DAX-Umbau: Die wahren Sorgen des DAX

Klaus Brune

Die Deutsche Börse muss und will das Image des DAX aufpolieren. Der Leitindex soll, so Börsenchef Theodor Weimer, größer (40 statt 30 Titel), moderner (mehr Sektoren) und belastbarer (Profitabilitätsprüfung) werden. Die Vorschläge, über die „relevante Marktteilnehmer und interessierte Dritte“ bis 4.11. abstimmen, sind sicher geeignet, einige der Wirecard-Schwachstellen im Regelwerk abzustellen.

Der große Wurf sind sie aber nicht. Zum einen fördern sie die erdrückende Dominanz des DAX am deutschen Markt noch weiter, in dessen größer werdenden Schlagschatten viele interessante Nebenwerte zu verdorren drohen. Zahlreiche Regulierungen im Gefolge der Finanzkrise haben bereits dafür gesorgt, dass das Interesse der Anleger zu stark auf die wenigen Titel an der Spitze gelenkt wird. Eine Berichterstattung zu den „Small Caps“ findet immer weniger statt. Das ist zwar gut für Nebenwerte-Experten wie PLATOW, doch die neuen Ideen der Börse werden die Liquidität bei Werten der zweiten und dritten Reihe noch weiter sinken lassen. Mit 40 Titeln stiege die Marktkapitalisierung des DAX um weitere 8%, während der MDAX fast ein Drittel seines Gewichtes verlöre. Der DAX würde dann 83% des gesamten deutschen Aktienmarktes abbilden, während der ungleich mehr Werte enthaltende S&P 500 lediglich auf 75% kommt.

Dieses kleine Zahlenspiel legt das zweite Kernproblem der Vorschläge offen: Das Herumdoktern an der Qualität in der Spitze löst nicht das Problem der fehlenden Breite. Börse und Gesetzgeber wären gut beraten, mit Änderungen bei der Altersvorsorge und der Besteuerung von Aktienerträgen sowie mit leichteren Zugangsbedingungen im unteren Segment dafür zu sorgen, dass aussichtsreiche Jungunternehmen auf mehr Wachstumskapital an der Börse treffen. Steigt dann die Zahl der Börsengänge, wird künftig auch die Qual der Wahl an der Spitze leichter.

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Expertenprofil
Klaus Brune Klaus Brune Ressortleiter Börse PLATOW Verlag

Klaus Brune leitet seit Juli 2017 das Börsen-Ressort des PLATOW Verlags. Nach einem Studium der Amerikanistik in Frankfurt und Carbondale, lllinois (USA), berichtete er mehr als 20 Jahre auf Deutsch und auf Englisch über die internationalen Finanzmärkte. Bei der News Corp. war er zuletzt als Managing Editor für die deutschsprachige Redaktion von Dow Jones News verantwortlich, zuvor leitete er fast zehn Jahre lang als stellvertretender Redaktionsleiter das Reporternetzwerk des Unternehmens.

Bei der PLATOW Redaktion verantwortet er die beiden Publikationen „PLATOW Börse“ und „PLATOW Emerging Markets“. Im Fokus stehen dabei Aktien, welche sich im Normalfall durch ein bewährtes Geschäftsmodell, eine moderate Bewertung und einen stabilen Newsflow auszeichnen. Als Beimischungen werden auch „Fallen Angels“ mit starkem Kurserholungspotenzial oder kurzfristige Spekulationen mit entsprechend höherem Risiko eingesetzt. Mit seinem Redaktionsteam führt Klaus Brune jährlich mehrere hundert Hintergrundgespräche mit Vorständen und anderen Insidern börsennotierter Gesellschaften.

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