MFE hält 29,99 Prozent an ProSieben - "kein beherrschender Einfluss"

Berlin (Reuters) - Der italienische Großaktionär MFE hat seinen Anteil an ProSiebenSat.1 auf knapp unter die wichtige Schwelle von 30 Prozent hochgeschraubt.
"Die MFE MediaForEurope hat ihre Beteiligung an der ProSiebenSat.1 Media SE um 3,41 Prozentpunkte auf 29,99 Prozent der Kapitalanteile erhöht", teilte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) am Mittwoch mit. Die Beteiligungsveränderung sei gemäß des Medienstaatsvertrags "als geringfügig zu bewerten und von der Anmeldepflicht ausgenommen". Wenn die Italiener allerdings 30 Prozent am deutschen TV-Konzern halten, müssen sie ein Übernahmeangebot unterbreiten. Dies hatte die Holding der Berlusconi-Familie zuletzt nicht geplant.
Beobachter halten dies für die Zukunft jedoch für durchaus wahrscheinlich. Vor allem, wenn die Bayern wie von MFE gefordert mehr von ihrem Randgeschäft verkauft haben. Derzeit versucht die Senderkette um ProSieben, Sat.1 und Kabel 1, sich vom Kosmetikversand Flaconi und dem Vergleichsportal Verivox zu trennen.
Auch der mit rund 15 Prozent zweitgrößte Investor, die tschechische PPF-Gruppe, hat jüngst erneut den Druck auf die Konzernspitze von ProSiebenSat.1 erhöht. Die bayerische Medienfirma komme zu langsam voran beim geplanten Verkauf von Randaktivitäten und anderen Änderungen im Unternehmen, sagte PPF-Chef Jiri Smejc jüngst im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Um es einfach auszudrücken: Wir haben nicht das Gefühl, dass das Management seine Arbeit gut genug macht", sagte Smejc.
Da ProSiebenSat.1 rund 2,7 Prozent der Aktien in Eigenbesitz hält, verfügt MFE nach Angaben der KEK somit über 30,82 Prozent der ausübbaren Stimmrechte. "Die Erhöhung verschafft MFE auch keinen beherrschenden oder einer Beherrschung vergleichbaren Einfluss auf die ProSiebenSat.1 Media SE, welcher zu einer Zurechnung der Programme der Sendergruppe zu MFE führen würde", erklärte die Kommission. ProSiebenSat.1 und MFE lehnten jeweils einen Kommentar zur neuen Beteiligungshöhe der Italiener ab.
Die deutsche Senderkette legt am Donnerstag ihre Geschäftszahlen für die ersten neun Monate vor. Hier dürften sich die Konjunkturflaute und damit ein schwacher TV-Werbemarkt widerspiegeln. Ähnlich war es bei der Bilanz des Konkurrenten RTL. Dieser musste sogar seine Umsatzziele für 2024 senken.
(Bericht von Klaus Lauer; redigiert von Ralf Banser - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)