Zinswende verspricht bessere Zeiten für deutsche Wirtschaft

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Berlin (Reuters) - Die angeschlagene deutsche Wirtschaft kann nach der Zinswende im Euroraum auf bessere Zeiten hoffen.

Die Bundesbank und auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erwarten, dass die Konjunktur 2025 durchstartet. Die Wirtschaft werde 2024 wieder etwas wachsen und in den Jahren darauf dann deutlicher zulegen, so die Prognose der Bundesbank. Sie befreie sich aus der "konjunkturellen Schwächephase", sagte Bundesbankchef Joachim Nagel am Freitag. Zuletzt gab es jedoch Licht und Schatten: Während die Produktion im April leicht um 0,1 zurückging, legten die Ausfuhren um 1,6 Prozent relativ deutlich zu.

"Das Plus bei den Exporten ist zwar ein Lichtblick, ist aber angesichts des dürftigen Jahresverlaufs alles andere als berauschend", sagte Außenwirtschaftschef Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Die internationale Wettbewerbsposition der Unternehmen sei angekratzt.

Die Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP will sich bis Anfang Juli auf einen Haushaltsentwurf für 2025 verständigen. Parallel sollen auch Maßnahmen zur Stärkung des Standorts präsentiert werden. Habeck kündigte in Berlin beim Tag der Familienunternehmen an, dass mehr Anreize geschaffen würden, um eine Arbeit aufzunehmen oder länger zu arbeiten. Er deutete zudem an, dass die Ampel erwäge, das deutsche Lieferkettengesetz für zwei Jahre auszusetzen, bis eine europäische Richtlinie greife. Das Gesetz nimmt Unternehmen für Missstände in den Lieferketten in die Pflicht. Vor allem Umweltsünden und Zwangsarbeit sollen so verhindert werden. Die Wirtschaft klagt aber über zu viel Bürokratie.

Habeck rechnet zugleich im kommenden Jahr, wenn auch ein neuer Bundestag gewählt wird, mit deutlich mehr Wachstum. Wenn es gut laufe, würden es ein bis eineinhalb Prozent sein, sagte der Grünen-Politiker. Im April hatte die Bundesregierung für 2025 ein Plus von 1,0 Prozent vorausgesagt. 2023 war die deutsche Wirtschaft leicht geschrumpft.

Die Bundesbank veranschlagt in ihrer aktuellen Prognose für das laufende Jahr ein Plus von 0,3 Prozent. Für 2025 erwarten ihre Fachleute ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent und für 2026 von 1,4 Prozent. Die Wirtschaft fasse nach rund zweijähriger Schwächephase langsam wieder Tritt. Nicht nur der private Konsum werde nach und nach wieder anziehen. Ab der zweiten Jahreshälfte dürften demnach auch die Exportgeschäfte wieder besser laufen und die Industrie wieder stärker zulegen.

"ZINSSCHRITT KONSEQUENT"

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte die am Donnerstag vollzogene Zinssenkung der Europäischen Zentralbank als gutes Signal für die Konjunktur begrüßt. Die EZB beschloss eine Kurswende und senkte erstmals seit fast fünf Jahren die Zinsen, die sie zuvor im Kampf gegen die hohe Inflation kräftig angehoben hatte. Aus Sicht von Bundesbank-Präsident Nagel war der Zinsschritt "konsequent": Die Tendenz stehe, dass die Inflationsraten zurückgingen. Die EZB sei zudem auch nach der Zinssenkung immer noch restriktiv unterwegs. Unter einer restriktiven Geldpolitik wird ein Notenbank-Kurs verstanden, durch den eine Volkswirtschaft gebremst wird.

Niedrigere Kreditzinsen können der Wirtschaft auf die Sprünge helfen. "Die damit verbesserten Finanzierungsbedingungen für Unternehmen werden die privaten Investitionen ankurbeln", erwartet die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier. Allerdings: Die Zinssenkung dürfte frühestens 2025 stützen, sagt der Sachverständigenrat in seiner Frühjahrsprognose für die Bundesregierung voraus.

Die EZB versucht, mit der straffen Linie die Inflation einzudämmen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Die Wirtschaft des Euroraums wuchs im ersten Quartal um 0,3 Prozent, wie das EU-Statistikamt bekanntgab und damit eine frühere Schätzung bestätigte. Ende 2023 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsgebiet noch 0,1 Prozent gesunken.

(Bericht von Reinhard Becker, Christian Krämer, Klaus Lauer, Frank Siebelt, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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