Harris zieht mit Minnesota-Gouverneur als Vize in Wahlkampf gegen Trump

Reuters · Uhr
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- von Andrea Shalal und Jarrett Renshaw

Washington (Reuters) - US-Vizepräsidentin Kamala Harris geht mit dem Gouverneur von Minnesota in die Präsidentschaftswahl im November.

Tim Walz werde ihr Kandidat für den Vizeposten, erklärte die Demokratin am Dienstag in einer Text-Botschaft an ihre Unterstützer. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits zuvor von Insidern davon erfahren, dass der 60-Jährige das Rennen machen werde. Er regiert mit Minnesota einen Bundesstaat, der seit Jahren fest in der Hand der Demokraten ist. Allerdings hat er auch bei weißen Wählern auf dem Land Anklang gefunden, die in den vergangenen Jahren überwiegend für den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, gestimmt haben. Bevor Walz Gouverneur wurde, hatte er sich bereits mehrfach bei Wahlen für das Abgeordnetenhaus gegen Republikaner durchgesetzt. Vor seiner politischen Karriere war er über zwei Jahrzehnte Mitglied der Nationalgarde.

Harris bezeichnete Walz in ihrer Textbotschaft als "kampferprobte" Führungskraft. In ersten Reaktionen kam ein positives Echo von der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW). Sie erklärte, Walz stehe an der Seite der Arbeiter. Die demokratische Abgeordnete im Repräsentantenhaus, Alexandria Ocasio-Cortez, sprach von einer "exzellenten Entscheidung", dass die Wahl auf den Gouverneur von Minnesota gefallen sei. Aus dem gegnerischen politischen Lager kamen naturgemäß kritischere Töne: Der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, erklärte, Walz sei der am weitesten links stehende Kandidat für den Posten des Vizepräsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Der republikanische Senator Lindsey Graham sprach von einem "großen Tag für die Linke" und einem schlechten Tag für die Mitte Amerikas.

TOUR DURCH UMKÄMPFTE BUNDESSTAATEN

Zuletzt war auch immer wieder der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, als heißer Kandidat für den Vizeposten gehandelt worden. Die Auswahl des Vize kann für den Wahlkampf große Bedeutung haben. Der Kandidat kann je nach Hintergrund, Popularität oder Fähigkeit, wichtige Wählergruppen zu beeinflussen, zu einem Wahlsieg verhelfen beziehungsweise zu einer Niederlage beitragen.

Harris, die erste Frau sowie schwarze und südasiatische Person im Amt des Vizepräsidenten, stand bei ihrer Suche nach einem Vize unter Zeitdruck. US-Präsident Joe Biden hatte sich erst Ende Juli aus dem Präsidentschaftsrennen zurückgezogen und Harris damit das Feld überlassen. Seither hat sie Hunderte Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingesammelt. Zudem brachte sie zügig genügend Delegierte der Demokraten hinter sich, so dass die Partei ihre offizielle Nominierung am Montagabend verkündete. Der Parteitag findet erst vom 19. bis 22. August statt. Die Präsidentenwahl ist am 5. November. In Umfragen liegen Trump und Harris nahe beieinander. Der Ausgang der Wahl gilt daher als offen.

Insidern zufolge hatte Harris am Wochenende Gespräche mit möglichen Kandidaten geführt. Es wird erwartet, dass Harris und Walz noch in dieser Woche eine Tour durch mehrere umkämpfte Bundesstaaten beginnen werden, in denen die Wahl voraussichtlich entschieden wird. Zu diesen sogenannten Swing States zählen Arizona, Nevada, Georgia, Pennsylvania, Michigan und Wisconsin.

Trumps Vize J.D. Vance hat ebenfalls angekündigt, diese Woche in Swing States Wahlkampf zu betreiben. Der 39-jährige Senator aus Ohio ist vor allem bei Trumps ultrakonservativer Basis beliebt. Der einstige Kritiker von Trump gilt als eine der Zukunftshoffnungen der Republikaner. Sein Start als Vizekandidat war jedoch holprig. Alte Aussagen von ihm wie beispielsweise Kritik an "kinderlosen Katzendamen" sorgten für Aufregung. Sie könnten vor allem weibliche Wähler vergraulen.

(Bericht von Nandita Bose, Richard Cowan, geschrieben von Kerstin Dörr, Ralf Bode, Reinhard Becker; redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

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