen

Derivate-Wissen

Mit Kapitalschutz in Rohstoffe investieren?

Mit Garantiezertifikaten können Sie mit geringem Risiko in Rohstoffe investieren.

Erfahren Sie mehr zu Garantie-Zertifikaten