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Der DAX und seine gleitenden Durchschnitte – das könnte ungemütlich werden!

Stephan Beier

Neulinge an den Kapitalmärkten sind bei der charttechnischen Analyse auf Grund der Vielfalt der in den Charts eingeblendeten Linien und Indikatoren und auf Grund der vielfältigen Auslegungs- und Interpretationsspielsräume häufig sehr verunsichert. Aber lassen Sie sich davon nicht abschrecken! Sie würden ein wertvolles Mittel zur Orientierung und Navigation Ihrer Anlageentscheidungen aus der Hand geben.

Ein vergleichsweise simples charttechnisches Instrument zur Analyse der Trendrichtung eines Wertpapiers oder eines Index ist die Betrachtung von gleitenden Durchschnittswerten. In die Charts werden diese als Linien eingezeichnet. Regelmäßig ziehe ich zur Bestimmung der übergeordneten Trendrichtung die gleitenden Durchschnitte für 50 Tage, für 100 Tage und für 200 Tage für den deutschen Leitindex DAX heran.

Diese übergeordneten Trendrichtung bestimmt dann die Aktien-Cash-Quote in meinem wikifolio Trendfolge Long/Short Smallcap. Deshalb signalisiert mir die Analyse der gleitenden Durchschnitte bei Bedarf die Notwendigkeit von gebotener Vorsicht, die dann in der Reduzierung meiner Aktienengagements und gegebenenfalls auch im Aufbau von Absicherungspositionen resultieren. Bitte beachten Sie aber, dass es bei der Analyse der gleitenden Durchschnitte nicht um die punktgenaue Bestimmung einer möglichen Trendwende, sondern viel eher um die Einschätzung einer übergeordneten Trendrichtung geht. Jetzt ist es wieder soweit, dass auf Grund einer möglichen bevorstehenden Trendrichtungsänderung eine Warnung ausgesprochen werden muss!

Wie ist die gegenwärtige Situation des DAX im Lichte der Entwicklung in den vergangenen 18 Monaten einzuschätzen? Anfang 2018 hat der DAX sein bisheriges All-Time-High von 13.550 Punkten ausgeprägt um direkt im Anschluss eine 12%-Korrektur bis knapp unter die Marke von 12.000 Punkten vorzunehmen. Im Verlaufe dieser Korrektur wurden zunächst auch alle drei beachteten gleitenden Durchschnittslinien unterschritten. Die in den Erinnerungen der meisten Anleger viel stärker verankerte Abwärtsbewegung setzte aber erst später im Sommer 2018 ein, als der DAX erneut unter alle drei gleitenden Durchschnitte gefallen ist. Nach den turbulenten und von erheblichen Kursverlusten geprägten Wochen im vierten Quartal des vergangenen Jahres, ist der deutsche Leitindex nach einem Verlust von insgesamt 23% pünktlich mit dem Beginn des neuen Jahres 2019 zunächst wieder in den Korrekturmodus (diesmal aber nach oben) übergegangen. Es war absehbar, dass der vorherige scharfe Abwärtstrend früher oder später eine Gegenbewegung nach oben auslösen muss. Von Anfang Januar 2019 bis Anfang April 2019 bin ich in meiner regelmäßigen Kommentierung von einer laufenden Bärenmarktrally, also einer charttechnischen Gegenbewegung in einem übergeordneten abwärts gerichteten Trend ausgegangen. Erst Anfang April 2019, als der DAX erstmalig nach über 6 Monaten wieder über allen drei gleitenden Durchschnittslinien für 50, 100 und 200 Tage geschlossen hat, wurde die Bärenmarktrally durch einen Ausbruch nach oben beendet.

Jetzt ist der DAX aber erneut unter die charttechnisch wichtige Marke von 12.000 Punkten gefallen, die Anfang Oktober 2018 die beschleunigte Abwärtsbewegung des vierten Quartals überhaupt erst ausgelöst hat. Darüber hinaus notiert der DAX auch wieder unter seinem gleitenden Durchschnitt für 50 Tage, der im Übrigen gerade nahezu genau mit der Marke von 12.000 Punkten zusammenfällt. Daraus ergeben sich aus meiner Sicht zwei sehr einfache Szenarien. Entweder schließt der DAX wieder signifikant und nachhaltig über der Marke von 12.000 Punkten und nimmt dann im weiteren Verlauf kurzfristig auch das zuvor ausgeprägte Zwischenhoch von Anfang Mai bei 12.412 Punkten in Angriff. Oder, und dieses Szenario halte ich für derzeit wahrscheinlicher, die seit Anfang Januar laufende Aufwärtsbewegung kommt mit dem Unterschreiten zunächst der 100-Tage-Durchschnittslinie bei ca. 11.680 Punkten und dann endgültig mit dem Unterschreiten der 200-Tage-Durchschnittslinie bei ca. 11.600 Punkten zu ihrem Ende. Dies würde den Wiedereintritt in den mittelfristig übergeordneten Abwärtstrend seit Januar 2018 bedeuten und die Kursgewinne seit Januar 2019 wären im Nachhinein tatsächlich nichts al eine Bärenmarktrally gewesen. In diesem Fall können Anleger dann aus meiner Sicht von einem Déjà-Vu der Kursbewegungen im vierten Quartal des letzten Jahres ausgehen. In meinem wikifolio Trendfolge Long/Short Smallcap werde ich aber spätestens dann aber alle Aktienpositionen liquidiert haben. Der simplen charttechnischen Analyse von drei gleitenden Durchschnittslinien sei Dank!

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Expertenprofil
Stephan Beier Stephan Beier wikifolio-Trader

Stephan Beier ist an den Aktienmärkten seit 1997 aktiv mit eigenen Investitionen engagiert. Während seines Studiums der BWL von 1998 - 2003 und der etwa zeitgleich ablaufenden New-Economy-Bubble hat sich sein Interesse und sein Verständnis der Kapitalmärkte im Wesentlichen ausgebildet.

Nach dem Studium war Stephan Beier mehrere Jahre für verschiedene internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaften tätig. Einen Schwerpunkt bildeten dabei seine mehrjährigen Tätigkeiten in der Unternehmensanalyse und Unternehmensbewertung im Rahmen von M&A-Transaktionen im Auftrag von Private Equity Investoren. Aus dieser Tätigkeit verfügt er über ein tiefes Verständnis der Fundamentalanalyse von Unternehmen und Geschäftsmodellen (Financial and Commercial Due Diligence).

Die Ergebnisse seines Handelssystems veröffentlicht er seit Juni 2013 in seinem Wikifolio Trendfolge Long/Short Smallcap.

Heute ist Stephan Beier insbesondere als Unternehmer und Investor tätig. Gelegentlich ist er auf freiberuflicher Basis auch noch in Projekten wie M&A-Transaktionen, Unternehmensbewertungen und Unternehmenswertentwicklungen involviert. Daneben ist er auch als Lehrbeauftragter und Dozent für verschiedene staatliche Hochschulen und private Business Schools für die Lehrinhalte Bilanz- und Unternehmensanalyse, Corporate Finance und Entrepreneurship verantwortlich.

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