Kutzers Zwischenruf: Wie man sinnvoll Geld schenkt – oder sich schnell noch beschafft

Hermann Kutzer

Mit „pekuniären Geschenk-Ideen für die Lockdown-Weihnacht“ beschäftigt sich nebenbei sogar Morningstar, die internationale Analyse- und Ratinggesellschaft. Deren Vorschläge greife ich gerne auf. Denn zwischen den Generationen sind Finanzgeschenke weit verbreitet. Bei Teenagern sind sie oft der Renner. Aber es muss nicht immer Bargeld sein. Es gibt zwei Alternativen von unterschiedlicher Wertigkeit.

Weihnachten ist ein Fest, bei dem es meistens um zusätzlichen Konsum geht: Geld ausgeben, um glücklich zu sein. Die besten Geschenke müssen nicht teuer sein; der Schlüssel ist, dass sie sowohl offensichtlich nützlich als auch von höherer Qualität sind, als wenn man sie wählen würde. Schenken Sie zum Beispiel einen hochwertigen First Flush Darjeeling an jemanden, der normalerweise günstige Teebeutel verwendet. Pekuniäre Geschenke werden oft als Widerspruch zur Weihnachtsidee angesehen. Das kann, muss aber nicht sein, wie der Blick auf drei unterschiedliche Geld-Geschenke zeigt:

Bargeld ist ein sehr beliebtes Geschenk, vor allem bei jüngeren Menschen, da es sofort zur Erfüllung von Konsumwünschen verwendet werden kann. Wissenschaftliche Studien wollen ergeben haben, dass Weihnachtsgeschenke im Durchschnitt vom Empfänger als weniger hochwertig bewertet werden als sie den Käufer gekostet haben. Unter diesem Gesichtspunkt wird Bargeld eher geschätzt als ein dickes Päckchen. Eine Spannung erzeugende Alternative wäre ein ausgefüllter Lottoschein. Der wäre allerdings nichts mehr als ein Gimmick, könnte als pures Verlegenheitsgeschenk angesehen werden - vermutlich nicht einmal zu Unrecht. Eine pfiffige, leider sehr wenig gewählte Alternative für ein pekuniäres Geschenk wäre, Fondsanteile oder ETFs zu verschenken. Das hätte gleich mehrere Vorteile: Damit könnte auch eine kleine Summe zu einem Vermögen anwachsen, sofern man den richtigen Fonds auswählt und/oder lange genug wartet. Also gibt es viel bessere Gewinnchancen als mit einer Lotterie. Der Einstieg in die Investmentwelt kann auch dazu beitragen, bei Kindern ein Interesse daran zu entwickeln, wie die Wirtschaft funktioniert.

Als Ergänzung will ich zum wiederholten Mal auf Gold hinweisen, denn Edelmetall in Form von Münzen, Barren oder natürlich als Schmuck zu schenken, liegt nahe. Was aber, wenn jemand gerade jetzt (möglicherweise als Folge der Krise) dringend - und rasch - Geld braucht? Die Idee: Gold verpfänden als bessere Alternative zum Verkauf. Daran erinnert der Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZdP). Potenzielle Goldverkäufer sollten zweierlei bedenken: Erstens bekommen sie bei einem Goldhändler nicht unbedingt immer einen angemessenen Preis. Und zweitens ist das Gold damit unwiederbringlich weg. Eine bessere und transparentere Alternative kann es deshalb sein, das edle Metall zum Pfandleiher zu bringen. Gold

oder Goldschmuck zählen zu jenen Gegenständen, mit denen Kunden mit am häufigsten zum Pfandhaus kommen. Pfandleiher haben kein Interesse daran, einen möglichst niedrigeren Goldwert festzulegen, da ihr Verdienst von der Höhe des Darlehens abhängt. Wichtig: Der Pfandkreditnehmer kann das Darlehen innerhalb der gesetzlich geregelten Frist von drei Monaten zuzüglich eines weiteren Karenzmonats jederzeit zurückzahlen und den verpfändeten Gegenstand auslösen. Das ist zu etwa 90 Prozent der Fall.

In meinen Augen wäre es ohnedies ein Fehler, Gold (aus welchen Gründen auch immer) zu verkaufen. Denn ich betrachte es ungeachtet seiner kurzfristigen Preisentwicklung als das bessere Geld, als langfristige, dauerhafte Sicherheitskomponente im Portfolio. Deshalb physisches Gold kaufen oder Goldsparpläne beginnen - Gold verkaufen? Nein. Aber Achtung! Wer zu einem Pfandhaus gehen möchte, muss in diesen Tagen vorher abklären, ob es überhaupt geöffnet hat (Lockdown)!

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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04.03.2021, 22:59, Deutsche Bank Indikation
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