Fifa unterliegt im Streit um Transferregeln vor dem EuGH

Paris (Reuters) - Die Regeln des Fußball-Weltverbandes Fifa beim Vereinswechsel von Profi-Kickern verstoßen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) gegen europäisches Recht.
"Die in Frage stehenden Regeln behindern die Freizügigkeit professioneller Fußballer, die sich weiterentwickeln wollen, indem sie für einen neuen Verein arbeiten", urteilte der EuGH am Freitag in Luxemburg. Nach den Transferregeln der FIFA müssen Fußballer, die ihren Vertrag "ohne triftigen Grund" vorzeitig kündigen, dem bisherigen Verein Schadenersatz zahlen. Ihr neuer Verein wird dafür in Mithaftung genommen - ihm droht zusätzlich sogar eine Transfersperre, wenn er nicht belegen kann, dass er den Spieler nicht aktiv abgeworben hat.
Das Urteil rüttelt an dem geltenden System im Profifußball mit vielfach millionenschweren Ablösesummen. Der EuGH erklärte, zwar seien Beschränkungen der Freizügigkeit grundsätzlich zulässig, um einen geordneten Wettbewerb aufrecht zu erhalten. Doch die Fifa-Vorschriften "scheinen in mehrerlei Hinsicht über das hinauszugehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist", hieß es in dem Urteil. Auch nach dem Wettbewerbsrecht, dem die Fifa unterliege, seien die Transferregeln "wahrscheinlich (...) nicht unerlässlich oder erforderlich".
In dem vor den EuGH gebrachten Fall geht es um den ehemaligen französischen Nationalspieler Lassana Diarra. Er hatte 2013 bei Lokomotive Moskau einen langfristigen Vertrag unterschrieben, aber ein Jahr später ohne Angabe von Gründen gekündigt. Drohende Schadenersatzforderungen von mehr als zehn Millionen Euro und Sanktionen der Fifa schreckten den belgischen Club Charleroi aber ab, der ihn unter Vertrag nehmen wollte, so dass Diarra letztlich erst ein Jahr später in Frankreich einen neuen Verein fand. Daraufhin verklagte er die Fifa vor einem Gericht im belgischen Mons auf Schadenersatz. Dieses rief den EuGH an und muss nun auf Grundlage von dessen Entscheidung ein Urteil fällen. Der heute 39-jährige Diarra beendete seine aktive Laufbahn 2019 bei Paris Saint-Germain.
Diarras Anwälte erklärten, alle Fußball-Profis seien von den illegalen Regeln betroffen, die seit 2001 gälten, und könnten Schadenersatz für ihre Verluste verlangen. Das werde die FIFA zwingen, sich EU-Recht zu unterwerfen und ihre Regeln schnell zu modernisieren. Die Vereinigung der Fußball-Profis (FIFPRO) begrüßte das Urteil, das "die Landschaft des Profifußballs verändern" werde. Die FIFA erklärte dagegen, die Grundsätze des Transfersystems seien durch das Urteil bestätigt worden. In Frage gestellt würden nur zwei Absätze des umfassenden Regelwerks.
Die strengen Transferregeln für vertragsbrüchige Spieler bekommt in Deutschland derzeit der 1. FC Köln zu spüren. Der Zweitligist hatte 2022 einen Juniorenspieler aus Slowenien verpflichtet, nachdem dessen Mutter einen Tag zuvor den Vertrag mit seinem bisherigen Verein gekündigt hatte. Der deutsche Verein konnte nicht nachweisen, dass er den Spieler nicht dazu angestiftet hatte, und darf deshalb nun ein Jahr lang keine neuen Spieler verpflichten.
(Bericht von Tassilo Hummel, Julien Pretot und Alexander Hübner; redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)