KI-Hype um Nvidia beschleunigt Rekordjagd an Europas Börsen

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Frankfurt (Reuters) - Der Börsenhype um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) kennt nach bärenstarken Zahlen des US-Chip-Konzerns Nvidia keine Grenzen und hat die Rekordjagd an Europas Aktienmärkten am Donnerstag neu entfacht.

Der Dax und der breiter gefasste europäische STOXX 600 markierten neue Höchststände. In Japan ließ der Leitindex Nikkei seine Bestmarke aus dem Jahr 1989 hinter sich.

Der deutsche Leitindex legte in der Spitze um 1,6 Prozent auf 17.386 Punkte zu. Der EuroStoxx50 stand am Vormittag ein Prozent höher bei 4823 Zählern. "Nvidia treibt den Gesamtmarkt an und zwar nicht nur in den USA. Das KI-Thema heizt auch die Nachfrage nach Technologieaktien an", fasste XTB-Investmentexpertin Kathleen Brooks zusammen. Zwar lag die Latte für den Chip-Hersteller an den Finanzmärkten sehr hoch, doch er konnte die Erwartungen erneut toppen. "Von solchen Zahlen können die meisten Unternehmen nur träumen", sagte Konstantin Oldenburger von CMC Markets. "Nvidia sieht Wachstum rund um den Globus, mit Ausnahme von China." Die in Frankfurt notierten Aktien gewannen mehr als 14 Prozent.

Europäische Tech-Werte verzeichneten die größten Sektoren-Gewinne, der Index stieg um 2,8 Prozent. Bei den deutschen Aktien waren Infineon und Aixtron mit Aufschlägen von 3,5 und 5,6 Prozent besonders gefragt. In Amsterdam schnellten BE Semiconductor Industries (BESI) nach einem besser als erwartet ausgefallenen vierten Quartal um mehr als 16 Prozent auf ein Rekordhoch.

LUFT NACH OBEN ODER KORREKTUR?

Einige Aktienstrategen sehen noch Luft nach oben für Dax & Co. Die Bewertungen europäischer Aktien seien günstig, zudem sei mit anhaltendem Umsatzwachstum bei den nach Börsenwert größten Konzernen wie GSK, Roche, Astrazeneca und SAP zu rechnen, sagte Investmentexperte Nathan Sweeney von Marlborough. "Außerdem steht China jetzt vor einer Wende, was die Exporte aus Europa ankurbeln wird." An der Konjunkturfront signalisierten die Einkaufsmanagerindizes für Februar eine Verlangsamung der Talfahrt in der Euro-Zone, dank besserer Geschäfte bei Dienstleistern. Der Euro legte um 0,3 Prozent auf 1,0853 Dollar zu.

Zudem rechnen Marktteilnehmer mit baldigen Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Unternehmensgewinne steigern dürften. "Dass die Inflation angesichts der Straffung der Geldpolitik beträchtliche Fortschritte macht und die Erwartung, dass die EZB bereits im April ihre Zinsen vor der Fed senken könnte, trägt zu dieser Zeit wirklich zur guten Stimmung am Aktienmarkt bei", sagte Aneeka Gupta, Aktienanalyst bei Wisdomtree. Allerdings sei auch ein Punkt erreicht, an dem es Spielraum für eine Korrektur an den Börsen gebe. "Was diese Korrektur auslösen wird, ist sehr schwer zu bestimmen. Was die Rally am Laufen halten könnte, ist nur der Optimismus wachstumsorientierter Sektoren."

MERCEDES BENZ PUNKTEN - DELIVERY HERO FALLEN WEGEN FOODPANDA

Auch zahlreiche Firmenbilanzen beschäftigten die Anleger. Aktien von Mercedes-Benz stiegen um 4,7 Prozent an die Dax-Spitze. Der Gewinn des Stuttgarter Autobauers sei weniger stark zurückgegangen als erwartet, urteilten die Analysten von Raiffeisen Research. Zudem sind weitere Aktienrückkäufe geplant. Die Aktien von MTU Aero Engines rutschten hingegen um mehr als fünf Prozent ans Dax-Ende. Der Flugzeugzulieferer hatte die Anleger mit einer Dividendenkürzung verschreckt. Auch der Margenausblick sei etwas schwächer als gedacht, urteilten die Analysten von Jefferies.

Ein leicht unter den Erwartungen liegendes Umsatzwachstum im Gesamtjahr ließ die Aktien von Nestle in Zürich um rund vier Prozent absacken. Dem Lebensmittelhersteller setzten unter anderem Preiserhöhungen zu. Nach geplatzten Verkaufsverhandlungen für das Südostasien-Geschäft von Foodpanda gerieten die Papiere des Mutterkonzerns Delivery Hero unter Druck. Die Aktien des Essenslieferanten stürzten in Frankfurt um 9,9 Prozent ab.

(Bericht von Anika Ross, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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