Skepsis

Deutsche Robotik-Branche senkt Prognose - "China hat uns eingeholt"

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
Quelle: Pavlo Lys/Shutterstock.com

Berlin (Reuters) - Die deutsche Roboter-Industrie blickt wegen eines mauen Inlandsgeschäfts skeptischer auf das laufende Jahr als zuletzt.

Für 2024 rechne man nur noch mit 16,5 Milliarden Euro Umsatz, sagte Frank Konrad, Vorsitzender des Fachbereichs Robotik und Automation im Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir mussten unsere Prognose auf plus zwei Prozent Umsatzwachstum halbieren." Für Impulse sorge noch das hohe Auftragspolster des vorigen Jahres. "Das Neugeschäft kommt überwiegend aus dem Ausland, wo Märkte noch stabiler funktionieren als in Deutschland." In den ersten vier Monaten 2024 lag der Auftragseingang aus dem Inland demnach 15 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums - die Bestellungen aus dem Ausland hingegen stiegen um 21 Prozent.

"Der Konkurrenzkampf ist sehr stark", erklärte Konrad. Viele chinesische Anbieter seien in ihren Heimatmärkten kräftig gewachsen und drängten nun nach Europa. "Wir reden hier nicht von low-cost oder low-technology - das sind ernstzunehmende Wettbewerber." Gemessen an der Roboterdichte pro 10.000 Industriebeschäftigten lag Deutschland 2022 weltweit mit 415 Einheiten deutlich hinter Südkorea (1012 Roboter) und Singapur (730) auf Platz drei, knapp vor Japan (397) und noch vor China (392). "Ich gehe davon aus, dass uns China jetzt eingeholt hat", sagte Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA Robotik und Automation. "Die Regierung in Peking hat einen ganz klaren Plan, die Industrie zu automatisieren." Bereits 2022 seien 52 Prozent aller neuen Industrieroboter weltweit in China installiert worden.

In Deutschland sind mehr als 400 Unternehmen im Fachverband Robotik und Automation vertreten, die Branche hat rund 67.000 Beschäftigte. Bekannt ist etwa das Augsburger Unternehmen Kuka mit gut vier Milliarden Euro Umsatz.

WENN DER ROBOTER AN DER TÜR PIEPST - AUTOMATION IM ALLTAG

Die Branche setzt auf eine zunehmende Automatisierung des Alltags. Im privaten Bereich gibt es immer mehr Roboter, etwa automatisierte Rasenmäher und Staubsauger. Nun kommt auch die professionelle Servicerobotik in Fahrt. "Künftig wird man in Hotelzimmern weniger Mini-Bars sehen", sagte Schwarzkopf. "Man bestellt sich dann was, dann kommt der Roboter, piepst an der Tür und man nimmt sich raus, was man bestellt hat: Bier oder Zahnbürste." Die Technologie sei da. "Das wird insgesamt - durch den Fachkräftemangel - einen deutlichen Push bekommen."

Hier wünscht sich die Industrie aber auch Rückenwind von der Politik. "Wenn wir mit dem Tempo Chinas mithalten wollen, müssen wir deutlich schneller und agiler werden", sagte Konrad, Chef des Sondermaschinenbauers Hahn Automation aus Rheinböllen. "Viele EU-Auflagen lähmen die weitgehend mittelständisch geprägte Branche und fördern keine Geschwindigkeit." Wichtig sei die Bereitschaft, auch politisch in Zukunftsfelder zu investieren wie Brennstoffzellen oder Wasserstofftechnologie. "Wenn wir die ersten Entwicklungen hier nicht fördern, wird dieser Markt an uns vorbeigehen." Konrad plädierte auch für Bürokratieabbau, deutlich flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie eine bessere Nachwuchsförderung und die Rekrutierung von Fachkräften außerhalb der EU.

Die langsamere Gangart spürt die Branche auch beim Gewinn. "Die Jahre nach Corona - 2021 bis 2023 - waren sehr ertragreich", betonte Konrad. Das sehe man auch an den Investitionen. 2023 war der Umsatz noch um 13 Prozent gestiegen. Aktuell sei der Markt aber unter Preisdruck. "Wegen des erhöhten Wettbewerbs aus Asien wird die Ertragskraft sicher auch nach unten gehen."

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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