Nvidia: Neue Super-Grafikkarte, Klage wegen irreführender Umsatzangaben und ein Blick auf die Korrelation mit Krypto-Mining – So steht es um die Aktie

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Nvidia: Neue Super-Grafikkarte, Klage wegen irreführender Umsatzangaben und ein Blick auf die Korrelation mit Krypto-Mining – So steht es um die Aktie

Im Zuge des Corona-Crashs im März mussten auch die Papiere des Hardware-Herstellers Nvidia herbe Verluste von gut 36 Prozent verkraften. Von 308 Dollar ging es runter bis auf 196 Dollar. Was danach passiert ist, war jedoch umso beeindruckender: In der anschließenden Erholungsbewegung ging es rauf bis auf einen neues Allzeithoch von über 350 Dollar, das ist ein Plus vom Tief von fast 80 Prozent.

Langfristig sah es ohnehin wieder ganz gut aus für die Aktie. Der tiefe Fall, der sich im vierten Quartal 2018 vollzogen hatte, war bereits kurz vor der Corona-Krise ausgemerzt und zum jetzigen Zeitpunkt mit dem neuen Hoch umso mehr.

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Wie ist die derzeitige Lage?

Nvidia hat in diesem Monat eine neue Art von GPU-Hardware vorgestellt, die technologisch ganz vorne mitlaufen dürfte. Grafikchips der neuen „Ampere“-Technologie sollen Hoch-Performance-lastige und auch hochpreisige Hardware werden, die an Business-Kunden gerichtet sind. Mit einem Gewicht von 25 KG, einem Stromverbrauch von 5,6 Kilowatt und einem Preis von 200.000 Dollar ist dieses Gerät auch definitiv nichts für Privatkunden, auch wenn das Gaming damit locker von der Hand gehen sollte.

Die Anwendungsfelder klingen dabei nach Frontaufgaben in den zukunftsträchtigen Bereichen: Die Hardware soll bestens geeignet sein für Daten-Analysen in großem Stil, Sientific Computing (beispielsweise im medizinischen Bereich), sowie Cloud-Anwendungen, autonomen Fahren, Spracherkennung, Robotik, Smart City, 5G und vieles mehr.

Nvidia ist einer der wichtigsten Player im Bereich Computer-Chips, die in der Lage sind, extrem viele Ausführungen, bzw. Berechnungen gleichzeitig auszuführen und mit der neuen Generation an Chips dürfte sich das vorerst nicht ändern. Laut CEO Jensen Huang soll die Leistung der neuen Chips in einigen Bereichen bis zu 20-fach schneller sein als die Vorgänger-Generation.

Gaming macht immer noch rund 50 Prozent der Umsätze von Nvidia aus, doch die Anwendungen für die Grafikkarten werden wie beschrieben immer vielfältiger. Dadurch ergeben sich für die hergestellten Produkte des Unternehmens große Synergieeffekte. Laut Huang  dürfte die große Überschneidung der Architektur und die dadurch möglichen vielen Anwendungen auch die Marge in Zukunft weiter beflügeln. Auch aktuell im Zuge der Coronavirus-Pandemie werden beispielsweise auch Nvidia-Geräte bei der Berechnung von Modellen wie der weiteren Verbreitung von Infektionen angewendet.

Klage gegen Nvidia wegen möglicher falscher Umsatzdarstellung

Es gibt jedoch nicht nur positives zu sagen. Anteilseigner von Nvidia haben jüngst eine Klage gegen den Konzern eingereicht, mit dem Vorwurf, dass Milliardenumsätze falsch deklariert worden sind.

Die Hintergründe: Neben den oben genannten Anwendungsfeldern eignen sich (unter anderem) Nvidia-Grafikkarten auch sehr gut für das Mining von Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum und Co. Spätestens ab dem Jahr 2017, als die Preise von Bitcoin und vielen anderen Kryptowährungen allmählich durch die Decke gegangen sind, ist auch ein regelrechter Mining-Boom entstanden, wie man anhand von diesem Chart sehen kann, der die gesamte Rechenleistung zeigt, die in dem Bitcoin-Blockchain-Netzwerk steckt (Rechenleistung, die in andere Kryptowährungen fließt, ist hier nicht abgebildet – im Vergleich zu Bitcoin ist diese jedoch wesentlich geringer, blickt aber auf einen sehr ähnlichen Wachstumstrend).

Quelle: Blockchain.com

Nvidia-Grafikkarten wurden in diesem Zeitraum vermehrt für das Mining von Kryptowährungen verwendet, neben Bitcoin zum Beispiel auch für Ethereum, der Nummer 2 im Krypto-Sektor, sowie für viele kleinere Token, die auf der Ethereum-Blockchain beheimatet sind. Der Umsatz bei GPUs ist in diesem Zeitraum entsprechend in die Höhe gegangen, teilweise gab es bei Nvidia und anderen Anbietern sogar Lieferengpässe für einige Modelle, weil die Nachfrage so groß war.

Anfang 2018, während des bisherigen Preis-Peaks im Krypto-Sektor, hat Nvidia Rekordumsätze von 2,8 Milliarden Dollar im Segment der Grafikkarten gemacht. In den Quartalszahlen wurden jedoch nur 289 Millionen Dollar Umsatz angegeben, die explizit mit Hardware für Mining-Lösungen erzielt wurden. Der Rest wurde anderweitig zugerechnet, beispielsweise im Gaming-Segment, oder auch um Data-Center-Segment.

