TUI liebäugelt mit Joint Ventures und Partnerschaften

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Der Reisekonzern TUI strebt Vorstandschef Friedrich Joussen zufolge künftig zur Stärkung der eigenen Bilanz mehr Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen an.

Nachdem mit der staatlichen Kredithilfe die Liquidität in der Corona-Krise gesichert sei, gelte es jetzt, die Bilanzstruktur zu stärken, sagte Joussen im Interview mit der "Börsen-Zeitung" (Mittwochausgabe). "Die neue TUI wird weniger Assets auf der Bilanz haben als heute. Diese werden sich mehr in den At-Equity-Gesellschaften befinden." Der Konzern könne so - also durch Minderheitenbeteiligungen - seine Risiken verringern.

Minderheitenbeteiligungen kämen für das britische Marella-Kreuzfahrtgeschäft und kleine Hotelgesellschaften in Frage, sagte Joussen. Bei der eigenen, noch rund 150 Flugzeuge großen Airline will TUI demnach aber die Kontrolle behalten. Hier gehe es nicht um At-Equity-Beteiligungen. TUI brauche "auf jeden Fall" eine eigene Fluggesellschaft, um sich nicht abhängig zu machen und touristische Zielgebiete wie zuletzt die Kapverden selbst erschließen zu können. Die Flotte müsse aber entsprechend dem Trend in der Branche schrumpfen auf eine "strategische" Größe. "In der aktuellen Marktsituation sollte die eigene Flugzeugflotte nicht größer sein als der Bedarf unserer Reiseveranstalter für den nachfrageschwächeren Winter." Bei steigendem Bedarf im Sommer könne zusätzliche Kapazität am Markt eingekauft werden.

"Die Assets von der Bilanz zu bekommen, heißt nicht, dass wir Flugzeuge leasen wollen", ergänzte Joussen. Nach einem früheren Bericht der "Börsen-Zeitung" ist ein Joint Venture der deutschen TUIfly mit dem Ferienflieger Condor, der ebenfalls Staatshilfe zum Überleben brauchte, im Gespräch. Auf eine Frage zu Condor sagte der TUI-Chef: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mit unserer Größe, Kostenstruktur und unserer Technik im Airline-Bereich auch partnerfähig zu werden."

Zum laufenden Geschäft, über das TUI am 13. August berichtet, erklärte Joussen, es könne gut sein, dass der Sommer "operativ fast Cash-positiv" abschließe. Anzeichen für eine Erholung sieht TUI für das kommende Jahr. Die Buchungslage für den Sommer 2021 sei bei Reisen und Kreuzfahrttouren überdurchschnittlich und sehr gut. "Im nächsten Jahr richten wir unseren Fokus wieder auf die Profitabilität. 2022 gehe ich von einem normalen Geschäft aus." Das Vertrauen der Großaktionäre in TUI sei ungebrochen.

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