Zoll-Streit abgehakt? Wir haben uns zu früh gefreut
Donald Trump will unbedingt eine eisige Insel haben. Und weil er sie nicht bekommt, gibt’s eben wieder Zölle. Die gute Nachricht: Im Depot kannst du durchaus was tun, um die Auswirkungen klein zu halten.
Maximilian Nagel

Die eine Sache, in der US-Präsident Trump annähernd Konsistenz zeigt, sind Wochenenden. Neue Zölle, Drohungen gegen politische Gegner und andere Länder und auch sonstige Arten himmelschreiender Ankündigungen spricht Trump am liebsten am Wochenende aus. Große Ausnahme: Die Zölle am „Liberation Day“ 2025. Das war nämlich ein Mittwoch.
Das gerade vergangene Wochenende aber bestätigte diese Regel. Investoren, die sich angesichts des soliden Jahresstarts ein bisschen Ruhe gönnen wollten, wurden von neuen Zöllen überrumpelt.
Weil Trump Grönland so unbedingt haben will, belegt er die Staaten, die sich auf Dänemarks Seite stellen, mit neuen Strafzöllen. Zunächst sind es ab dem 1. Februar zehn Prozent, ab Anfang Juni dann 25 Prozent. Betroffen sind Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Also mal eben acht der bisher engsten Verbündeten der USA. Europa kündigte Gegenmaßnahmen an. Der vor Monaten ausgehandelte Deal mit den Amerikanern ist Makulatur.
Warum unbedingt Grönland?
Warum Trump die eisige Insel so unbedingt haben will, ist noch nicht einmal richtig klar. Vordergründig behauptet der Präsident, er brauche die Insel für die Sicherheit der USA, und weil sich sonst China oder Russland Grönland schnappen.
Außerdem – das deutete Trump in einem Brief an den norwegischen Premier selbst an – müsse er nun „nicht mehr nur an Frieden“ denken und kann ganz im Sinne der USA handeln, denn er habe ja den Friedensnobelpreis nicht bekommen.
Spekuliert wird ebenso, dass es Trump um – schwer förderbare – Bodenschätze wie beispielsweise Seltene Erden geht. Aber dafür hätte er ja nur mal nett bei Grönland anklopfen müssen.
Zuletzt gibt es noch die These, dass Trump die USA ganz buchstäblich wieder groß machen will, mit neuem Territorium. Womöglich übersieht der Präsident dabei, dass die Insel auf üblichen Karten aufgrund der Mercator-Projektion viel größer aussieht, als sie in Wirklichkeit ist. Egal! Hauptsache, Amerikaner verbinden seinen Namen mit dem Einverleiben Grönlands.
Trump ohne die Zollkeule? Unvorstellbar
Die Tragik des Ganzen: Einmal mehr zeigt sich, dass Unvorhersagbarkeit die neue Realität für Investoren ist (wie ich schon im vorigen April anmerkte). Der US-Präsident kann eben immer mit einer neuen absurden Idee um die Ecke kommen.
Das Beispiel Grönland zeigt dabei, dass im Kern für die Märkte wenig wichtige Themen eben doch ein Faktor werden können. Vor der Zollankündigung nämlich kümmerte die Investoren der Zoff um die Insel kaum. Dabei hätte man doch ahnen können, dass Trump irgendwann wieder zur Zollkeule greift, ist „Zoll“ doch nach eigenem Bekunden das Lieblingswort des Präsidenten.
Auf der anderen Seite: Es ist vielleicht nervenschonender, sich nicht auszumalen, was bei den Eskapaden Trumps noch passieren könnte, und wie er den Märkten (und deinem Portfolio) beim nächsten Mal zusetzt. Und dabei haben wir gerade mal ein Viertel seiner zweiten Amtszeit hinter uns.
Gegen Trumps Launen kannst du dich absichern
Ein kleiner Trost ist immerhin, dass du als Anleger etwas tun kannst bist. Die USA sind zwar die globale Leitbörse und sollten als solche in jedem Portfolio abgebildet sein. Wie stark du sie gewichtest, kannst du aber selbst bestimmen.
2025 hat eindrucksvoll gezeigt, dass andere Märkte sich ebenso lohnen können, gerade für Euro-Anleger. Außerdem bleiben dir andere Option, dich anderweitig gegen Trump’sche Launen abzusichern, beispielsweise mit Gold, oder mit den Anteilen von Firmen, deren Geschäft gegen Zölle weitestgehend immun ist.
Welche das sind, habe ich dir im vergangenen Jahr an dieser Stelle aufgeschrieben. Ebenso interessant könnten für dich auch diese drei Strategien sein, die mehr Ruhe ins Depot bringen sollen.