Im weiteren Verlauf des Jahres 2018 sind die Preise der Kryptowährungen wie bekannt massiv eingebrochen. Zudem waren aufgrund einer technischen Umstellung im Ethereum-Netzwerk diverse Nvidia-Geräte nicht mehr in der Lage, das entsprechende Mining auszuführen. Diese zwei Faktoren haben zu einem Zusammenbruch der Nachfrage in diesem Segment geführt. Ende 2018 hat Nvidia ebenfalls einen Einbruch des Umsatzes in der Gaming-Sparte von 45 Prozent bekannt gegeben. Zunächst wurde die Nachfrage im Mining-Segment nicht dafür verantwortlich gemacht.

Nun zu der Klage: Laut der Anklage wurden im Zeitraum vom 10. Mai 2017 bis 14. November 2018 rund 60 Prozent aller GeForce-Grafikkarten an Betreiber von Mining-Farmen verkauft - das entspräche einem Gegenwert von über einer Milliarde US-Dollar.

Der Vorwurf: Nvidias Manager hätten über den Anteil der Verkäufe an Miner genau Bescheid gewusst, deren Bedeutung jedoch strategisch heruntergespielt. Insgesamt soll Nvidia laut den Vorwürfen mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar mit Mining-Lösungen umgesetzt haben, über 1,1 Milliarden davon wurden jedoch inhaltlich nicht dem Mining zugeordnet. Der Umsatzeinbruch und der daraus resultierende Kursverlust haben Anleger kalt erwischt, da die Bedeutung des Mining-Geschäfts aufgrund der falschen Verrechnung nicht zugeordnet werden konnte.

Wenn man sich den Verlauf der Bitcoin-Hashrate (die man hier stellvertretend für den gesamten Krypto-Sektor nehmen kann, da die Entwicklung größtenteils recht ähnlich ist und Bitcoin ohnehin den Weg im Sektor vorgibt) anschaut und mit der Kursentwicklung der Aktie vergleicht, die ja entsprechend auf den Umsatz-Einbruch reagiert hat, sieht man deutliche Paralellen.

Sicher hat auch der allgemeine Rücksetzer, der in Q4 2018 an den weltweiten Börsen stattgefunden hat, eine gewisse Rolle gespielt, doch die Korrelation ist schon recht offensichtlich.

Was bedeutet das für die Aktie?

Kurzfristig bedeutet das zunächst einmal potenziellen Ärger für Nvidia. Sollte der Vorwurf der Wahrheit entsprechen – und vieles spricht dafür – dann droht sicher eine Strafe, bzw. eine hohe Entschädigungszahlung. Existenziellen Schaden dürfte dieser Umstand jedoch nicht für das Unternehmen bedeuten. Eine sehr komfortable Cash-Position mit ca 7 Milliarden Dollar in den Kriegskassen hält die Risiken in diesem Bereich gering. Für das Image der Firma und das Anleger-Vertrauen wäre eine Bestätigung der Vorwürfe trotzdem alles andere als gut.

Nichts desto trotz lässt sich aus den Beobachtungen auch ein weiterer Indikator für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens ableiten: Das Mining-Geschäft. Wie man anhand der Entwicklung der Hashrate sieht, ist dieser Bereich seit der Entstehung von Bitcoin ein gigantischer Wachstumsmarkt.

Durch die ständige Erweiterung der Rechenleistung im Sektor wird es jedoch immer schwieriger, Kryptowährungen zu minen. Früher, als das Netzwerk noch kleiner war, konnte man mit einem Privat-PC ohne Probleme am Mining teilnehmen. Heutzutage wird jedoch, vor allem im Fall von Bitcoin, sehr spezialisierte Hardware mit enormer Rechenleistung benötigt. Entsprechend kostspielig sind diese Geräte in der Anschaffung und auch was den Stromverbrauch angeht. Der chinesische Anbieter Bitmain ist mit seinen ASIC-Minern führend im Bitcoin-Mining-Segment.

Nvidia-Grafikkarten haben sich lange Zeit sehr gut in diesem Bereich gehalten. Speziell zusammengebaute „Mining-Rigs“ mit 6 oder mehr aneinander gekoppelten Grafikkarten waren zwar sehr teuer in der Anschaffung, doch konnten beim Mining-Prozess auch mit spezialisierter Hardware mithalten und das Mining lukrativ halten. Vor allem bei diversen Altcoins, also weiteren Kryptowährungen und Token abseits von Bitcoin, deren Blockchains weniger Rechenleistung innehaben als der Platzhirsch, waren Nvidia-GPUs sehr beliebt. Mit dem weiteren Wachstum des gesamten Sektors schmilzt diese Effizienz jedoch weiter dahin. Doch speziell die neue Generation der Ampere-GPUs von Nvidia könnten wieder eine bedeutendere Rolle für den Mining-Sektor spielen, da deren Leistung voraussichtlich auf einem vollkommen anderen Niveau sein wird, als die der Vorgängermodelle. Zwar nicht für Privatleute, aber für Mining-Unternehmen könnte die neue GPU eine Option werden.

Es dürfte sich also für die weitere Zukunft lohnen, bei der Analyse der Aktie und der Geschäftsfelder von Nvidia auch die Entwicklung im Mining-Sektor im Auge zu behalten. Ein unmittelbar wichtiger Termin für die Aktie wird der kommende Donnerstag sein, da das Unternehmen dann seine Zahlen präsentieren wird.

Von Alexander Mayer

Titelfoto: B.Zhorov / Shutterstock.com

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