Hisbollah macht Gaza-Frieden nicht mehr zu Bedingung für Waffenruhe im Libanon

Reuters · Uhr
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Beirut (Reuters) - Hochrangige Mitglieder der Hisbollah im Libanon machen eine Waffenruhe mit Israel nicht mehr von einem Ende der Kämpfe im Gazastreifen abhängig.

Zwar hatten zwei niederrangige Vertreter der Islamisten bereits in den vergangenen Tagen die Bedingung fallengelassen. Am Dienstag erklärte jedoch auch der stellvertretende Hisbollah-Chef Naim Kassem, man unterstütze die politischen Bemühungen um einen Waffenstillstand. Eine formelle Erklärung zu den Bedingungen für eine Waffenruhe gab die vom Iran unterstützte Gruppe jedoch nicht heraus. Auch eine Stellungnahme war von der Hisbollah zunächst nicht zu erhalten.

Aus libanesischen Regierungskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters jedoch, die Hisbollah habe ihre Haltung angesichts des massiven Drucks geändert, der inzwischen in vielen Formen auf ihr laste. Dazu gehöre die Massenflucht von Unterstützern aus dem südlichen Libanon angesichts der israelischen Vorstöße dort. Hochrangige libanesische Politiker anderer Bevölkerungsgruppen haben zudem die Kopplung einer Feuerpause an den Verlauf des Krieges zwischen Israel und der radikal-islamische Hamas im Gazastreifen abgelehnt. "Wir werden unser Schicksal nicht an das Schicksal von Gaza binden", erklärte etwa am Montag der Drusen-Vertreter Walid Jumblatt.

Der hochrangige Hamas-Vertreter Sami Abu Suhri sagte Reuters, seine Gruppe vertraue weiter darauf, dass die Hisbollah ihren Kampf bis zu einem Stopp der Kämpfe im Gazastreifen weiterführen werde. Aus Diplomatenkreisen verlautete, die Hisbollah habe möglicherweise zu lange gewartet. Die "vorherrschende Logik" auf israelischer Seite sei inzwischen militärischer, nicht diplomatischer Natur, sagte ein Diplomat mit Sitz im Libanon. Ein westlicher Kollege erklärte, es gebe keine Hinweise auf eine bevorstehende Feuerpause.

Dessen ungeachtet führte Kassems Aussage am Dienstag zunächst zu einem deutlichen Rückgang der Ölpreise: Die Nordsee-Rohölsorte Brent und die US-Sorte WTI rutschten um jeweils mehr als vier Prozent ab. Händler befürchteten insbesondere, dass Israel die iranischen Ölanlagen angreifen könnte. "Dass die Hisbollah für eine Waffenruhe offen ist, ist die Art von Schlagzeile, auf die sich die Leute stürzen", sagte Phil Flynn, Chefanalyst beim Broker Price Futures Group, über die Reaktion am Markt.

(Bericht von Maya Gebeily, Timour Azhari und Nidal Al-Mughrabi; Geschrieben von Scot W. Stevenson; Redigiert von Birgit Mittwollen.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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