Skepsis um Tech-Werte belastet Dax weiter - dickes Wochenminus

Wie schon am Vortag haben Bedenken um hohe Bewertungen die Kurse in Frankfurt am Freitag belastet. Der Leitindex Dax scheiterte mit einer Stabilisierung im frühen Handel und schloss erneut klar im Minus. Insgesamt büßte der Dax zum Wochenausklang 0,69 Prozent auf 23.569 Punkte ein. Auf Wochensicht ergibt sich so ein deutliches Minus von 1,6 Prozent.
Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 0,57 Prozent auf 28.793 Punkte. Ebenfalls bergab ging es für Europas wertvollste Unternehmen: Der Euro Stoxx 50 rutschte um 0,8 Prozent ab.
Die Woche war geprägt von der Berichtssaison. Inzwischen haben laut der US-Investmentbank JPMorgan in Europa und den USA gut Dreiviertel aller Unternehmen Geschäftszahlen vorgelegt. Dabei habe das Ergebniswachstum in den USA im Schnitt bei 15 Prozent gelegen und in Europa bei etwa einem Prozent. Letzteres habe aber sogar noch positiv überrascht, schrieb Marktstratege Mislav Matejka. Auch der leichte Umsatzrückgang sei weniger deutlich als gedacht.
Die wichtigsten US-Indizes hatten Ende Oktober noch einmal Rekordhochs erreicht und korrigieren bisher im November. Am Aktienmarkt machen sich derzeit Sorgen mit Blick auf die hohen Bewertungen an den Börsen breit, nachdem nicht zuletzt das Trendthema Künstliche Intelligenz (KI) die Kurse immer weiter angetrieben hatte, vor allem bei beliebten Tech-Werten.
"Anleger sind zum Wochenschluss ziemlich nervös", schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus Robomarkets. "Dass die teilweise astronomischen Bewertungen auch mal korrigiert werden müssen, ist sicherlich keine Frage des Ob, sondern nur des Wann."
Quartalsberichte bewegen Einzelwerte
Am Dax-Ende sackten Scout24 um 5,1 Prozent ab. Die Papiere des Immobilienportals gerieten damit in das schwere Fahrwasser des Branchenkonkurrenten Rightmove, dessen Aktien nach Quartalszahlen zeitweise mehr als ein Viertel an Wert verloren hatten. Die Briten hatten Pläne zur Steigerung der Investitionen in Künstliche Intelligenz bekannt gegeben und zugleich gewarnt, dass es wahrscheinlich länger dauern werde, die zuvor angegebenen Umsatzwachstumsziele zu erreichen.
Im MDax sorgte die Berichtssaison hiesiger Unternehmen für Impulse. So blieb der Radar-Spezialist Hensoldt in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres dank des Rüstungsbooms auf Wachstumskurs. Die Anteilsscheine gewannen 3,9 Prozent.
Die Papiere von Krones stiegen an der Index-Spitze um 4,7 Prozent. Von Analysten erhielt der Hersteller von Getränkeabfüllanlagen Lob für das dritte Quartal. Krones habe sich einem schwierigen Umfeld solide entwickelt, schrieb etwa Constantin Hesse von der Investmentbank Jefferies.
Als Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax sackten die Aktien von MLP um 9,5 Prozent ab. Der Finanzdienstleister senkte seine Prognose für das laufende Jahr. Das Unternehmen verwies auf veränderte Erwartungen an die Höhe der erfolgsabhängigen Vergütungen im Vermögensmanagement und an das Immobilienentwicklungsgeschäft.
Für Salzgitter ging es als zweitbester Wert im Index um 3,2 Prozent nach oben. Analyst Dominic O'Kane von JPMorgan sprach von einer "europäischen Renaissance" in der Stahlbranche. Er reagierte damit auf die neuen Pläne der Europäischen Union zur Abschirmung des Sektors, womit die Importe 2026 deutlich gesenkt werden sollen.
Gold hält sich knapp unter 4.000-Dollar-Marke
Der Kurs des Euro legte zu. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1591 US-Dollar. Am Morgen hatte sie rund einen halben Cent niedriger notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1561 (Donnerstag: 1,1533) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8649 (0,8670) Euro.
Am Nachmittag belasteten schwache Konjunkturdaten aus den USA den Dollar. Das von der Universität von Michigan erhobene Verbrauchervertrauen hat sich im November stärker eingetrübt als erwartet. Vor allem die Beurteilung der aktuellen Lage der Verbraucher verschlechterte sich deutlich.
Gold verbuchte kleine Gewinne. Nach dem deutlichen Rücksetzer vom jüngsten Rekordhoch bei fast 4.400 US-Dollar pendelt der Preis des Edelmetalls um die runde Marke von 4.000 Dollar. Am Freitag verteuerte sich der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) um 0,2 Prozent auf 3.997 Dollar und hielt sich damit knapp unter dieser Schwelle. In Euro gerechnet ging es marginal nach unten.
(mit Material von dpa-AFX)



