Chinas Inflation beschleunigt sich wegen höherer Lebensmittelkosten

Peking (Reuters) - Die Verbraucherpreise in China sind wegen teurer Lebensmittel so stark gestiegen wie seit sechs Monaten nicht mehr.
Die Jahresinflation kletterte im August um 0,6 Prozent, nach 0,5 Prozent im Juli, wie Daten des Nationalen Statistikamts (NBS) am Montag zeigten. Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Plus auf 0,7 Prozent erwartet. Extreme Wetterbedingungen in diesem Sommer, von tödlichen Überschwemmungen bis zu sengender Hitze, haben die Preise für landwirtschaftliche Produkte in die Höhe getrieben und zur Inflation beigetragen. Im August stiegen die Lebensmittelpreise im Jahresvergleich um 2,8 Prozent. Die Kerninflation, die die schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt, sank im August von 0,4 auf 0,3 Prozent - "das niedrigste Niveau seit mehr als drei Jahren", wie die Analysten von UniCredit betonten.
Gleichzeitig verschärfte sich die Deflation bei den Erzeugerpreisen, da die Regierung in Peking weiter versucht, die Binnennachfrage anzukurbeln. Die Produzentenpreise fielen im August zum Vorjahr um 1,8 Prozent und damit so stark wie seit vier Monaten nicht mehr. Im Juli hatte es ein Minus von 0,8 Prozent gegeben und Analysten hatten für August nur einen Rückgang auf 1,4 Prozent prognostiziert. Sowohl die Verbraucher- als auch die Erzeugerpreise waren laut UniCredit damit schwächer als erwartet, "da die gedämpfte Wirtschaftstätigkeit den Abwärtsdruck auf die Preissetzungsmacht der Unternehmen verstärkte und das Deflationsrisiko erhöhte." Die Daten trugen auch dazu bei, dass die asiatischen Aktienmärkte schwach in die neue Woche starteten.
"Wir glauben, dass erhöhte Staatsausgaben in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Binnennachfrage führen werden", sagte Gabriel Ng, Experte beim Analysehaus Capital Economics. "Aber die Regierungspolitik ist immer noch zu stark auf Investitionen fokussiert, so dass erhöhte Staatsausgaben das Überkapazitätsproblem letztlich verschärfen könnten."
Angesichts der schwächeren Wirtschaftsaktivität haben globale Finanzmarktfachleute und Analysten ihre Wachstumsprognosen für China 2024 gesenkt und erwarten weniger als die Regierung in Peking mit rund fünf Prozent.
(Bericht von Qiaoyi Li und Ryan Woo, geschrieben von Klaus Lauer und Katharina Loesche.; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)